Ratgeber

Wärme auf Schritt und Tritt

Eine Fußbodenheizung hat viele Vorteile. Allerdings lässt sie sich auch nur langsam regulieren

An sonnigen Wintertagen geraten die Beckerts aus Staufen im Südwesten Deutschlands schon mal ins Schwitzen. Wenn die Sonne durch die großen Fenster scheint, wird es im Wohnzimmer viel zu heiß. Heizung runterdrehen? Beckerts haben eine Fußbodenheizung. Und die lässt sich nicht mal eben abschalten.

Schon zum Aufheizen braucht sie bei den Beckerts rund drei Stunden. Und genauso lange nach dem Abschalten, bis sie keine Wärme mehr an die Wohnräume abgibt. Würde Barbara Beckert nachmittags, wenn die Sonne ins Zimmer knallt, ihre Heizung herunterregeln, würde sich das erst am Abend auswirken. Dann, wenn die Sonne schon untergegangen ist und die Heizungswärme wieder dringend gebraucht wird. Deshalb lassen sie die Heizung einfach laufen.

Barbara Beckert hat ihre Fußbodenheizung trotz solcher Reaktionszeiten schätzen gelernt. Und sie ist mit ihrer Vorliebe nicht allein: Nach Angaben des Bundesverbands Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF) wird heute bereits jedes zweite neu entstehende Einoder Zweifamilienhaus mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es gibt keine störenden Heizkörper, die Fußbodenheizung ist umweltfreundlich, sauber und gesund – und sie ist meist günstig, da das Heizungswasser nicht so stark erhitzt werden muss. Es erfordert jedoch etwas Gewöhnung, sich auf ihre Besonderheiten einzustellen.

Angenehme Strahlungswärme

Eine Phase, die auch Barbara Beckert durchlebt hat. Sie war zusammen mit ihrer Familie vor rund zehn Jahren in ihr neues, mit Fußbodenheizung ausgestattetes Heim gezogen. Sie, die das Barfußlaufen auf dem blanken Fußboden so sehr liebt, war vor allem begeistert von der Art der Wärme, die aus dem Boden kommt. Sie kannte aus ihrer vorigen Wohnung mit herkömmlichen Heizkörpern lediglich die sogenannte Konvektionswärme. Das ist verwirbelte Luft mit reichlich Staub, die die Räume nur kurzzeitig erwärmt.

Ganz anders die Fußbodenheizung. Sie erzeugt die sogenannte Strahlungswärme, die als angenehm empfunden wird, ist zudem gesund und nachhaltig, ähnlich wie die Wärme von Holzöfen und Kachelöfen. Das liegt an der großen Abstrahlfläche. Meist ist es warmes Wasser, das in langen Kunststoffrohren im Fußboden zirkuliert. Und das muss zunächst einmal den Estrich und den Bodenbelag aufwärmen, bevor die Wärme an die Wohnung abgegeben wird und heizen kann.

Estrich, Bodenbelag und das wassergefüllte Rohrsystem wirken dann zusammen als überdimensionierter Heizkörper mit einer großen Materialmasse. Somit kann es dauern, bis man von der Wärme etwas spürt. Wenn man es gern etwas kühler hätte, kann man sie nicht einfach abschalten – kurz vor dem Schlafengehen etwa. So eine Fußbodenheizung ist wie ein großer, schwerer Tanker, der langsam in Fahrt kommt und nur schwer wieder zu bremsen ist. Wer mit ihr klarkommen will, sollte sich auf ihre Gegebenheiten einstellen. Und das bedeutet, sich von lieb gewonnenen Gewohnheiten zu verabschieden.

Gerade beim Bad, wo man es gern etwas wärmer hat, gilt es umzulernen und eherne Grundsätze vom Energiesparen über Bord zu werfen. Für die Beckerts und viele andere erscheint es wie Energieverschwendung, wenn das Bad den ganzen Tag lang mit kuscheligen 24 Grad beheizt wird. Denn schließlich wird es nur kurze Zeit benutzt. Um im Bad die Heizung nicht den ganzen Tag laufen zu lassen, haben sie sich zusätzlich einen konventionellen Heizkörper installieren lassen, der vor dem Duschen schnell für behagliche Wärme sorgt – und nebenbei auch noch die Handtücher trocknet. „Ein ganz falscher Ansatz“, sagt Stephan Flamm, Heizungsinstallateur aus Freiburg, „denn mit einer Fußbodenheizung fallen ungenutzt beheizte Räume in der Gesamtenergiebilanz praktisch nicht ins Gewicht.“ Er begründet das mit der „niedrigen Vorlauftemperatur“.

Vorlauftemperatur nennen Fachleute die nötige Wassertemperatur in den Heizrohren im Fußboden. Je nach Witterung kommt das Rohrsystem einer Fußbodenheizung mit nur 25 bis 35 Grad aus – das ist sehr viel weniger als bei einer konventionellen Heizung mit frei stehenden Heizkörpern. Diese brauchen zwischen 50 und 70 Grad, rund doppelt so viel. Deshalb sind die Einsparungen mit einer Fußbodenheizung immens – egal, ob Öl, Gas, Holzpellets oder Wärmepumpen dafür die Energie liefern.

Wird das Bad den ganzen Tag beheizt, macht das nichts, und Extra-Heizkörper wären meist überflüssig, zumal sie zusätzlich Energie verbrauchen. Denn „eine sorgfältig geplante Heizung“, so Stephan Flamm, „berücksichtigt die gewünschten höheren Temperaturen im Bad bereits beim Einbau – durch enger gelegte Heizrohrschlangen im Boden.“ Ist das Haus zudem gut gedämmt, verbleibt die Wärme des Bades ohnehin in der Wohnung.

Umlernen und einfach laufen lassen, ist daher die Devise für den Betrieb einer Fußbodenheizung. Die Temperaturen der einzelnen Wohnbereiche sollten dabei möglichst stabil gehalten werden. Das Schlafzimmer etwas kühler, das Wohnzimmer bei 21 Grad und das Bad deutlich wärmer. Doch was tun in einer Einzimmerwohnung oder in einer Wohngemeinschaft, wo Wohnräume immer auch Schlafzimmer sind?

Da hilft nur eine regelmäßige Lebensführung beim Zusammenleben mit der Fußbodenheizung. Wer immer zur gleichen Zeit aufsteht oder schlafen geht, kann die Räume nach seinem Tagesrhythmus temperieren und braucht sich dann nicht mehr darum zu kümmern.

Lieber Fliesen als Parkett

Auch der Bodenbelag hat großen Einfluss auf die Effizienz einer Fußbodenheizung. Fliesen, Terrakotta und Steinböden gelten als die besten Materialien. Sie nehmen die Wärme aus dem Boden schnell an und reichen sie genau so schnell an die Wohnung durch. Wärmeleitwiderstand heißt der Fachbegriff für die Fähigkeit oder das Unvermögen eines Materials, Wärme anzunehmen und wieder abzugeben. Ginge es nach den Heizungsbauern, so würden daher nur noch Fliesen verbaut werden.

Mit dem beliebten Parkett ist das schon schwieriger. Nicht alle Holzböden lassen die Wärme gut passieren. Vereinfacht betrachtet hängt es davon ab, wie dick das verwendete Holz ist, auch von der Holzart selbst und der Konstruktion des Bodens. Klar ist, dass Hohlräume unter dem Parkett sich fatal auf die Heizleistung auswirken, denn sie bilden eine Isolierschicht.

Viele Menschen empfinden einen Holz- oder Steinboden erst ab einer Oberflächentemperatur von 24 Grad als warm. Doch selbst in kalten Wintermonaten wird eine gut eingestellte Heizung den Boden nicht viel stärker aufwärmen. Schlimmer noch: Wenn die Füße tatsächlich warm werden sollten, weise das eher darauf hin, dass die Heizung zu viel tun muss, um den Raum warm zu bekommen – wegen einer unzureichenden Dämmung etwa.