Innenarchitektur

So stört die offene Küche nicht

Leisere Spülmaschinen und weniger Edelstahl machen den Raum wohnlicher

Eine zum Wohnraum hin offene Küche ist bei Neubauten fast schon Standard: Der Verband der Deutschen Möbelindustrie geht davon aus, dass mehr als 90 Prozent der Grundrisse dieses Prinzip verfolgen. Auch beim Sanieren und bei Umbauten werden häufig Wände herausgerissen. Tendenz steigend. Das verändert die Ansprüche der Bewohner an Möbel und Haushaltsgeräte. Denn in einem großzügigen Wohnraum ohne schützende Trennwände zu wohnen, ist nicht immer Luxus, sondern mitunter auch nervig. Gerätehersteller und Möbeldesigner haben das registriert und bieten inzwischen Lösungen dafür an.

Ruhig wie in der Bücherei

Beispiel Lautstärke: Der Geschirrspüler scheppert und verbreitet ein dumpfes Rauschen, die Waschmaschine brummt vor sich hin. Normalerweise würde man die Tür zur Küche schließen. Aber im offenen Grundriss gibt es so etwas nicht. Darum sollten Käufer bei der Anschaffung neuer Haushaltsgeräte nicht nur auf deren Energieverbrauch, sondern auch auf deren Lautstärke achten. „Das betrifft vor allem Dunstabzugshauben und Spülmaschinen“, sagt Kirk Mangels, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche. Bei manchen Geschirrspülern sind nur noch leise 38 Dezibel zu hören, was etwa dem Geräuschpegel in einer Bücherei entspricht.

Auch Schubladen sollen sich leise schließen, Schranktüren nicht zuschlagen können. Quasi Standard ist im Wohnraum die verzögerte Automatik der Scharniere. Sie bremst den Schwung des Zustoßens ab und lässt die Türen und Laden langsam in ihre geschlossene Position fahren. Das setzt sich inzwischen bei Küchen ebenso durch.

Ein weiteres Problem: Offene Küchen machen einen sterilen Eindruck, weil kühl wirkende Materialen verwendet wurden. Aber nun soll die Küche als Teil des Wohnzimmers wahrgenommen werden. Das heißt: Möbel und Geräte müssen sich optisch ins Ambiente einfügen. Nutzerstudien haben gezeigt, dass Küchengeräte mit weniger Anteilen Edelstahl eine höhere Akzeptanz bei den Konsumenten hätten, erläutert Gerhard Nüssler, Chefdesigner der Siemens-Electrogeräte. Inzwischen werben Hersteller schon damit, dass ihr Edelstahlanteil gering sei. Eine ungewöhnliche Trendwende.

Auch bei Schränken tut sich etwas: Sie nähern sich optisch immer mehr den Wohnzimmermöbeln an. Griffe für Schubladen und Schränke verschwinden, man muss nur noch auf die Türen drücken, und sie öffnen sich.

Hier wird sogar gekocht

Außerdem ersetzen Regale die Oberschränke und lassen die Küche wohnlich wirken, erklärt Jörg Overlack vom Kücheneinrichter SieMatic. In einer durchgestylten Küche zeigen Töpfe, Schüsseln oder aufgestapelte Teller im offenen Regal an: Hier kocht tatsächlich jemand.

Ein weiteres Problem offenbaren die offenen Grundrisse erst nach einiger Zeit. Viele vermissen dann doch die Privatsphäre, die Wände und Türen bieten. „Die Menschen haben die Wände herausgerissen, plötzlich stehen sie da und wollen wieder Trennwände“, sagt Bernd. D. Ehrengart, Inhaber des Raumausstatters Lambert. Die Lösung sind für ihn flexibel einsetzbare Raumteiler. Das können mobile Kommoden und Bücherregale auf Rollen sein. Oder eben Dekorationen, die für Trennung sorgen, wie von der Decke hängende Gegenstände.

Immer häufiger werden Regalwände oder Küchenbuffets wie aus Omas Zeiten als Solitäre angeboten. Sie sind dafür gedacht, mitten im Raum zu stehen und ein Hingucker zu sein. Alternativ bieten sich Vitrinenmöbel mit Glaswänden zu allen vier Seiten an. Sie trennen zwar ab, lassen aber immer noch Durchblick und viel Platz für Dekorationen zu.