Kaminbau

Der etwas andere Ofen

Individuelle Modelle lösen die traditionell kantigen Kamine ab

Das unbemannte Flugobjekt erregte Aufsehen im Oberaargauer Städtchen Wiedlisbach. Mitten auf dem Dorfplatz erhob sich die 3,5 Meter hohe silberne Rakete auf drei stählernen Füßen. Aufgestellt hatte sie der Schweizer Ofenbauer Benjamin Zweifel als Werbung für sein Atelier. Doch zunächst musste er beunruhigte Nachbarn über die friedlichen Zwecke seiner Kreation aufklären.

Mit seiner Rakete liegt Zweifel im Trend – nachdem der Kaminbau über viele Jahrzehnte an seinen klassisch kantigen Formen festgehalten hatte. Erst in den 1960er-Jahren setzte ein Wandel ein, als Architekten und Inneneinrichter die Feuerstellen neu interpretierten. Der Gropius-Schüler Marcel Breuer war einer der Pioniere. 1962 rückte er einen geschlossenen Kaminofen aus Beton ins Zentrum des Restaurants in einem Hotel in den französischen Alpen. Die von beiden Seiten transparente Brennkammer gibt den Blick auf die Berggipfel hinter den Flammen frei. Das Objekt steht heute unter Denkmalschutz.

Doch nicht nur ästhetisch hat sich im Kaminbau eine kleine Revolution vollzogen. Der Gesetzgeber hat das Heizen mit Holz zudem stark reglementiert. Denn die 15 Millionen deutschen Einzelraumheizungen für Holz blasen erhebliche Mengen des gesundheitsschädlichen Feinstaubs in die Atmosphäre. 2010 wurde die Bundesimmissionsschutzverordnung eingeführt, seit Anfang des Jahres ist die zweite Stufe mit noch strengeren Auflagen in Kraft: Neue Einzelraumheizungen dürfen nicht mehr als 0,04 Gramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft abgeben.

Energieexperte Peter Kafke von der Verbraucherzentrale Bundesverband hält offene Holzfeuer für eine „energetische Katastrophe“, die wegen der zahlreichen Lüftungen mehr Energie kosten, als sie einspielen. Lediglich Pelletöfen und Holzhackschnitzelöfen tragen das Umweltsiegel Blauer Engel, weil dabei standardisierte Brennstoffe verwendet werden.

Als Altmeister der Kaminkunst gilt übrigens der französische Designer Dominique Imbert, der eher zufällig seine Berufung für ungewöhnliche Feuerstellen fand. Ende der 60er-Jahre hatte er sich in den südfranzösischen Cevennen in einer Ruine niedergelassen und einen offenen Feuerkessel geschmiedet. Das Konstrukt fand Bewunderer, die Bestellungen mehrten sich. Daraus ging die französische Kamindesign-Firma Focus hervor. Das Markenzeichen sind rundliche Kaminöfen aus Metall, die an der Wand angebracht sind oder zentral im Raum „schweben“. Die Kreationen sind weltweit verbreitet, einer der offenen Stahlkessel wärmt Ausstellungsräume in New Yorks Guggenheim-Museum.

Den deutschen Design-Award räumte in diesem Jahr ein Fabrikat aus dem Erzgebirge ab: der runde, um 360 Grad drehbare Ofen der Manufaktur Firetube. „Wir haben die Brennkammer der Form der Flamme angepasst. Dadurch kommt es nicht zu Rückständen und zu weniger Verrußung“, sagt Ofendesigner Axel Schmitz. Mit dem Ofen will er jüngere Käufer ansprechen und platziert ihn mal als „Heavy-Metal“-Ofen an einer Sitzbank mit Gitarre oder setzt ihn in einen weißen Betonquader.

Als Modul ist die Feuerstätte zudem wandelbar und kann vom Kaminofen zum Kachelofen aufgerüstet werden, wenn die Generation Smartphone sich vergrößert. Die dürfte sich auf den dazugehörigen Ofenbänken schnell heimisch fühlen: Dort sind Andockstationen für Smartphone und Tablet eingebaut, dazu gibt es eine passende Kuhle für die Spielkonsole.