Interview

„Abseits von Ton-Entchen“

Dekoration ist wichtig für das Gemüt, regt den Geist an und bereitet Freude

Berliner Morgenpost:

Bei Thomas Schrode und Karsten von Kuczkowski stehen alle Türen offen. Das schafft Raumgefühl, aber irgendwann sucht der Blick die Kleinigkeiten, die Details in der Einrichtung. Ist das unsere Schatzsucher-Intuition?

Gundula Dupont:

Karsten von Kuczkowski ist ein professioneller Stylist und meiner Meinung nach einer der besten in Berlin. Da ist es selbstverständlich, dass er auch seinen privaten Bereich dekoriert, natürlich in Übereinstimmung mit seinem Partner.

Strikter Minimalismus und üppiger Barock – geht das in einer Wohnung?

Das geht sogar sehr gut. Es sind zwei extreme Richtungen, die sich aber vertragen. Der minimalistische Bereich wirkt sehr ruhig, der andere sehr inspirierend.

Bilden gerade die Dinge, die scheinbar nicht zusammenpassen, die spannendste Kombination?

Das würde ich so nicht sagen. Für mich ist in dieser Wohnung alles sehr bewusst durchdacht und präzise bestimmt, auch wenn es auf den ersten Blick wie zufällig dekoriert erscheint.

Sie und Ihr Mann verfügen über ein Depot an kleinen, schönen Skulpturen. Klaus Dupont formt sie aus Materialien wie Bronze, Quarz oder Amethyst. Früher wurden solche Preziosen an Fürstenhäusern gesammelt. Man findet sie auch in der Wohnung Schrode/von Kuczkowski. Was ist daran so faszinierend?

Es ist die ungewöhnliche Mischung, im Detail überraschend und beim Material eher hochwertig. Auf jeden Fall abseits von üblicher Ton-Entchen-Deko.

Kann es sein, dass man sich mit diesen kleinen Feinarbeiten die Welt etwas bunter, anschaulicher und auch geheimnisvoller machen kann?

Ich würde gern noch weitergehen: Nicht nur bunter und anschaulicher, sondern auch eine Erweiterung unserer kreativen Gedankenwelt. Es geht hierbei weniger um Spaß als darum, auf leichte und humorvolle Weise zu einem etwas anderen Denken anzuregen.

Dekoration ist also wichtig für das Empfinden, fürs Gemüt?

Auf jeden Fall. Es regt den Geist an, bereitet Freude und sagt etwas aus über das Umfeld. Es schafft Identität. Und wenn ich noch weiter gehen darf...

Ja, bitte...

Ich finde es armselig, dass so viele Geschäfte in Toplagen von dieser Chance, ihre Kunden mit individueller Dekoration zu erreichen, keinen Gebrauch machen. Schauen Sie sich die Schaufenster an, sie sind zu 90 Prozent langweilig!

Was halten Sie von einer schwarzen Küche?

Hätten Sie mich das gefragt, bevor ich die Küche von Thomas und Karsten gesehen habe, hätte ich das nicht für möglich gehalten. Aber nachdem ich drin stand, finde ich sie toll!

Das Paar hat ausgreifende Lust an unterschiedlichen Farben in der Wohnungsgestaltung. Wie wichtig ist Farbe in Wohnräumen?

Farbe spielt eine Rolle, aber ihre Wichtigkeit ist für jeden Menschen anders.

Haben Sie je ein besser ausgestattetes Ankleidezimmer gesehen als das des Paares?

Nein, Raum und Inhalt sind überwältigend. Die Herren sind ja auch nur bestens gekleidet, wobei Karstens Fantasie auch seinen Kleidungsstil reflektiert.

Hat das alles auch mit Ironie als Geisteshaltung zu tun?

Aber ja! Dennoch hat dieser Stil Tiefgang.