Gastkolumne

Der teure Schornstein

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Hans Georg Kranz ist Geschäftsführer der STRABAG RPS, eines der größten WEG-Verwalter Berlins

Zum Jahresanfang sollte er uns Glück bringen: der Schornsteinfeger. Ob das geklappt hat, das wird sich zeigen. Sicher ist: Er kommt jedes Jahr vorbei, prüft Kamine und Heizungsanlagen und stellt dafür eine Gebühr in Rechnung. Da ist es schon ein Glück, wenn kein Streit ausbricht!

Denn schnell kommt die Frage auf: Wen treffen diese Kosten? Das können die Eigentümer als Gesamtschuldner, aber auch einzelne Wohnungseigentümer sein.

Grundsätzlich betreffen diese Kosten, welche eine öffentliche Last des Grundstücks darstellen, nach § 20 Absatz 2 des Schornsteinfeger-Handwerkgesetzes (SchfHwG) zunächst die Gemeinschaft als Grundstückseigentümer. Danach wäre jedoch im Sinne der Kostenverteilung zu unterscheiden, ob diese Kosten im Gemeinschafts- oder im Sondereigentum entstanden sind.

Eigentumsrechtlich spielt das keine Rolle, da es sich bei den Kaminzügen im Sinne des § 5 Absatz 2 des Wohnungseigentumsgesetzes (WEG) um Teile des Gebäudes handelt, die für dessen Bestand oder Sicherheit erforderlich sind, also stets um Gemeinschaftseigentum. In der Praxis werden heutzutage aber immer weniger Wohngebäude mit „Feuer“ beheizt. Demnach ergeben sich hinsichtlich der Nutzung dieser Kaminzüge neue Betrachtungsweisen. Um sich von den Gebühren des Schornsteinfegers zu befreien, beschließen die Wohnungseigentümer oftmals, die Kaminzüge einfach stillzulegen. Wenn da nicht jene Wohnungseigentümer wären, die als „wohnwerterhöhenden Faktor“ einen Kaminofen haben möchten.

Grundsätzlich stellt die Schornsteinreinigung des Betriebs einer zentralen Heizungsanlage stets umlagefähige Betriebskosten im Sinne des § 2 Nr. 12 BetrKV dar. Für die Reinigung der individuell genutzten Kaminzüge können die Eigentümer die Kosten nach entsprechender Beschlussfassung auf der Grundlage des § 16 Absatz 3 WEG sowie § 21 Absatz 7 WEG auf die alleinigen Nutzer umlegen. Hierfür ist es vorteilhaft, wenn der Verwalter in Absprache mit dem Schornsteinfeger bereits eine transparente Kostenzuordnung erhält.

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