Interview

Nach Süden bauen? Keine gute Idee

Alu, Holz und Kunststoff sind gängige Materialien für den Wintergarten

Worauf es beim Bau eines Wintergartens ankommt, weiß Torsten Thieme, Bautischler, Designer und Inhaber der Firma Thieme in Falkensee. Mit ihm sprach Andrea Pawlik.

Berliner Morgenpost:

Welche Voraussetzungen müssen Haus und Garten für einen Wintergarten bieten?

Torsten Thieme:

Das wichtigste Kriterium ist die Himmelsrichtung. Einen Wintergarten zur Südseite zu bauen, ist nur bedingt eine gute Idee. Da braucht man Beschattungselemente, sonst ist der Wintergarten an heißen Sommertagen nicht nutzbar. Also sieht man sich den Garten an und prüft, ob es zum Beispiel Bäume gibt, die auch bei höchstem Sonnenstand noch Schatten spenden. Außerdem arbeitet man mit Sonnenschutzglas und Markisen. Sonnenschutzglas absorbiert immerhin 20 bis 45 Prozent der Sonnenenergie. Eine Kombination all dieser Maßnahmen ist auf jeden Fall die richtige Wahl, um den Wintergarten das ganze Jahr über als Wohnraum nutzen zu können.

Wie klein oder groß kann man einen Wintergarten bauen?

Rein bautechnisch sind dem keine Grenzen gesetzt. Einerseits kann er so klein sein, dass er praktisch nur eine Abstellmöglichkeit für Pflanzen bietet. Andererseits wäre sogar ein ganzes Haus im Stil eines Wintergartens machbar. Die meisten Kunden wünschen sich aber eine Größe zwischen 15 und 30 Quadratmetern.

Braucht man für einen Wintergarten eine Baugenehmigung?

Die Genehmigung ist Ländersache. In Berlin sind Wintergärten bis zehn Quadratmeter Grundfläche und 30 Kubikmeter Rauminhalt baugenehmigungsfrei, in Brandenburg sind es 20 Quadratmeter und 75 Kubikmeter.

Welche Materialien sind gebräuchlich?

Von der Bauart her gibt es reines Holz, eine Kombination aus Holz und Alu, reines Alu oder eine Kombination aus Alu und Kunststoff. Letzteres ist die günstigste Art, einen Wintergarten zu bauen. Ich würde davon aber abraten, weil Qualität und Haltbarkeit zu wünschen übrig lassen. Daran hat man nicht lange Freude. Ich persönlich finde die Kombination aus Alu und Holz ästhetisch am schönsten: innen das Wohlfühlmaterial Holz, außen die wetterfestes Schale aus Alu. Wer sich wiederum für reines Holz entscheidet, muss damit leben, dass es einer gewissen Pflege bedarf. Alle fünf bis sechs Jahre ein Schutzanstrich muss sein.

Was für eine Heizung baut man ein?

Da Wintergärten in der Regel gefliest werden, bietet sich eine Fußbodenheizung an. Das ist es auch, was die meisten Kunden haben wollen. Heizkörper bauen wir wesentlich seltener ein.

Wie ist das mit dem Energieverlust?

Ein Wintergarten ist nicht so gut dämmbar wie ein Haus. Das muss man wissen, und da möchte ich mich von allen Schönrechnern distanzieren. Dennoch kann man an sonnigen Wintertagen einen Energiegewinn verzeichnen und die erwärmte Luft des Wintergartens durchs Haus ziehen lassen. Bautechnisch sinnvoll ist es, den Wintergarten durch Türen vom Wohnhaus zu separieren.

Mit welchen Kosten muss man für den Wintergartenbau rechnen?

2000 bis 3500 Euro pro Quadratmeter muss man einplanen. Nach oben ist die Skala offen.