Trends

„Es ist vorbei mit der Gemütlichkeit“

Möbel und Accessoires werden jetzt knallig, sagt Trendscout Axel Venn

Jedes Jahr hat die Möbelbranche eine andere Trendfarbe: 2014 waren viele Sofas blau, viele Accessoires gold- und silberfarben. Was ist 2015 en vogue? Einer, der es wissen muss, ist Farbenexperte Axel Venn. Der emeritierte Professor für Farbgestaltung und Trendscouting an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim hat ausgemacht: Im Trend ist 2015 eigentlich alles.

Immer mehr Hersteller erweitern ihre bestehenden Möbelserien in Schwarz, Weiß, Grau und Holztönen um eine große Farbenpalette. „Plötzlich hat man 27 Farben“, sagt Axel Venn. „Das ist ein Zeichen der Zeit, der Purismus ist out.“ Auch den Grund hat er ausgemacht: Nur Schwarz, Weiß und Grau im Wohnraum ohne Farbtupfer halte der Mensch nicht lange aus. „Er braucht Spannung.“

Und während bisher Braun, Beige oder Grau vielen Farben beigemischt war, um diese dezenter wirken zu lassen, werden die Einrichtungsfarben in den nächsten Jahren richtig knallen. „Es werden reine Töne sein, die sehr kräftig sind. Es wird prägnant sein, fast wehtun“, erklärte der Trendscout. Dazu werden die Farben kombiniert: „Man wird ein strahlendes Weiß sehen, dazu Aquamarin, dazu ein kräftiges Pink und dazu ein Orange, das an das Warnsignal erinnert, und dann auch noch dazu Gelb.“ Die Mischungen erinnern an die Farbwelten Ende der 60er-Jahre.

Gepaart werden die Farben mit ebenso wilden Mustern: „Das Runde wird verschwinden, Polygone werden immer wichtiger“, prognostiziert Professor Venn. Auf Bezugsstoffen, Vorhängen und Teppichen werden Vielecke statt Kreise zu sehen sein. Denn der Mensch will im Wohnraum ausdrücken, was seinen Erfahrungen und Lebensinhalten entspricht – und diese haben Ecken und Kanten. „Es ist vorbei mit der biederen Gemütlichkeit.“

Dass immer wieder etwas Neues in der Möbelbranche, aber auch in anderen Bereichen des Lebens kommen muss, erklärt der Trendexperte mit dem ständigen Wunsch des Menschen nach Abwechslung: „Ein Trend ist immer die Suche nach spannungsvollem Neuen.“ Und daher seien „Trends genaugenommen nichts anderes als eine untreue Haltung zu vergangenen Trends“. Aber Venn unterstreicht auch, dass sich in der Produktwelt nur Trends durchsetzen lassen, die einen „alten Kern“ besitzen. Eben darum seien die Farbwelten der 60er-Jahre im Kommen.