Wohnungskauf

Berliner Osten am günstigsten

Niedrige Zinsen verlocken zum Immobilienkauf. 18 Prozent des Einkommens reichen in Teilen der Hauptstadt zur Finanzierung einer Eigentumswohnung

Der Kauf einer Eigentumswohnung ist derzeit extrem attraktiv. „Trotz moderat steigender Preise sind Immobilien erschwinglicher als jemals zuvor“, sagt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands IVD in Berlin. Außerdem seien die Bauzinsen 2014 Jahr nochmals deutlich gefallen und die Löhne vergleichsweise stark gestiegen, so dass die monatliche Belastung durch einen Kredit unterm Strich geringer geworden ist.

Der IVD berechnet einen Index, der diese drei Faktoren – Immobilienpreise, Bauzinsen und Gehaltsstruktur – zu einer einzigen Kennzahl zusammenfasst. Sie gibt Auskunft darüber, inwieweit es für einen durchschnittlichen Haushalt finanziell möglich ist, eine Immobilie zu kaufen. Ein hoher Wert zeigt eine gute, ein niedriger Wert eine schlechte Erschwinglichkeit an.

Aktuell liegt der Index bei einem Wert von 139. Beim bisherigen Allzeithoch von Ende 2012 erreichte der Index den Wert 134,6. „Der Höchststand ist ein guter Zeitpunkt für deutsche Mieterhaushalte, über den Erwerb ihrer vier Wände nachzudenken“, resümiert Verbandsvertreter Schick.

Die erschwinglichsten Eigenheime in deutschen Großstädten sind in den östlichen Bezirken Berlins zu finden (Index: 139,45). „Ein durchschnittlicher Haushalt muss im Ostteil der Hauptstadt rund 18 Prozent seines Einkommens zur Finanzierung der eigenen vier Wände ausgeben“, erklärt Schick. „Dies entspricht rund 620 Euro im Monat.“ Im Westen Berlins ist das Eigenheim weniger leicht erschwinglich (Index bei 105,98). An zweiter Stelle bei den Großstädten steht Dresden, es folgen auf den weiteren Plätzen Leipzig und Hannover.

Kauf gut durchrechnen

Doch vermeintlich günstige Gelegenheiten bergen immer auch ein Risiko. Experten der Verbraucherzentralen warnen davor, eine Immobilie ohne solides Finanzierungskonzept zu kaufen. Ihre Empfehlungen: Als Erstes sollten Immobilienbesitzer in spe eine Checkliste erstellen. Auf der Einnahmeseite müssen Nettoeinkommen, Kapitalerträge sowie sonstige Einnahmen, etwa das Kindergeld, aufgelistet werden.

Auf der anderen Seite sind monatliche Ausgaben für die Miete und die Lebenshaltungskosten sowie unregelmäßige Ausgaben wie zum Beispiel Urlaub, Beiträge, Versicherungen und Aufwendungen fürs Auto zu vermerken. Aus der Differenz zwischen der Summe der Einnahmen und der Summe der Ausgaben ergibt sich dann der Betrag, der rein theoretisch in die Immobilienfinanzierung fließen kann. „Allerdings sollten nicht alle freien Mittel bis zum letzten Euro ins Eigenheim investiert werden“, sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Für ungeplante Ausgaben sollte eine Geldreserve da sein. „Ansonsten müssten Anschaffungen über teure Ratenkredite finanziert werden, das könnte die Liquidität unnötig belasten“, warnt Scherfling.

„Als Faustregel gilt, dass 20 bis 30 Prozent Eigenkapital bei einer Immobilienfinanzierung eingebracht werden“, sagt Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken in Berlin. Von vornherein bedacht werden sollten auch die gegebenenfalls ebenso aus Eigenkapital zu finanzierenden Kosten für den Umzug und den Kauf einer neuen Küche oder neuer Möbel, rät Helmut Weigt vom Verband Wohneigentum in Bonn.