Sachbuch

Die Kunst des Verwandelns

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Beate Rühl beschreibt in ihrem Buch, wie man aus einem alten Haus mit optimaler Sanierung eine elegante Villa machen kann

Altbauten üben auf viele Menschen oft eine Faszination aus. Gerade bei besonders alten Gemäuern sind die Spuren ihrer früheren Bewohner und deren Geschichte bisweilen unter mehreren Schichten verborgen. Oder offen an der Patina ablesbar. Diese architektonischen Botschaften aus der Vergangenheit sichtbar zu machen, ist eine Kunst, die ein tieferes Verständnis erfordert. Vor allem dann, wenn ein Altbau gründlich saniert, restauriert und wieder zum Wohnen genutzt werden soll.

Die Autorin Beate Rühl hat für ihr Buch „Altbau wird Traumhaus“ viele Beispiele zusammengestellt, die zeigen, wie sich alter Bausubstanz neues Leben einflößen lässt und welche Fehler sich dabei vermeiden lassen. „Aus einem Altbau einen Neubau machen zu wollen, wäre meiner Ansicht nach der falsche Ansatz. Dem Altbau sollte man seinen Charakter nach der Sanierung noch ansehen“, sagt Röhl. „Auf der Suche nach Sanierungsprojekten für mein Buch bin ich auf zahlreiche Beispiele gestoßen, bei denen der Altbau optisch zu einem Neubau wurde. Wenn dies geschieht, hat die Architektur meines Erachtens versagt.“

Der Reiz einer Altbausanierung bestehe für Architekten und Bauherren vielmehr darin, sich auf die Qualitäten des Ortes und der vorhandenen Räumlichkeiten einzulassen, die Bausubstanz zu bewahren sowie gleichzeitig architektonische Highlights hinzufügen. Allerdings sollten sich Interessierte vor dem Erwerb eines alten Hauses vorab ein genaues Bild vom Zustand ihres künftigen Domizils machen. „Es ist ratsam, vor dem Kauf eines alten Hauses ein Architekturbüro damit zu beauftragen und den Ist-Zustand des Anwesens zu prüfen“, rät Rühl. „Das kann helfen, viel Ärger und Kosten zu sparen. Denn die Architekten können im Vorfeld eine Kostenübersicht erstellen und auf bauliche Mängel hinweisen.“ Mit den richtigen Fachleuten sei eine Sanierung, ein Umbau oder eine Dachaufstockung kein Problem. „Ohne sie kann ein Traumhaus jedoch auch zum Albtraum werden“, sagt Rühl. Doch das lässt sich vermeiden: „Jeder Altbau hat seine Herausforderungen. Egal ob Villa oder Haus aus den 1960er-Jahren, am Ende einer gelungenen Sanierung steht eine diskrete Eleganz.“ So wird das Altbau-Sanieren im Schnitt als spannende Chance gesehen und weniger als Risiko. „Der Trend zum Kauf von Altbauten wächst zunehmend. Gerade immer mehr junge Familien nehmen die Herausforderung einer Altbausanierung an“, beobachtet Rühl. „In Deutschland liegen heute 50 Prozent aller Bauvorhaben im Bereich der Altbausanierung mit oder ohne Denkmalpflege. "Viele Gründe dafür liegen auf der Hand. „Altbauten stehen oft in Wohngebieten mit guter Infrastruktur, altem Baumbestand und einer über Jahrzehnte gewachsenen Umgebung, die ein besonderes Ambiente vermittelt“, unterstreicht Rühl. „Das kann für Liebhaber alter Häuser ein ausschlaggebender Aspekt für den Kauf sein.“

Außerdem wirkten alte Gemäuer oft anziehend, weil sie das Gefühl für ein menschliches Maß vermittelten. „Historische Backsteinziegelwände oder Bruchsteinmauerwerke unterscheiden sich nun einmal elementar von heutigen Bauten nach Industrie-Normen“, sagt Rühl. Waren Häuser früher von vornherein oft sowieso individuell gestaltete Bauten, so lassen sich diese unverwechselbaren Eigenschaften mit viel Sachverstand neu herausarbeiten, interpretieren und die Baugeschichte fortschreiben.

Altbau wird Traumhaus, Beate Rühl, Blottner Verlag

( tvb )