Interview

„Klassische Dinge sind guter Stil“

Aber mit einigen Trends können auch Akzente gesetzt werden

Melanie Petersen ist in der Nähe von Husum an der Nordsee aufgewachsen. Heute arbeitet sie als Designerin in Berlin. Postkarten, Stoffen, Geschirr, Kleidung und Einrichtungsgegenständen drückt sie gern ihren individuellen „nordischen“ Stempel auf. Mit ihr sprach Autorin Anna Klar.

Berliner Morgenpost:

Wo finden Sie Inspiration für Ihre Entwürfe?

Melanie Petersen:

Offline finde ich meine größte Inspiration auf Reisen. Ich bin gern in sonnenverblichenen „Seaside Towns“ unterwegs. Diese Küstenorte können überall auf der Welt sein. Weil ich allerdings nicht ständig verreisen kann, bin ich viel auf Web-Blogs unterwegs. Und die Smartphone-App „Instagram“ ist aus der Trendrecherche nicht mehr wegzudenken.

Wie schnelllebig sind Trends, und sollte der Kunde diese immer mitmachen?

Ohne Trends wäre die Welt langweilig. Man denke nur an Neon-Farben, Leopardenmuster, Nerd-Brillen. Wenn die Trends Spaß machen, sollte man sie auch mitmachen. Ich muss nur wissen, welcher Trend in seiner Umsetzung einfach Quatsch ist. Den überspringe ich dann lieber.

Welche Trends gibt es momentan bei Farben, Möbeln und Stoffen?

Erdfarben- und Naturtöne, also die Farben Sand, verwaschenes Karamell, Off-White, Grau in allen Abstufungen. Diese Basis-Farben sind weiterhin Trend. Dazu passen warme, kaum oder gar nicht behandelte Hölzer und unaufdringliche, offene Farben, die, sobald ein warmer Grundton im Zimmer entstanden ist, mit einem kräftigeren Ton akzentuiert werden dürfen, zum Beispiel einem Dunkelrot, einem dunklen Türkis oder gern auch einer poppigen Neon-Farbe. Empfehlenswert ist, diese Knallfarben immer nur sparsam zu verwenden. Absolute Trend-Möbel sind der neue „Rival“-Chair von Konstantin Gricic für „Artek“ oder die „Night Couch“ aus der „Remix“-Kollektion von Gesa Hansen von „The Hansen Family“. Und dann die Hängelampe „BeHive Suspension“ von Werner Aisslinger für Foscarini. Sie ist ganz schlicht Weiß in Weiß gestreift.

Was ist für Sie guter Stil?

Guter Stil ist für mich die stilistische Reduktion auf wenige klassische und langlebige Dinge. Dies gilt für Möbel, für die Mode, für Schmuck und Architektur – einfach für alles.

Muss Einrichtung immer teuer und edel sein? Oder geht es auch etwas kostengünstiger und schlichter?

Guter Geschmack und die Konzentration auf wenige hochwertige Dinge ist keine Frage des Geldbeutels. Man muss einfach einen Blick für schöne, gut gestaltete und schlichte Dinge entwickeln. Und mit diesem geschulten Auge findet man dann auch Kompottschalen im Bauhaus-Stil in einem großen Kaufhaus.

Wie sieht für Sie der perfekte Weihnachtsschmuck aus?

So geht es sicherlich vielen: Ich finde den Christbaum immer dann am schönsten, wenn er mich an den Weihnachtsbaum meiner Kindheit erinnert. Deshalb sind LED-Leuchtanlagen am Baum mit Zeitschaltuhr und elektronischer „Jingle Bells“-Bedudelung nicht so mein Geschmack. Ich mag große, glitzernde Strohsterne, winzige Samt-Äpfelchen, Miniatur-Holzspielzeug und -Trompeten, Wachs-Kerzen in sternförmigen Messinghaltern und antike Porzellanfiguren.