Präzise gestalten mit vielen Ideen

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Das Haus auf dem ehemaligen Mauerstreifen ist sehr wandelbar

Der Architekt Florian Köhl von Fat Koehl Architekten hat das Haus entworfen und wohnt selbst dort. Autor Oliver Klempert sprach mit ihm.

Berliner Morgenpost:

Welches Anliegen verfolgen Sie mit dem Haus an der Strelitzer Straße?

Florian Köhl:

Als wir das Grundstück, auf dem das Haus heute steht, 2003 gekauft haben, lag der Berliner Wohnungsbaumarkt am Boden. Damals war auch das Thema Baugemeinschaften noch ganz neu in Berlin und etwas Ungewöhnliches. Meiner Partnerin Anna von Gwinner und mir schwebte damals vor, ein Haus nach eigenen Vorstellungen zu bauen. Wir wollten es einerseits präzise gestalten, andererseits aber auch den künftigen Bewohnern viele Gestaltungsmöglichkeiten lassen. Vier Jahre später war das Projekt gebaut.

Die Baukosten sind für Berliner Verhältnisse niedrig. Zählte dies auch zu Ihren Zielen?

Das Haus kostete rund 2300 Euro pro Quadratmeter inklusive aller Kosten. In Wien gibt es den Begriff der so genannten „leistbaren Stadt“: Eine starke Stadt kann viel leisten und ist gleichzeitig leistbar. Dabei ist vor allem wichtig, dass das Geld in der Stadt gehalten werden kann und nicht nach außen fließt, wenn zum Beispiel klassische Investoren eine Immobilie übernehmen und den Gewinn abschöpfen. Diese Mikroökonomie beschäftigt mich in meiner Arbeit immer wieder. In Berlin werden etwa 25 Prozent des Einkommens für Wohnen aufgewendet. Damit steht Berlin im Moment noch recht gut da. Geld, das man nicht für Wohnen aufwenden muss, bietet die Möglichkeit, sich anderweitig kreativ einzubringen. Dies wollten wir den Bewohnern unserer Häuser ermöglichen.

Sie haben die einzelnen Wohnungen nach den sehr unterschiedlichen Wünschen der Bauherren geplant. Welche Mischung hat sich ergeben?

Es ist ein sehr heterogenes Haus mit unterschiedlichen Grundrisstypen entstanden: Es gibt fünf Geschosswohnungen mit 80, 120 oder 200 Quadratmetern, vier Maisonette-Wohnungen mit 160, 180 oder 190 Quadratmetern Wohnfläche und eine kleine Gewerbeeinheit. Die Wohnung im vierten Geschoss erstreckt sich über die gesamte Hausbreite. Durch die individuellen Wünsche der Bauherren, die vornehmlich aus kreativen Bereichen stammen, sind sehr unterschiedliche Wohnungen entstanden, teilweise sehr dicht mit Abtreppungen, passgenauen Einbau-Unikaten oder besonderen Blickachsen. Zudem lassen sich die Wohnungen durch eine mögliche Teilung den Änderungen der Lebenssituation anpassen.

Zu den Besonderheiten Ihres Hauses zählen die Nutzungsmischung und die Veränderbarkeit im Haus. Können Sie dies ausführen?

Das Haus ist ein klassisches Stadthaus, das im Betonskelettbau errichtet wurde. Ich gehe nicht davon aus, dass die jetzigen Bewohner ewig hier wohnen bleiben. Dies bedeutet, dass Wände im Haus veränderbar sein müssen, um so auch andere Raumsituationen zu schaffen. So lassen sich die Wohnungen etwa verkleinern, Maisonette-Wohnungen wieder trennen, und Wohnbereiche können zum Arbeiten genutzt werden.