Luxus

Ein Reich für Millionäre

In Mitte ist ein Luxus-Apartment bezugsfertig – mit Concierge Service und eigenem Wellnessbereich

Mit Monaco kann Berlin nicht mithalten. Im Fürstentum entsteht zurzeit ein voll verglastes Penthouse auf einem Hochhausdach, das für 300 Millionen Euro im Angebot ist. Die exklusive Wohnung in 170 Meter Höhe passt in die kleine Stadt am Mittelmeer mit einer Bevölkerung, die zur Hälfte aus Millionären besteht. Es wird wohl noch für einige Zeit die teuerste Immobilie auf dem Planeten sein.

Berlin holt aber auf. Es kann nun mit London und Paris mithalten, München, Frankfurt und Hamburg hat es mit einem Top-Objekt überholt. Das „yoo berlin“ am Bertolt-Brecht-Platz in Mitte – davor die Spree, links, nur 50 Meter entfernt, die Friedrichstraße mit der Weidendammer Brücke, rechts das Gebäude des Berliner Ensembles – ist der teuerste Wohnort der deutschen Hauptstadt.

In einem dynamischen Bau in Form einer Pyramide, der bei Dunkelheit aus sich heraus leuchtet, sind 95 Wohnungen entstanden. Mehr als 90 Prozent wurden verkauft. Die kleinste Wohnung in der „einzigartigen Design-Immobilie“ (Eigenwerbung) kostet 925.000 Euro, ab einer Größe von 80 Quadratmetern wird ein Millionenbetrag fällig. Die Wohnungen gehen zur Hälfte an deutsche Interessenten, zur anderen an vermögende Käufer aus China, den USA oder den Golfstaaten.

Es sind auch „mehr als zehn Berliner Käufer“ dabei, ist aus dem schweizerischen Unternehmen Peach Property Group zu hören, das den Verkauf übernahm. Auch der Rocker Udo Lindenberg hat sich für eine Wohnung interessiert. Der Blick auf die Stadt ist spektakulär. Setzt die Dunkelheit ein, kann man wie im Zeitraffer verfolgen, wie die Sonne in der Reichstagskuppel tanzt. Ein Leuchten und Blitzen, während die Lichter der Stadt angehen.

Entworfen hat das kompakte Ensemble Am Zirkus das preisgekrönte Berliner Architekturbüro Eike Becker. Dessen Marketingchefin Silvana Eva Ott, diplomierte Kommunikationswirtin, präsentiert den Lesern der Berliner Morgenpost exklusiv die teuerste Wohnung Deutschlands. Ott bewegt sich darin wie die Hausherrin, sie kennt alle Vorteile des Penthouses im achten Stock.

Auf dieser Ebene gibt es noch eine zweite Wohnung ähnlicher Größe. Der Quadratmeterpreis der 255 Quadratmeter großen Wohnung liegt bei 25.000 Euro. Ein stolzer Preis, aber es gibt Interessenten aus 17 Ländern, darunter viele Unternehmer, Anwälte und Ärzte, die ein Faible haben für das ganz Besondere.

„Die Deutschen sind eher introvertiert, wenn es um exklusives Wohnen geht“, erklärt Ott. „Südeuropäer, vor allem aber Amerikaner und Asiaten sind offener, zeigen Außergewöhnliches gerne vor. Hier ist ein Wohnen mit Komfort möglich, wie es ihn nur selten gibt.“ Dann prophezeit sie: „Es dürfte ein Connaisseur sein, der hier einziehen wird, ein Kenner, der schon viel gesehen und Sinn für Schönheit hat.“

Zwei Bäder sind fertig

Die wahre Schönheit sieht man allerdings noch nicht. Die Wohnung wird an neue Eigentümer bezugsfertig übergeben, erst dann wird sie gestaltet. Zwei Bäder sind fertiggestellt, es gibt Querwände, aber fast alles kann noch geändert werden auf der Wunschliste des Käufers. Die Schweizer Architektin Nadia Kayat, die in Berlin schon mehrere Penthouses exklusiv eingerichtet hat und nun auch für diese Wohnung verantwortlich zeichnet, erweist sich gar als Dichterin.

Wenn sie das Flair der Räume beschreibt, wird sie poetisch: „Dieses Apartment bietet elegante und zugleich intime Lebensräume. Mit edlen Materialien wie Platin, Holz, Marmor, Bronze und vielen Details wollen wir für die Bewohner ein modernes, maßgefertigtes Stück Kunsthandwerk erlebbar machen.“

Dann folgen überschwängliche Sätze: „Hier ist der Raum des Luxus, der Panoramablick über die Metropolen-Skyline von Berlin“, heißt es. „Vor allem aber ist es der Kontext der Wohnung selbst, der Faszination ausübt.“ Die beiden Frauen sind gut in der Darstellung der Vorzüge des Penthouses, sie haben sich lange damit befasst. „Grundsätzlich sind zwei Varianten möglich“, erklärt Silvana Eva Ott. „Es kann an der Vorderseite ein ganz großer Raum entstehen.“ Eine Wohnlandschaft mit Pianoforte und Kaminfeuer; die Ethanol-Feuerstelle würde in das Fensterband integriert. Dessen Spannweite umfasst 22 Meter. Die davor gelegene Sonnenterrasse erstreckt sich auf 40 Quadratmetern.

„Die Weite des Raumes weckt Erinnerungen an die Kindheit, als man noch im Wohnzimmer der Eltern herumtollte konnte“, so Ott. Und die zweite Variante? „Das ist ein leicht verkleinerter Living Room, weil ein Riesenbad mit Panoramablick eingebaut wird.“ Dann hätte man beim Plantschen in der Badewanne einen grandiosen Blick auf die Stadt.

Einrichtung und Ausstattung geht im Luxus-Apartment natürlich extra. So wird favorisiert, die Decke mit Platin zu beschichten. Auch Goldbeschichtung sei möglich, aber die gehört eher ins Barockschloss. Ein Quadratmeter echtes Platin ist für 10.000 Euro zu haben. „Das würde den Raum öffnen, als wenn er aus sich selbst herauslaufen wollte“, sagt Nadia Kayat.

Silber zum Beispiel ginge auf keinen Fall, da würde nicht der richtige Akzent gesetzt, meint die Architektin. „Es geht hier um den höchsten Standard, um Luxus, wie er anderswo längst üblich ist“, sagt sie. „Der kommt nun auch nach Berlin.“ Wirklich? „Ja, Berlin zieht inzwischen große Vermögen an“, so Kayat.

Wohnen mit Skulpturen

Sie geht auf den Fußboden ein, der aus einem „weichen, warmen Material“ bestehen soll. Nussbaum oder schwarze Eiche etwa. Fußbodenheizung ist selbstverständlich. Die Wände werden mit feinen Mineralien bestrichen, die atmungsaktiv sind. Im Raum sollen „Elemente wie Skulpturen aus Bronze angeordnet werden, dazu vollverspiegelte Quader, die Blicke auf Achsen schaffen“. Auch Marmor soll „in Monolithen“ vorkommen. So wird der Wohnraum zum Skulpturenpark.

Kayat visualisiert: „Stellen Sie sich vor, dort steht der Flügel, hier Couches und Sessel, von allen aus gibt es den Blick auf die Dächer der Stadt. Das ist etwas anderes als im Grunewald!“

Im unteren Bereich des Gebäudes ist weiterer Luxus installiert. Dafür muss „Hausgeld“ bezahlt werden, denn Hausmeister, Concierge im Drei-Schicht-Rhythmus, Putzkräfte und Masseure im Wellnessbereich müssen entlohnt werden. Jeder Hausbewohner zahlt monatlich sechs Euro pro Quadratmeter für die Dienstleister, der Platz fürs Auto in der Tiefgarage kostet 35.000 Euro. Der Poolbereich ist mit Granit und venezianischem Murano-Lüster ausgestattet, das Schwimmbecken ist zwölf Meter lang und 2,50 Meter lang.

Es gibt einen direkten Fahrstuhl – die Bewohner können im Bademantel zum Pool fahren. Sauna und Dschungelduschen gehören dazu. Im Gym wurde zwischen Kraftgeräten und Laufbändern ein schwarzer Barocksessel platziert, auch die Lampen sind üppig.

Eine Idee des französischen Star-Designers Philippe Starck, der den gesamten Entréebereich gestaltete und den Metallgriffen an den Türen eine Blütenform verpasste. Er gestaltete auch das Atrium. Gleich hinter der Eingangstür steht der Besucher unter meterlangen Swarowski-Glasgehängen, die Ledercouch hat eine 2,50 Meter hohe rote Lehne. Die Wände sind beige tapeziert, die Decke ist komplett verspiegelt. Internationale Käufer wollten unbedingt einen Doorman hinter dem Tresen, der trägt einen Gehrock und begleitet die Gäste zum Fahrstuhl, vorbei an den blank gewienerten silbernen Briefkästen.

Auf die ursprünglich geplante Bar wurde aus Kostengründen verzichtet, die Bewohner sparen 1,50 bis zwei Euro pro Quadratmeter und Monat. Das sind Peanuts für Menschen, die sich ein solches Wohnen leisten können.