Traumhaus

Architektur und Design nach Maß

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Tobias von Heymann

Ein Haus sollte das Gefühl von Freiheit, Sicherheit und Geborgenheit vermitteln

Zum eigenen Traumhaus führen sicherlich viele Wege, einer davon aber bestimmt zu Werner Kless und Marianne Constanze Gollub: Während er als Architekt arbeitet, ist sie als Innenarchitektin und Designerin auf das Ausgestalten der Wohnräume spezialisiert. Beide wirken dabei eng zusammen, verwirklichen aber auch eigene Projekte.

Über ein Dutzend oft luxuriöse Stadtvillen hat Kless allein in Berlin in den vergangenen Jahren entworfen und gebaut. Gollub gestaltete unter anderem Lofts in Friedrichshain oder brachte in Wilmersdorf eine Luxuswohnung von 1913 beim Sanieren wieder in ihren stilistischen Urzustand. „Traumhäuser entspringen zunächst der Phantasie“, sagt Gollub. „Jeder hat da ein individuelles Bild von so einem Haus im Kopf.“ Und das ist mehr als nur ein gemauerter „Schuhkarton mit einem Deckel“ darauf. „Davon gibt es viel zu viele“, meint Gollub. Ein Traumhaus muss viele Funktionen erfüllen. „Es muss ein echtes Gefühl von Zuhause vermitteln. Dazu gehören Behaglichkeit und Geborgenheit sowie eine Atmosphäre von Sicherheit und Freiheit. Als Ort zum entspannten Wohlfühlen muss so ein Haus auch die Rolle eines Rückzugsraums erfüllen.“

Die Kunst sei, romantisch zu bauen, ohne kitschig zu sein. Das gelte gleichermaßen für kleine Apartments wie für große Villen. Bei letzteren komme jedoch noch hinzu, dass sie repräsentative Zwecke erfüllen: Salons und Speisezimmer eignen sich für berufliche Empfänge und private Anlässe. „Gerade wohlhabende Menschen möchten oft gerne zeigen, was sie haben“, sagt Gollub. „Da soll zum Beispiel die Küche mit den besten Geräten nach aktuellem Standard ausgestattet sein“, meint die Innendesignerin. „Jedes Haus hat letztlich auch ein Gesicht, das einen von außen ansehen muss“, ergänzt Kless. „Türen und Fenster sind nicht nur Löcher in der Wand, sondern strahlen etwas aus. Im Idealfall spricht einen das Gebäude regelrecht an.“ Dieser einladende Eindruck soll sich dabei im Inneren fortsetzen.

So plant Kless immer ausreichend viel Raum für den Eingangsbereich und den Flur ein. „Ein zu kleiner Flur vermittelt ein beengendes Gefühl“, sagt er. „Deshalb setze ich hier auf Großzügigkeit mit viel Luft und Raum. Denn der erste Eindruck beim Betreten des Hauses stimmt die Besucher auf die nächsten Stunden ein.“ Ein enger Schlauch als Diele schafft da nicht die gewünschte Atmosphäre von Weite und offener Gastlichkeit. Damit man ein einmal gebautes Traumhaus auch im Nachhinein recht problemlos verändern kann, lässt Kless die Dächer und Decken seiner Häuser konsequent auf Säulen und Außenmauern ruhen. So sind die Wände im Inneren nicht tragend und in ihrer Anordnung frei veränderbar.

Ein weiterer Aspekt ist die Bauqualität. „Ein Haus sollte uns zeitlich etwa dreimal überleben können und zwei- bis dreihundert Jahre lang stehen können“, sagt Gollub. „Dabei sollte sich die Bauweise an die Umgebung und das Klima anpassen und sich städteplanerisch gut einfügen.“ Als Beispiel nennt sie Terrakotta-Böden. „In Süditalien dienen sie dazu, gerade an heißen Tagen Kühle ins Haus zu bringen.

Wer sie hier im kühleren Deutschland wegen des südlichen Flairs einbauen will, hat dagegen nur einen kalten Fußboden. Hier wäre eher ein Holzfußboden oder einer mit Fußbodenheizung vorzuziehen.“ Letztlich sei ein Haus eine begehbare Skulptur, der sich immer wieder neues Leben einhauchen lässt.