Einrichtung

Ein Leben mit Blumen

Franziska von Hardenberg hat für sich und ihren Mann ein Reich in Mitte nach einem Farbschema eingerichtet

Franziska von Hardenberg liebt Blumen, und sie liebt Mitte. Hier lebt die 30-Jährige mit ihrem Mann Jasper von Hardenberg unweit vom Alexanderplatz und den Hackeschen Höfen. „Es ist großartig, vor die Tür zu treten und mitten im Leben zu sein“, sagt sie und strahlt. Ein anderer Bezirk käme für die Wahl-Berlinerin nicht in Frage. Vor zehn Jahren ist sie aus Hamburg an die Spree gezogen und hat stets in Mitte gelebt.

Die 140 Quadratmeter große Vier-Zimmer-Altbauwohnung der Unternehmerin und Gründerin von Berlins Start-Up-Primus „Bloomy Days“, einem Onlineversand für Schnittblumen im Abonnement, ist stilvoll und dezent eingerichtet. Klassische Möbelstücke sowie Familienerbstücke wie einen alten Sekretär oder den Schrank der Großmutter hat Franziska von Hardenberg mit modernen Komponenten kombiniert: etwa mit einem Glastisch oder der gemütlichen Couch mit bunten Retro-Kissen im Wohnzimmer.

Ähnlich ihrer Vorstellung in der Zusammenstellung der Blumenarrangements folgt sie auch in den eigenen vier Wänden einem Leitgedanken: „Alles muss in Harmonie bleiben. Ich lege mir gern ein Farbschema zurecht und mag es nicht zu unruhig, auch nicht komplementär.“ Während draußen also das bunte Leben tobt, strahlt die Einrichtung in der Wohnung der Unternehmerin Ruhe aus.

Durch einen Seitenflügel geht es in den ersten Stock des Altberliner Hauses. Im Flur warten schon die fröhliche Mieterin und ein dezentes „Smile“ – ein Aufdruck auf der Innenseite der Eingangstür, der stets zur guten Laune „aufruft“.

Das Parkett in der ganzen Wohnung ist rund 100 Jahre alt und noch im Originalzustand erhalten. Links vom Flur steht man sogleich im Arbeitszimmer von Franziska von Hardenberg. Weiße Möbel an einer blassblauen Wand, ein cremefarbenes Sofa und ein Klavier bilden das Arrangement. Und mitten auf dem Schreibtisch steht eine Vase mit einem Bund weißer Amaryllis und Eukalyptus – eine romantische winterliche Deko und ein Hingucker. Ebenso wie das üppige Regal mit einer Leiter, das fast eine komplette Wand der Länge und Höhe nach einnimmt.

Die Leiter nach oben

Bei einer Raumhöhe von 4,20 Metern ist die Leiter für die Bewohnerin nicht nur eine willkommene Hilfe, um eine der zahlreichen Vasen aus den oberen Regalen zu erreichen, sondern auch perfekt für ein Foto, denkt sich der Fotograf, und Franziska von Hardenberg nimmt gerne Platz.

Blumen waren schon immer die große Leidenschaft der jungen Unternehmerin. Doch aus ihrem Hobby den Beruf zu machen, hatte ihr lange widerstrebt. „Ich kann nicht ohne Blumen leben“, sagt sie und erinnert sich an ein Tagebuch, in das sie als junges Mädchen ihre Gedanken eintrug und das „voller Blumen-Deko und Blumensticker“ war.

Ebenso habe sie auch immer gern Blumenarrangements für Freunde und Familie gestaltet. „Und meinen alten Arbeitsplatz habe ich jede Woche aufs Neue mit Blumen dekoriert“, sagt sie. Dabei stellte sich ihr die Frage: „Warum liefert eigentlich keiner frische Schnittblumen?“ Franziska von Hardenberg beschloss, es doch einfach selbst zu tun – der Anfang von „Bloomy Days“. „Eine Erfolgsgeschichte“, freut sich die Chefin.

Blumen bestimmen seither nicht nur privat, sondern auch beruflich das Leben der Expertin. Wie das Blumenmeer in ihrer Küche. Hier hat Franziska von Hardenberg den Tisch weihnachtlich gedeckt. Ein Essen mit Freunden steht an.

Ein großer Holztisch mit vier Stühlen und einer Holzbank ist der Mittelpunkt der wohnlichen Küche. Zwei Blechleuchten, die tief über dem Tisch angebracht sind, sorgen für angenehme Stimmung. An der Wand über dem Tisch hat Franziska von Hardenberg ein Foto des Künstlers und Jet-Set-Fotografen Slim Aarons angebracht. Es heißt „Wonderful Life“ und zeigt die Kaufmann-Villa in Napa Valley in Kalifornien Ende der 60er-Jahre. „In diesem Bild kann ich mich verlieren. Ich schaue es sehr gern an und finde immer wieder etwas Neues“, erklärt Franziska von Hardenberg.

Kunst ist eine weitere Leidenschaft der Unternehmerin. Im Wohnzimmer hängt mehr davon. „Die drei Bilder über dem Sofa habe ich kürzlich bei der Berliner Kunstmesse erworben. Sie sind von dem Fotografen Steffen Ulbrich“, sagt sie. „Die Bilder zeigen eine Straße in Ägypten um elf Uhr. Ich finde die Farben großartig. Sie sind zu jeder Tageszeit anders, und auch die Weite in den Bildern ist toll, sowohl vertikal als auch horizontal.“

Nach dem Stil ihrer Einrichtung gefragt, antwortet Franziska von Hardenberg: „Er ist eine Mischung aus Alt und Neu und ein bisschen Ethno. Ich habe Altes und Neues miteinander kombiniert. Es gibt nur eine Regel: Es darf nie spießig werden.“ Dabei habe sie die Deko gut durchdacht. Die Möbel dienen als feste Bestandteile und sollten lediglich durch einige dekorative Komponenten im Laufe der Zeit ergänzt werden. Zwei kleine Glastische zum Beispiel sind erst seit wenigen Tagen im Besitz der Bewohnerin und dienen als Beistelltisch am Sofa.

Blüten im Baum

Auch das Sofa, das aus einzelnen Teilen besteht und sich je nach Wunsch vergrößern oder verkleinern lässt, ist ein weiteres Beispiel für eine wandelbare Einrichtungs-Konstante in der Wohnung. „Ich bin nicht so sprunghaft und dekoriere meine Wohnung auch nicht alle paar Monate neu. Ganz zu schweigen von größeren Umbauten wie Wände streichen oder gar neuen Möbeln“, betont Franziska von Hardenberg. Nein, das meiste gehöre fest zur Wohnung dazu.

Ist das guter Stil? „Guter Stil ist eine Frage des Geschmacks und der Definition. Guter Stil ist klassisch, etwas Besonderes. Es ist das, was eine größere Gruppe an Menschen als guten Geschmack definiert“, sagt von Hardenberg.

Wenn es um Weihnachten geht, gehört zum guten Stil auch ein großer echter Tannenbaum mit einer klassischen Lichterkette und nicht mit LEDs. „Die Lichter müssen ganz tief im Geäst angebracht werden“, betont die Deko-Expertin, die das „warme Licht im Winter“ sehr mag.

Beim Schmuck des Baumes variiert Franziska von Hardenberg gern von Jahr zu Jahr. „Für dieses Fest überlege ich mir, einzelne Blumen in kleinen Reagenzgläsern am Baum zu befestigen“, verrät sie ihre Idee .

Und was käme so gar nicht in ihre Wohnung? Franziska von Hardenberg muss nicht lange überlegen: „Ein Sitz-Sack ist ein absolutes No-Go“, platzt es aus ihr heraus. „So gemütlich diese Dinger auch sein können, ich finde sie schrecklich“ , sagt sie und lacht dabei.

Einen solchen wird es also auch nicht in ihrem Ferienhaus am See geben, in das sie „irgendwann mal“ einziehen möchte. „Das ist ein Traum von mir und meinem Mann, ein Haus am See mit Wasserzugang, irgendwo in der Uckermark. Die kleinste Datsche der Welt mit einem Garten voller Schnittblumen“, sagt Franziska von Hardenberg.

Den Garten würde sie selbst je nach Saison bepflanzen. „Auch wenn ich keinen grünen Daumen habe, das würde ich dann extra lernen“, sagt sie und lächelt dabei. Und auch das glaubt man ihr gern.