Umwelt

Gas fürs grüne Gewissen

Umwelttarife der Versorger: Was Klima, Bio und Öko-bio bedeuten

Ökostrom ist in Deutschland weit verbreitet. Ökogas dagegen bewegt sich noch in einer Nische. Außerdem gibt es unterschiedliche Produkte, deren Namen für Verwirrung sorgen. Was steckt hinter den Bezeichnungen Ökogas, Biogas und Ökobiogas?

Grundsätzlich ist alles, was als Ökogas angeboten wird, Methan. Chemisch also der gleiche Stoff wie Erdgas. Ökogas kann „ganz normales Erdgas sein“, erklärt Florian Krüger vom Vergleichsportal Verivox. „Es wird dann in sogenannten Klimagastarifen vermarktet, bei denen die Versorger eine Investition in Umweltprojekte garantieren, etwa in die Wiederaufforstung von Wäldern.“ So kann der Klimaschaden durch das Kohlendioxid ausgeglichen werden, das bei der Verbrennung von Methan entsteht.

„Klimagastarife sind nicht teurer als normale“, sagt Krüger. Oft seien sie sogar die günstigsten, weil Anbieter über den Umweltnutzen Kunden gewinnen wollen. „Gegenüber dem Grundversorgungstarif kann man mit einem Klimagastarif bis zu 300 Euro im Jahr sparen“, sagt der Experte. Beim Grundversorger ist man automatisch, wenn man seinen Tarif noch nie gewechselt hat.

Klimagastarife werden unter anderem vom TÜV zertifiziert. Für die Beurteilung gibt es unterschiedliche Standards, von denen der beste der Gold-Standard ist, sagt Krüger: „Er bestätigt, dass durch das Angebot tatsächlich ein Zusatznutzen für die Umwelt entsteht.“

Kritik an Monokultur

Während das Ökogas aus den Klimatarifen meist importiertes Erdgas ist, stammt Biogas aus der Vergärung von organischen Stoffen. „Es wird in Deutschland zu zwei Dritteln aus Abfall und Gülle hergestellt. Rund ein Drittel stammt aus nachwachsenden Rohstoffen, also aus Pflanzen“, sagt Matthias Edel von der Deutschen Energieagentur dena. Die am häufigsten angebaute Energiepflanze ist Mais, was wegen der Monokulturen allerdings für Kritik sorgt. Ebenfalls gute Energiepflanzen sind die Silphie, Topinambur oder Kleegras. Im sogenannten Biogasregister dokumentiert die dena, wie viel Biogas die Erzeuger aus welchen Rohstoffen herstellen.

Biogas wird so aufbereitet, dass es chemisch dem Methan entspricht. Händler und Energieversorger, die das Gas an die Endverbraucher liefern, bekommen Nachweise mitgeliefert, dass sie eine tatsächlich vorhandene Gasmenge verkaufen. Schließlich bekommt man sein Biogas nicht über eine eigene Pipeline ins Haus, sondern es strömt ins Gasnetz, vermischt sich dort mit dem Erdgas. „Über das Biogasregister können die Mengen und die Herkunft aber bilanziell nachgewiesen werden“, sagt Matthias Edel.

Einen geringen Anteil am Biogasmarkt hat Ökobiogas. Hier stammen die Rohstoffe aus dem Ökolandbau. „Insgesamt ist der Markt für Biogas zum Heizen relativ klein“, sagt Edel. Laut einer Untersuchung von Frank Scholwin vom Institut für Biogas, Kreislaufwirtschaft & Energie wird das meiste Biogas in Kraft-Wärme-Kopplungen verbrannt. Sie erzeugen Strom und nutzen gleichzeitig die Abwärme. Mit den effizienten Anlagen lassen sich die höchsten Klimagaseinsparungen erreichen, schreibt Scholwin in einem Dossier zum Stand der Biogasnutzung.

Eine noch geringere Rolle im Ökogasmarkt spielt Wasserstoffgas, das per Elektrolyse hergestellt wird. In dem Verfahren wird Wasser mit Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Das hat Sinn, wenn viel überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien anfällt. Eine der wenigen Anlagen, die Gaskunden mit Wasserstoff zum Heizen versorgt, betreibt der Prenzlauer Windanlagenbauer Enertrag. In kleinen Mengen kann Wasserstoff problemlos ins Erdgasnetz eingespeist werden.

Häufiger Anlass zum Wechsel des Gastarifs ist ein Umzug. Möchte man mit dem Bezug von „richtigem“ Biogas etwas für die Umwelt tun, hat man meist die Wahl zwischen Biogas-Beimischungen von fünf, zehn, 20 oder 30 Prozent. Von 300 Versorgern, die irgendeine Form von Ökogas im Angebot haben, liefert immerhin jeder Zehnte ein 100-prozentiges Biogas, sagt Florian Krüger. „Es stammt dann meist aus der Abfallverwertung in der Region.“

Die günstigsten Tarife mit Beimischungen seien nicht teurer als der Durchschnitt, diejenigen mit 100 Prozent Biogas in der Regel schon, sagt Krüger. Aber auch hier gibt es Anbieter, die nur knapp über dem Grundversorgertarif liegen.

Umwelt-Label „Grünes Gas"

Bei der Suche nach einem nachhaltigen Biogastarif können sich Verbraucher am Label „Grünes Gas“ orientieren, das von sieben gemeinnützigen Umwelt- und Verbraucherverbänden vergeben wird. „Es legt strenge Kriterien an die Herkunft der Rohstoffe an“, sagt Matthias Edel von der dena. Wert gelegt wird auf eine ausgewogene Fruchtfolge, Monokulturen werden also vermieden. Wenig mineralische Düngung, wenig Pflanzenschutzmittel und kurze Transportwege sind weitere Kriterien, Gentechnik ist ausgeschlossen.