Energie

Klimaschutz: Viele Baumaßnahmen rentieren sich nicht

Wer Fördergeld vom Bund in Anspruch nehmen möchte, sollte vorher gut rechnen

Jedes Jahr eine Milliarde Euro – so viel Geld will die Bundesregierung ab Januar deutschen Hausbesitzern zusätzlich zur Verfügung stellen, die in die Energieeffizienz ihrer Gebäude investieren. Wer künftig eine neue Heizung einbaut, Dach oder Wände dämmt oder alternative Energieerzeugung installiert, bekommt mehr direkte Förderung und kann mehr Ausgaben als bisher von der Steuer absetzen.

Das klingt wie ein Weihnachtsgeschenk, aber die Bürger werden selbst dafür zahlen müssen. Und sie werden unter Umständen zu Investitionen verführt, die sich gar nicht positiv in der Haushaltskasse niederschlagen – egal ob die Bewohner Mieter oder Eigentümer sind. Denn häufig werden die Ausgaben für neue Heizungen oder gedämmte Wände gar nicht durch Einsparungen bei Heizöl oder Gas wieder eingespielt. Bevor das neue Fördergeld einfach nur deshalb abgerufen wird, weil es nun einmal angeboten wird, sollten Hausbesitzer nachrechnen und bei den Themen Heizung, Wärmedämmung oder alternative Energieerzeugung aufmerksam sein.

Mit dem beschlossenen „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ will die Regierung ihre CO2-Einsparziele bis 2020 noch erreichen und nimmt dafür die Hauseigentümer mit in die Verantwortung. Von der Förder-Milliarde fließen 200 Millionen Euro an die KfW-Förderbank. Darüber hinaus können Eigentümer ihre Investitionen steuerlich absetzen. Allerdings nur ein Prozent pro Jahr, bis zu einer Dauer von maximal zehn Jahren.

Die Förderaktion soll bis 2019 laufen. Außerdem sollen zunächst nur Selbstnutzer ihre Investitionen absetzen dürfen. Sicher ist, der Fiskus wird sich die Kosten auf anderem Wege wieder zurückholen.

Heizungen

Etwa 70 Prozent der rund 20 Millionen zentralen Wärmeerzeuger in Deutschland sind modernisierungsbedürftig. Und etwa drei Millionen Heizkessel gelten sogar als gänzlich ineffizient und veraltet – so jedenfalls sieht es der Bundesverband Solarwirtschaft. Wer über eine neue Heizung nachdenkt, wird mit fantastischen Beispielrechnungen konfrontiert, die hohe Ersparnisse suggerieren. Diesen Rechnungen sollten Hausbesitzer nicht einfach glauben, denn ein großer Teil des Sparerfolgs hängt vom Baukörper und dem Verhalten der Bewohner ab. Oft werden bei den Rechnungen auch nur die Kosten für das Heizgerät berücksichtigt – und nur diese werden voraussichtlich auch gefördert. So kostet ein neuer Brennwertkessel beispielsweise 5000 Euro. Künftig könnte der Käufer jedes Jahr ein Prozent der Summe absetzen – 50 Euro – und zwar zehn Jahre lang. Hinzu kommen aber weitere Kosten: ein neuer Warmwasserspeicher, Schornsteinsanierung, Installation, Umbauten und Zubehör. Da der Staat aber die Absetzbarkeit von Schornsteinfeger- und anderen Handwerkerleistungen kürzen will, sinkt die Förderquote noch weiter. Wahrscheinlich lohnt es sich für Hausbesitzer, noch ein wenig zu warten. Im nächsten Jahr soll auch der „Heizungscheck“ weiterentwickelt werden, bei dem Fachleute Verbesserungsvorschläge machen.

Sonnenenergie

Die neuen Förderungen ab 2015 werden wenig daran ändern, dass die private Nutzung von Sonnenenergie – sei es für Strom oder Warmwasser – kein gutes Geschäft ist. Früher profitierten private Betreiber einer Fotovoltaik-Anlage von einer Einspeisevergütung für Sonnenstrom in Höhe von 30 Cent pro Kilowattstunde. Eine Jahresrendite auf das eingesetzte Kapital von sieben Prozent und mehr war ihnen gewiss.

Seit 2012 ist das vorbei. Aktuell zahlen die Netzbetreiber für eine Kilowattstunde eingespeisten Solarstroms weniger als 13 Cent. Demgegenüber stehen aber Erzeugungskosten aus Installation und Betrieb zwischen zehn und 14 Cent über eine Laufzeit von 20 Jahren, wie das Fraunhofer ISE berechnet hat. Daran wird sich vorläufig auch nichts ändern, da seit etwa zwei Jahren die Preise für Sonnenstrom-Module nicht mehr sinken. Also lohnt sich Photovoltaik in wirtschaftlicher Hinsicht nur noch, wenn man den für 14 Cent erzeugten Strom selbst verbraucht und nicht zu einem Preis von aktuell 29 Cent vom Netzbetreiber bezieht.

Um den eigenen Solarstrom aber kontinuierlich zu nutzen, ist der Kauf eines Stromspeichers notwendig, der mit mehreren Tausend Euro zu Buche schlägt. Damit die Bürger überhaupt noch Fotovoltaik installieren, fördert die KfW den Kauf eines solchen Speichers mit einem Kredit zu aktuell 1,46 Prozent Zinsen plus Tilgungszuschuss, was die Anlage aber auch nur um einige Hundert Euro günstiger macht. Wer trotz allem investieren will, erhält zinsgünstige Kredite bei der KfW, der GLS-Bank, DKB, SWK Bank und Umweltbank.

Solarthemie-Anlagen zur Erzeugung von Warmwasser arbeiten ebenfalls nur bei gutem Wetter und guter Lage einigermaßen wirtschaftlich. Immerhin wird die Investition vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit 1500 Euro gefördert (neben zinsgünstigen KfW-Krediten). Solche Zuschüsse könnten im kommenden Jahr steigen. Wer mit Sonnenkollektoren liebäugelt, sollte also noch abwarten.

Wärmedämmung

Beim Thema Wärmedämmung gibt es die fantasievollsten Beispielrechnungen. Hersteller von Dämmstoffen präsentieren Kosten und Ertrag einer Dämm-Maßnahme in der Regel unter absoluten Optimalbedingungen. Drei typische irreführende Annahmen sind: 1. Die Hausbewohner haben ein vollkommen irrationales Heizverhalten (22 Grad in allen Räumen), was zu einer hohen Bedarfsberechnung und damit hohem Einsparpotenzial führt. 2. Das Haus wird ohnehin saniert, wodurch man quasi „nebenher“ dämmen kann. 3. Die Handwerker installieren alles perfekt und fehlerfrei. Insbesondere auf Letzteres ist kein Verlass. Entscheidend für die Kosten-Nutzen-Rechnung ist auch, welches Dämmmaterial verwendet wird. Weiche oder harte Platten aus Polystyrol sind günstig, stehen aber in der Kritik. Mineralwolle ist nachhaltiger, aber teurer.

In einer groben Kostenübersicht der KfW kostet eine Dämmung der Kellerdecke 30 bis 40 Euro pro Quadratmeter, beim Dach sind es schon 210 bis 230 Euro. Insbesondere die Dach-Dämmung hat aber eine hohe Wirkung – anders als das Bekleben der Außenwände. Dieses kostet 110 bis 130 Euro pro Quadratmeter, was bei großen Flächen aber hohe Beträge von 20.000 Euro oder mehr erzeugt. Solche Investitionen lassen sich durch Heizkostenersparnis kaum nicht wieder einspielen. Die KfW fördert Dämm-Maßnahmen, aber auch den Austausch von Fenstern und Türen, mit Zuschüssen von bis zu 18.500 Euro – sofern das Haus hinterher einen sehr hohen KfW-Standard erreicht, was oft fast nur mit Außendämmung möglich ist.