Interview

„2200 Euro pro Quadratmeter“

Zwei Architekten entwickelten das Passivhaus für Alt und Jung

Die Architekten Christoph Deimel und Iris Oelschläger führen ein gemeinsames Architektenbüro und haben das Mehrgenerationenhaus entwickelt. Mit ihnen sprach Roland Mischke.

Berliner Morgenpost:

War es von Anfang an die Idee, eine Wohnstätte für Bewohner aller Generationen zu errichten?

Christoph Deimel, Iris Oelschläger:

Die Idee war, eine Baugruppe zu initiieren und ein mehrgeschossiges Passivhaus zu errichten. Eine der ersten Bauherrinnen, eine ältere Dame, wollte nicht als einzige unter den Familien sein. Auch entsprach die Idee, mehrere ältere Menschen zu gewinnen, dem gemeinschaftlichen Wohnen und Austausch. Allerdings hat das mehr Zeit gekostet, schließlich musste das Ganze finanziert werden.

Über das Gebäude und seine Ausstattung wurde lange diskutiert. Wie haben Sie diese Phase in Erinnerung?

Der Gebäudestandard Passivhaus stand fest. Als Architekten haben wir das bauliche Konzept vorgestellt und damit um Mitglieder für die Baugruppe geworben. Intensiv diskutiert wurde über Gemeinschaftsräume und individuelle Wohnungsausbauten. Viel Zeit war erforderlich für die rechtliche Organisation. Die Gründung der Genossenschaft und die Mischung aus Miet- und Eigentumswohnungen war aufwendig, dafür setzten sich der Vorstand und die Projektsteuerung ein.

Wie entstand die Finanzierung?

Mit dem Eigenkapital der Gründungsmitglieder konnte das Grundstück erworben werden. 30 Prozent Eigenkapital mussten die Baugruppenmitglieder nachweisen und für den Rest die Finanzierungszusage einer Bank beibringen.

Was hat eine Eigentumswohnung gekostet?

Im Schnitt 2200 Euro pro Quadratmeter.

Nach welchen Kriterien wurden Bewohner ausgewählt?

Das ökologisch-generationengemischte Konzept war als Grundkonsens vorhanden. Zuletzt sind die älteren Menschen eingezogen, mit ihnen gab es mehrere Gespräche, über deren Beitritt wurde gemeinschaftlich abgestimmt.

Das Interesse an dieser Wohnart steigt rasant. Weshalb reagiert die Immobilienwirtschaft kaum?

Sie ist noch etwas träge und leider oft nicht zukunftsorientiert. Auch die Flexibilität bei der Planung ist aufwendig: Wohnungen müssen teilbar sein, Barrieren vermieden werden. Nur dann sind solche Häuser für viele Personengruppen interessant.

Warum gibt es Ihrer Ansicht nach, nicht mehr Baugruppen?

Die Anzahl ist gestiegen, es gibt auch Modelle für eine breitere Schicht an Interessenten. Ein freies Grundstück in einer Innenstadtlage zu erhalten, ist aber für Baugruppen schwierig.