Partnerschaft

Neubeginn zu zweit

Wer zusammen wohnt, muss auch flexibel sein

Sie braucht Platz für Dutzende von Schuhen, er will unbedingt seine zwei Gitarren an der Wand hängen haben. Sie möchte es gemütlich haben, er seinen Schreibtisch. Die Geschmäcker beim Einrichten sind verschieden. Zum Problem wird das, wenn zwei zusammenziehen wollen und beide eine eigene Wohnung haben. Dann stellt sich die Frage: zu mir oder zu dir? Und was kommt mit oder darf bleiben ?

Ein Luxusproblem, aber eins, das nicht wenige betrifft. Schließlich ist mehr als jeder dritte Haushalt in Deutschland inzwischen ein Singlehaushalt. Und die Endzwanziger und Ü-30-Singles haben sich oft schon ganz komfortabel eingerichtet, wenn sie sich kennenlernen. Zieht dann der eine Partner zum anderen, ist das für beide ein Kompromiss. Der eine gibt seine Wohnung auf. Der andere muss in seinem liebgewonnenen Zuhause Platz schaffen. „Das ist immer ein Test für die Beziehung“, sagt Roland Kopp-Wichmann, Paartherapeut aus Heidelberg. Für beide heißt es: Abschied nehmen vom alten Leben und Zugeständnisse machen beim Neubeginn. „Bestenfalls sagen beide: Hier ist unser neues Zuhause.“

Die Betonung liegt auf dem Wort „unser“. Denn wenn ein Partner das nicht so sagen kann, haben beide ein Problem, erklärt die Psychologin und Buchautorin Felicitas Heyne. Sie hatte ein Paar beraten, bei der die Frau in das Haus des Mannes gezogen war.

Irgendwann kriselte es. Die Wohnsituation sahen beide nicht als Problem. Erst als sie sich trennten, merkte die Frau, dass sie beim Einzug nur einen Koffer und einen Karton mitgebracht hatte. Heyne: „Da zeigte sich, wie wenig das ihr Haus war.“ Solche Schieflagen können unabsichtlich entstehen.

Rückzugsorte sind wichtig

Bleiben die gemeinsamen vier Wände jedoch fremdes Territorium und einer fühlt sich nur als Gast, geht das auf Dauer nicht gut, warnt Heyne. Der goldene Mittelweg ist es, sich zusammen eine neue gemeinsame Wohnung zu suchen. „Am besten ist ein neutraler Boden“, sagt Paartherapeut Kopp-Wichmann. Sonst könne es sein, dass einer immer der Fremde in der Wohnung des anderen bleibt. Schwierig sei es vor allem, wenn dort bereits ein anderer Partner ein- und ausging.

Die Suche nach einer neuen Bleibe kann sich jedoch hinziehen. Als Paar eine passende Drei-Zimmer-Wohnung in der Stadt zu finden, ist nicht leicht und oft eine Kostenfrage. Also heißt es am Ende doch wieder: Zu mir oder zu dir? Dann sei es gut, eine der bestehenden Wohnungen wenigstens gemeinsam neu einzurichten, rät Heyne. Oft können kleine Dinge Wunder bewirken: Die Wände in einer anderen Farbe streichen und die Möbel umstellen. „Dann ist das auch optisch ein Neuanfang.“ Nun stellt sich die Frage, was von den alten Sachen mitkommt oder bleiben darf. Dabei geht es zwar vordergründig nur um ein paar Möbel. Schlimmstenfalls kann das zum Machtkampf ausarten, erklärt Heyne. Um dies zu verhindern, lautet ihr Tipp: Jeder darf beim gemeinsamen Einrichten zwei oder drei Vetos einlegen. Diese No-gos werden dann aussortiert.

Damit es später nicht so leicht Streit gibt, sind Rückzugsorte in der gemeinsamen Wohnung gut. Jeder bekommt eine Ecke für sich. Oder beide vereinbaren: An einem Wochentag darf sie ihre TV-Serie im Wohnzimmer gucken, an einem anderen er dort Gitarre üben.