Traumwohnung

Auf den ersten Blick verliebt

Seit einem halben Jahr lebt und arbeitet Heilpraktikerin Sabine Bievor in ihrer Traumwohnung

„Nichts für Langweiler“ habe in der Wohnungsanzeige gestanden, erzählt Sabine Bievor. Und sie habe gedacht: „Genau meins!“ Schon als sie das Inserat las, hatte die Heilpraktikerin für Traditionelle Chinesische Medizin und Akupunktur das gute Gefühl, es könnte passen, mit ihr und der 100-Quadratmeter-Wohnung an der Grenze zwischen Reinickendorf und Pankow.

Und so war es dann auch, als sie sich mit ihrem Hund im Schlepptau mit der Vermieterin – selbst Hundebesitzerin – traf. In Reinickendorf beeindruckten die 50-Jährige sowohl Lage („gute Verkehrsanbindung“) und Umgebung („viel Grün!“) als auch der Schnitt der Wohnung: „Dank des Zimmers mit Schiebetür, gleich rechts am Eingang,kann ich Praxis und Wohnen wunderbar verbinden“, sagt sie. Der Wintergarten mit kleinem Rasenstück dahinter gefiel ihr auch ausnehmend gut. Außerdem habe sie gleich den Eindruck gehabt, eine gute Hausgemeinschaft vorzufinden, sagt Sabine Bievor. Da fiel die Entscheidung leicht. „Reingegangen, toll gefunden“, bringt sie ihren ersten Eindruck von der Wohnung auf eine kurze Formel.

Im Juni 2014 ist Bievor eingezogen – und hat parallel ihr Leben umgekrempelt. Sich reduzieren, auf das Wesentliche besinnen, ist ihr Thema. Dementsprechend übersichtlich hat die Heilpraktikerin ihre neue Wohnung eingerichtet. Nur einen Sessel hat sie aus ihrem alten Zuhause mitgebracht, den Rest neu gekauft. So habe sie sich „ein schönes Ambiente geschaffen, wo ein Neuanfang beginnen kann“.

Vom beschaulichen Landhauscharakter, wie ihn ihr altes Heim gehabt habe, ist im neuen Zuhause nichts übrig geblieben. Klar strukturiert und hell sollte es sein. „Die Herausforderung war dann, auch Wärme hineinzubringen.“ Den weißen Grundton der Wohnung hat Bievor dazu mit Erdtönen und dunklem Rot in Kontrast gesetzt, Dekoelemente, etwa einige große Holzobjekte, verteilt sie sparsam. Sie finde sie meist nicht gezielt, sondern beim Stöbern, erzählt Sabine Bievor. „Wenn ich etwas Bestimmtes suche, habe ich meist kein Glück. Nur wenn ich ohne konkrete Vorstellung bin, tun sich Dinge auf.“ Wie etwa die Tapete, die die hintere Wand im Wohnbereich bedeckt. Bievor hat sie in einem Möbelhaus entdeckt und sich vom Verkäufer den Händler verraten lassen. „Die grauen Kreise sehen aus, als würde Rauch vom Kamin aus über die Wand ziehen!“ Sie ist begeistert von dem Effekt.

Terrier mit großem Ego

Der Wohnbereich mit dem eleganten weiß-schwarzen Kamin bildet mit der offenen Küche und ihrer Esstheke den Dreh- und Angelpunkt der Wohnung. Hier hat auch Obelix sein Körbchen – ein Yorkshire-Terrier mit „einem Ego, als wäre er in den Zaubertrank gefallen“, wie Sabine Bievor lachend erzählt. „Obi“ wird er liebevoll gerufen, auch wenn er immer seltener darauf hört. „Mit seinen 13 Jahren wird er langsam schwerhörig“, erzählt sein Frauchen. „Oder er tut so.“ Ganz sicher ist sie sich da nicht.

Wenn er gerade nicht zum Einsatz kommt, lehnt hier an einem dekorativ aufgestellten alten Holzbalken Sabine Bievors Sportbogen. „Das Bogenschießen habe ich im vergangenen Jahr für mich entdeckt“, erzählt sie. Jetzt macht Bievor die Gärten ihrer Freunde unsicher. „Man kann ja nicht einfach so in den Park gehen und schießen.“ Der Wechsel von Anspannung und Entspannung ist es, den sie an diesem Sport schätzt. „Das bringt einen runter“, sagt sie.

Auch in der Küche wiederholt sich die klare Struktur, wie Sabine Bievor sie mag: So stören hier zum Beispiel keine sichtbaren Griffe auf den weißen Schranktüren und Schubladenelementen. Über der Küchentheke hängen zwei Betonlampen, deren rauer Charme einen interessanten Kontrast zu den cleanen, weißen Oberflächen bildet. „Beton liegt ja gerade sehr im Trend“, sagt Bievor. „Aber das muss auf jeden Fall dosiert sein und am besten mit anderen Materialien kombiniert.“ Der Clou an der Küchentheke: Unten drin, vom Flurbereich aus zu öffnen, befindet sich ein großer Schuhschrank. Nur einer der vielen Wandschränke in der Wohnung. „Das ist alles toll konzipiert“, lobt Sabine Bievor den Ausbau, den die Vermieterin kurz vor ihrem Einzug abgeschlossen hatte.

Vom Wohnbereich führt eine Tür ins Schlafzimmer mit seinen Eichendielen, in dem kaum mehr steht als ein großes Bett. Ein Fernseher ist hier nicht zu finden. „Obwohl die Anschlüsse in der Wand dafür da gewesen wären“, erzählt Bievor. Aber sie schaue kaum Fernsehen, da reiche ihr das kleine Gerät im Wohnzimmer. Der Kleiderschrank, eher ein Ankleidezimmer, ist hinter einer Trennwand am Kopfende des Bettes verborgen. Das Fenster zur ruhigen Seitenstraße wirkt noch etwas kahl, erst einmal sorgen nur Außenjalousien für Sichtschutz. „Auch nach einem halben Jahr bin ich immer noch nicht mit allen Details fertig“, sagt Sabine Bievor. Sicher wartet die richtige Idee fürs Fenster noch auf einer ihrer Stöber-Touren auf sie. Oder sie findet irgendwo anders eine Anregung. Denn die Heilpraktikerin ist abenteuerlustig: „Silvester bin ich kurzentschlossen für nur einen Tag nach Spitzbergen geflogen, um die Polarnacht zu erleben“, erzählt sie. „Das war ein schöner Abschluss für ein turbulentes Jahr.“

Was ihr Lieblingsplatz in der Wohnung werden würde, war Sabine Bievor schnell klar: der Wintergarten. Mit einer Fußbodenheizung und zwei Heizkörpern kann man es dort auch bei kalten Temperaturen mehr als gut aushalten. „Es war wunderschön, als ich hier den ersten Schnee in diesem Winter erlebt habe“, sagt die Mieterin. Den Tisch im Wintergarten hat sie selbst kreiert: Das Unterteil besteht aus einem alten Balken, an dem sie vom Schlosser einen Edelstahl-Fuß hat anbringen lassen, sowie einer Halteplatte aus grünem Corian. „Das ist ein Werkstoff aus Mineralien und Acrylharz“, erklärt sie. „Stoßfest und leicht zu reinigen.“

Noch fehlen einige Bilder

Dritter Raum in der Drei-Zimmer-Wohnung ist der Behandlungsraum. Ein großes Bücherregal mit Fachbüchern über heilpraktische Behandlung, Traditionelle Chinesische Medizin und Anatomie erstreckt sich über zwei Wände. Liege und Schreibtisch – mehr braucht die Praxis nicht. „Die meisten Patienten klagen über stressbedingte Beschwerden“, erzählt Sabine Bievor. Verspannungen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Einschränkungen im Bewegungsapparat seien die Klassiker. Aber auch Patientinnen mit Wechseljahrsbeschwerden suchen bei ihr Hilfe.

Im Behandlungsraum fehlen ebenfalls noch ein paar Kleinigkeiten, findet Sabine Bievor. Bilder zum Beispiel. „Das Wichtigste ist aber immer erst einmal, wieder Boden unter den Füßen zu haben“, sagt sie. Und den hat sie hier.