Wohnen

Zwischen Miete und Eigentum

Mit Anteilen einer Genossenschaft günstiger wohnen

Keine Lust mehr auf überzogene Mieten und die Angst, dass die Wohnung irgendwann gekündigt wird? Der Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung kann in Zeiten niedriger Zinsen interessant sein. Doch nicht jeder hat dafür genug Geld. Viele scheuen außerdem die damit verbundenen Risiken und Verpflichtungen. Eine andere Möglichkeit kann eine Genossenschaftswohnung sein. „Sie ermöglicht den Mittelweg zwischen Miete und Eigentum“, sagt Monika Kegel, Genossenschaftsreferentin des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Die Mitglieder seien Miteigentümer der Genossenschaft. Dieser wiederum gehören die Wohnungen, die an die Mitglieder vermietet werden.

„Um Mitglied zu werden, muss man Geschäftsanteile erwerben können. Das ist die einzige finanzielle Hürde“, sagt Eric Christian Meyer, Geschäftsführer des Instituts für Genossenschaftswesen der Universität Münster. Bei Erwerb der Mitgliedschaft müssten in der Regel ein bis zwei Genossenschaftsanteile gezeichnet werden. Je nach Genossenschaft seien bei Nutzung einer Wohnung um die 600 Euro bis zu etwa 3000 Euro zu zahlen, sagt Kegel. Gerade in älteren und etablierten Genossenschaften gehe es nicht um die ganz großen Summen.

„Bei Neugründungen kann dieses anders aussehen“, sagt Meyer. Hier könne es vorkommen, dass man 10.000 Euro und mehr aufbringen müsse, um in eine Wohnung einziehen zu können. Oft komme für den Erwerb der Anteile deutlich mehr zusammen, als in herkömmlichen Mietwohnungen für die Kaution fällig werde, gibt Kay Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen zu bedenken. „Man kann nachfragen, ob man auch in Raten zahlen kann.“

Dafür liegt die Nutzungsgebühr häufig unter dem Mittelwert des Mietspiegels. „Es geht aber nicht darum, billig zu wohnen, sondern preiswert und sicher“, betont Meyer. Von der einzelnen Wohnungsgenossenschaft, der Lage und dem eigenen Anspruch hängt es ab, wie lange man auf eine Wohnung warten müsse. Meyer rät, sich zeitig über Angebot und Wartezeiten zu informieren.

Zu den Vorteilen bei Wohnungsgenossenschaften gehört ein Dauerwohnrecht. „Auf der anderen Seite hat man die Flexibilität eines Mieters“, sagt Kegel. Der Nutzungsvertrag könne gekündigt werden wie ein anderer Mietvertrag auch. Sorge, dass die Genossenschaft die Wohnung kündigt, müssten die Mitglieder in der Regel nicht haben. „Es gibt keine Eigenbedarfskündigung, die ist ausgeschlossen“, hebt Kegel hervor.

Tausch der Wohnung

Passt die Wohnung nicht mehr zu den eigenen Bedürfnissen, kann man in eine andere, freie Wohnung der Genossenschaft umziehen. Außerdem bieten viele Genossenschaften den Mietern zusätzliche Leistungen. Dazu gehören Gemeinschaftsräume und Kinderbetreuung oder auch Dienstleistungen für ältere Mieter.

Bei einem Austritt aus der Genossenschaft bekommt man sein Geld für die Anteile zurück. „Allerdings liegt die Kündigungsfrist oft bei zwei Jahren, weil die Genossenschaften mit dem Geld arbeiten“, sagt Kegel. „Das Geld wird erst ausgezahlt, wenn die Mitglieder die Jahresbilanz genehmigt haben.“ Es könne bis zu drei Jahre dauern, bis man den Betrag zurückbekomme.

Immerhin ist das Kapital bei den Genossenschaften meist gut aufgehoben. Unter allen Rechtsformen gibt es hier die geringste Insolvenzquote.