Neuregelung

Besitz im Ausland fällt bald unter EU-Erbrecht

Vom 17. August an die EU-Erbrechtsverordnung – mit weitreichenden Folgen für jeden, der seinen Lebensmittelpunkt ins europäische Ausland verlegt hat, etwa für Rentner, die ihren Lebensabend überwiegend im Süden verbringen, und junge Menschen, die aus beruflichen Gründen zeitweise im Ausland leben.

Sie alle sollten wissen: Künftig gilt nicht mehr die einfache Regel, nach der jeder Deutsche nach deutschem Recht, jeder Franzose nach französischem Recht beerbt wird, sondern Erbschaftsangelegenheiten werden dann automatisch nach dem Recht des Landes geregelt, in dem der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes seinen „gewöhnlichen Aufenthalt“ hatte. Die neue Verordnung sieht aber eine Möglichkeit der Rechtswahl vor: „Wer möchte, dass weiterhin deutsches Erbrecht zum Zuge kommen soll, sollte dies zeitig über ein Testament verfügen“, sagt Notar Michael von Hinden.

Thomas Fitzner, Sprecher der Interessengemeinschaft Fundamente Mallorca, schätzt, dass allein auf den Balearen gut 28.000 Bundesbürger von der neuen Verordnung betroffen sind. Er bestätigt die Notwendigkeit, sich zeitig mit den Konsequenzen durch die neue Erbrechtsverordnung zu beschäftigen. So ist zum Beispiel für Eheleute, die Besitz in Spanien haben, wichtig: Es können dort nicht zwei oder mehr Personen gemeinsam in einem Dokument ein Testament verfassen – im Unterschied zu Deutschland, wo über das Berliner Testament geregelt ist, das dem überlebenden Partner der Nachlass allein zufällt. Wer also auf Mallorca lebt und sein Vermögen nach Berliner Testament vererben will, sollte in seinem Testament deutsches Recht verfügen.

Ausländische Rechtsordnungen können sich außerdem hinsichtlich gesetzlicher Erbquoten oder der Pflichtteilsrechte von deutschem Recht unterscheiden. „Auch ausländische Mitbürger, die dauerhaft in Deutschland leben, sollten wissen, dass im Erbfall künftig regelmäßig deutsches Recht zur Anwendung kommen wird“, sagt von Hinden. Wer dies nicht wolle, müsse eine Rechtswahl zugunsten des jeweiligen Heimatrechts treffen.