Möbel

Ruhige Nächte auf dem Sofa

Auch Sitzgelegenheiten können zu einem großen Doppelbett werden

Müssen Gäste auf dem Sofa übernachten, haben sie meist keine hohen Erwartungen. Die Folgen der kostenlosen Bleibe: schlechter Schlaf und ein steifer Nacken. Doch das muss nicht so sein: In diesem Jahr sind Sofas im Trend, die sich schnell in ein Bett verwandeln lassen.

Die neuen Sofas sind klein, aber funktional. „Die Menschen haben immer weniger Wohnraum zur Verfügung“, erklärt Roland Ragailler, Geschäftsführer der sedda Polstermöbelwerke. „Und der muss so gut wie möglich genutzt werden, denn viele haben kein Gästezimmer.“ Sedda hat ein sogenanntes easy-System entwickelt. Die Sofas lassen sich dabei mit wenigen Handbewegungen in ein Bett verwandeln. Bei der Multifunktionscouch Sandro kann jeder sogar individuell entscheiden, ob er das Sofa in eine Lang- oder Querschläfervariante umbaut – je nach Raumgröße und Standort des Sofas.

Dieser Trend lässt sich auch bei Swiss Plus beobachten. Das Sofa Cento-60 lässt sich in ein Doppelbett verwandeln. Cento-60 ist 162 Zentimeter breit und 83 Zentimeter tief. Bei dieser Größe passt es selbst in die kleinste Studentenbude. Kommen die Eltern zu Besuch, können sie auf einem 150 mal 219 Zentimeter großen Bett übernachten. So wird das Wohnzimmer schnell zum Schlafzimmer, sagt Jörg Keller, Inhaber des Unternehmens. „Und das hat auch nichts mehr von einer Notlösung.“ Bei der ADA Möbelfabrik gibt es den sogenannten Speedy-Bettenauszug. Das Unternehmen verspricht, dass sich das Sofa in nur drei Sekunden mit drei Handgriffen in ein Doppelbett umwandeln lässt.

„Große Wohnlandschaften sind nicht mehr aktuell“, sagt ADA-Vorstand Gerhard Vorraber. Ein Grund seien die Singlehaushalte. Alleinstehende brauchen keine riesigen Sofas und haben nicht den Platz dafür. Wichtiger ist es, dass die Sofas sich mit anderen Möbelstücken kombinieren lassen. „Die Zeit der schreienden Farben ist vorbei“, erklärt Andreas Gerecke vom Porzellanhersteller Rosenthal. Rosenthal hat gemeinsam mit ADA eine Kollektion entwickelt, die von der Porzellanoptik inspiriert ist.

Das Sofa Modular dieser Kollektion ist aus Leder und in einem schlichten Rosé oder eleganten Grau erhältlich. „Die Modelle sind Unikate“, sagt Gerecke. Dennoch seien sie dezent genug, um sich in bestehende Raumkonzepte einzufügen. Auch das Polstersofa Bristol von Poliform, entworfen von Jean-Marie Massaud, gibt es vor allem in Natur- und hellen Brauntönen. Bei den Bezugstoffen seien nach Angaben des Verbands der Deutschen Möbelindustrie besonders Baumwolle, Leinen, Wolle und Wollfilz beliebt. Außerdem gebe es einen hohen Anteil an Kunstfasern und Mischgeweben, die besonders strapazierfähig sind.

Neuer Touch durch Kissen

Roland Ragailler von Sedda beobachtet, dass auch Leder geschätzt wird. „Ein Sofa ist etwas Dauerhaftes für viele Jahre.“ Viele toben sich dann farblich bei Accessoires wie den Kissen aus und geben dem Wohnzimmer mit wechselnden Modellen einen neuen Touch.

Scheinbar gegen den Trend gerichtet sind die Kollektionen von Bretz. So sind die Sofas „Cocoa Island“ riesige Sitzlandschaften in auffälligen Farben. Es gibt sie sogar mit 163 Zentimeter Tiefe, genannt „Day Bed“ (Tagesbett). Auch hier steht die Kombinierbarkeit im Mittelpunkt: Die vielen Sitztiefen und Farben lassen sich beliebig miteinander verbinden. Auch die kleinen Verwandlungskünstler von Swiss Plus gibt es nicht nur in zurückhaltenden Farben. „Wir haben auch schräge Retrofarben“, sagt Keller. Da dürfe es ruhig etwas knallen.