Interview

„Spielerisch mit Licht umgehen“

Intuition statt starres Schema hilft bei der Gestaltung einer Wohnung

Berliner Morgenpost:

Wie definieren Sie das Berufsbild des Interior-Designers?

Boris Zbikowski:

Ich gestalte nicht nur Räume, sondern bin auch Stylist und Set Designer für Fotoproduktionen. In beiden Fällen sind Denken in Bildern, räumliche Vorstellungskraft und visuelle Umsetzung einer Emotion wichtig. Ich halte mich länger in den Räumen auf, beobachte Lichtstimmungen zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten und verlasse mich ganz auf meine Intuition. Das Gefühl für den Raum ist stark geprägt davon, dass ich die Hausherren kenne, deren Bedürfnisse und Ansprüche, und gezielt Veränderungsvorschläge unterbreite. Grundsätzlich versuche ich in jedem Raum die charmanten Details herauszuarbeiten.

Welche Voraussetzungen muss man für den Beruf mitbringen?

Eine große Portion Sensibilität für Menschen, die sich in den Räumen aufhalten, die verändert werden sollen.

Haben Ihre Kunden feste Vorstellungen, wie sie ihre Wohnräume gestaltet haben wollen? Oder lässt man Ihnen weitgehend freie Hand?

Ich merke sehr schnell, ob ich einen Kunden glücklich machen kann oder nicht. In der Branche gelte ich als gestalterischer Hippie, meine Farbkonzepte sind meist unkonventionell. Mit der Bereitschaft, mir freie Hand zu geben, klappt es erfahrungsgemäß am besten.

Sie haben auch die Räume in der Wohnung der Familie von Löhneysen gestaltet. Wie sind Sie dort vorgegangen?

In den beiden wichtigen Gemeinschaftsräumen ging es ums Wohlfühlen. Geerbte Möbelstücke und außergewöhnliche Arbeiten von Künstlern, mit denen von Löhneysens verbunden sind, waren zu berücksichtigen. Teilweise blockierten sie aber die Räume und den Blick. Der Übergang vom gemütlichen, schummrigen Altbau in den luftigen, hellen Anbau war sehr stark. Mein Anliegen war, Licht und Luft in den Altbau zu bringen und Geborgenheit und Gemütlichkeit in den Neubau.

Wie wird ein Raum eigentlich optimal beleuchtet?

Zwar liebe ich schummriges Licht, bin aber gleichzeitig für mehrere Lichtquellen im Raum, die spielerisch mit der Funktion, Licht zu spenden, umgehen. Daher arbeite ich gern mit dimmbarem Licht. Denn Licht im Raum muss veränderbar sein und Situationen angepasst werden können.

Wie sieht für Sie eine geschmackvoll gestylte Wohnung aus?

Mich sprechen vor allem Wohnungen an, die einen persönlichen Geschmack, eine Liebhaberei oder Sammlerleidenschaft erkennen lassen. Die Mischung von Alt und Neu, teuren Designerstücken und billigen Skurrilitäten vom Flohmarkt ist mir am liebsten. Ich mag es, wenn ich mir anhand der Einrichtung ein detailliertes Bild von den in den Räumen lebenden Personen machen kann, und wenn diese Personen dabei ein wenig schräg rüberkommen.