Gastkolumne

Umsonst geklagt

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Hans Georg Kranz ist Geschäftsführer der STRABAG RPS, eines der größten WEG-Verwalter Berlins

Ob Staubsauger, Kaffeemaschine oder Handy: Der eine recherchiert ein halbes Jahr, der andere geht in den nächsten Laden und nimmt einfach ein Modell mit. Schwierig wird es, wenn eine ganze Gruppe eine Entscheidung treffen soll, wie etwa einen Verwalter fürs gemeinsame Wohnungseigentum zu engagieren. Bei zu verschiedenen Vorstellungen kann es passieren, dass alle vor Gericht landen.

So erging es einer Wohnungseigentümergemeinschaft, die die Wiederwahl ihres Verwalters bis vor den Bundesgerichtshof zerrte (V ZR 96/10). Weil alle Beteiligten den Zeitpunkt der Neubestellung übersehen hatten, blieb der alte Verwalter auch nach Ablauf seiner Amtsperiode tätig. Das Fehlen der formellen Bestätigung wurde schließlich bemerkt – und von einem Teil der Gemeinschaft angefochten. Der Beiratsvorsitzende berief eine außerordentliche Eigentümerversammlung ein, auf der die Gemeinschaft mit Mehrheit den bisherigen Verwalter erneut wählte. Dies rügten die klagenden Eigentümer – mit der Begründung, dass vor der Wiederwahl keine Alternativangebote eingeholt wurden.

Schluss mit der Diskussion, sagten schließlich erste, zweite und dritte Instanz, alles rechtens. Bei der Wiederwahl des Verwalters, auch wenn dessen Bestellungszeit formal abgelaufen war, sei die Einholung von Alternativangeboten in der Regel nicht erforderlich. Die Wiederbestellung war formal und inhaltlich korrekt: Die Einladung war ordnungsgemäß und die Angebote anderer Verwalter entbehrlich, da die Eigentümergemeinschaft den amtierenden Verwalter und seine Arbeit seit Jahren kannte und ihm somit den Vorrang geben durfte. Bei einem schlechten Verwalter hätte das Urteil anders ausfallen können.

Holen einzelne Mitglieder im Vorfeld der Verwalterwiederbestellung von sich aus Vergleichsangebote ein, müssen diese von den Eigentümern in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Auch eine persönliche Vorstellung neuer Kandidaten in der Versammlung kann in Erwägung gezogen werden. Alles ist möglich – und alles ist besser, als die Diskussion vor Gericht auszutragen.

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