Recht

Wer in der WG das Sagen hat

Mietrechtler kennen drei Vertragsvarianten. Hier erklären sie die Unterschiede

Eine Wohngemeinschaft zu gründen ist eine attraktive Option für Studenten, Senioren und Berufstätige, die häufig den Arbeitsort wechseln. Der Vorteil liegt auf der Hand: In der WG spart man Geld und kommt so mit BAföG, Rente oder schmalem Gehalt besser über die Runden. Sie kann auch ein Mittel gegen Einsamkeit sein. Das Mietrecht allerdings kennt die Form des Zusammenwohnens in einer WG nicht. Deshalb leiten sich Regeln zum Mietvertrag aus der Rechtsprechung ab, erklärt Mietrechtsanwalt Marcus Reidel. Fachleute unterscheiden drei Varianten von WG-Mietverträgen.

Zunächst einmal können alle Mitglieder der WG Hauptmieter sein. Sie stehen namentlich im Mietvertrag, den jeder unterschreibt. Gegenüber dem Vermieter besitzen alle die gleichen Rechte und Pflichten. Bleibt in dieser sogenannten echten WG ein Bewohner Miete oder Nebenkosten schuldig, könne sich der Vermieter das Geld von jedem anderen holen, sagt Reidel. Mehr als den Zahlungsrückstand darf der Eigentümer bei dieser gesamtschuldnerischen Haftung nicht abkassieren. Beim Auszug muss er die WG-Mitglieder einzeln anschreiben und fragen, wie er die zur Rückzahlung anstehende Kaution verteilen soll. Einigt sich die Gruppe nicht, wird die Kaution zunächst bei der Hinterlegungsstelle des Amtsgerichts deponiert.

Ein solcher Vertrag hat nach Ansicht von Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund (DMB) einen Haken: „Es müssen alle gemeinsam kündigen.“ Ein Bewohner kann also nicht einfach ausziehen; er braucht die Zustimmung der Mitbewohner und des Vermieters. Das Problem lässt sich lösen, indem im Mietvertrag ausdrücklich die Überlassung an die Wohngemeinschaft festgeschrieben wird.

Drei Zimmer, drei Verträge

Möglich ist auch, Untermietverträge abzuschließen. Dabei ist der Hauptmieter der Wohnung der einzige Vertragspartner des Wohnungseigentümers und wird anschließend selbst zum Vermieter. „Einer hat das Sagen, die anderen sind abhängig“, beschreibt Ropertz die starke Stellung des Hauptmieters in dieser WG. Das geht soweit, dass dessen Mitbewohner ebenfalls rausfliegen, wenn der Hauptmieter vor die Tür gesetzt wird. Er trägt im Gegenzug das gesamte wirtschaftliche Risiko: zahlt die Kaution, steht allein ein für die pünktliche Zahlung der vollen Miete, haftet für Schäden oder Schönheitsreparaturen und verantwortet das Einhalten der Hausordnung.

Bei Kündigung könnte der Vermieter das Mietverhältnis mit einem oder mehreren Untermietern fortsetzen. „Der Eigentümer kann nicht gezwungen werden, einen neuen Hauptmieter zu akzeptieren, aber es ist die Regel, dass übernommen wird“, sagt die Miet- und Immobilienrechtsreferentin des Eigentümerverbands Haus & Grund Deutschland, Inka-Marie Storm. Untermiet-Wohngemeinschaften, die weitsichtig sind, lassen so eine Option von Anfang an in den Hauptmietvertrag aufnehmen.

Eine dritte Variante ist, dass der Hauseigentümer die Wohnung zimmerweise per Einzelmietvertrag vermietet. „Drei Zimmer, drei Verträge“, sagt Storm. In dem Fall bestimmt der Vermieter die WG-Mitglieder. Das kann ein Nachteil sein, muss aber nicht: Jeder Mieter kann jederzeit ohne Rücksicht auf die Mitbewohner raus dem Vertrag. Es gibt auch keinen dominierenden Hauptmieter, jeder hat dieselben Rechte und Pflichten gegenüber dem Vermieter. Die WG-Bewohner kommen nur für ihren eigenen Mietzins auf; Zahlungsrückstände oder Mietstreitigkeiten eines Einzelnen beeinflussen dessen Mitbewohner nicht.