Sicherheit

Rauchmelder sind sensible Lebensretter

In Berlin soll ihr Einbau Pflicht werden. Die Geräte sind wichtig, können aber Tücken haben

Jetzt, wo die Tage kürzer werden und in vielen Haushalten abends gemütliches Kerzenlicht geschätzt wird, sind sie wieder ein wichtiges Ausstattungsdetail in jeder Wohnung: Rauchmelder. Nur in wenigen Bundesländern, darunter auch Berlin, sind sie noch nicht Pflicht. Die Vorgabe hat einen ernsten Hintergrund: Bereits drei Atemzüge hochgiftigen Brandrauchs können tödlich sein. Häufig werden die Opfer dabei im Schlaf überrascht. Zunächst werden sie bewusstlos, dann ersticken sie.

Ein Grund, weshalb sich die Feuerwehr Berlin seit Jahren dafür einsetzt, dass Rauchmelder auch in der Bundeshauptstadt zur Vorgabe werden, wie Brandamtsrat Stephan Fleischer auf Nachfrage betont. Manche hätten die Lebensretter aber auch ohne gesetzliche Vorgabe bereits eingebaut.

Die Erfahrung zeigt: In vielen Fällen ist nicht Fahrlässigkeit der Auslöser für Brände, sondern technische Defekte. Umso mehr kommt es bei Rauchmeldern auf den Alarmton an. Doch der ertönt offenbar in vielen Fällen auch dann, wenn eigentlich keine Brandgefahr besteht. Hendrik Frese von der Hamburger Feuerwehr bestätigt, dass es dort im letzten Jahr zu 1550 unnötigen Feuerwehreinsätzen wegen Rauchmeldern gekommen ist. Grund waren meist erschöpfte Batterien in den Geräten. Der dann in kurzen Abständen zu hörende Warnton werde von Dritten häufig verwechselt mit dem langanhaltenden, lauten Ton bei einer tatsächlichen Brandgefahr.

Kommt es zu einem solchen Einsatz, ist dieser aber kostenfrei. „Schließlich haben Rauchmelder die Funktion, Leben zu retten. Dies steht im Vordergrund“, sagt Frese. Und auch Stephan Fleischer in Berlin bestätigt dies. Wer sich dagegen einen Scherz erlaubt und die Feuerwehr ohne Grund alarmiert, muss damit rechnen, dass gegen ihn wegen des Missbrauchs von Notrufen ermittelt wird. Die vorsätzlich falsche Feuermeldung sei in den vergangenen Jahren aber deutlich zurückgegangen, berichtet Fleischer. Durch die Digitalisierung seien heute sowohl Halter als auch Kennung des Telefons sehr leicht zu verfolgen. Das schrecke ab. Die Kosten für das Aufbrechen einer Wohnungstür muss bei einem Fehlalarm derjenige übernehmen, der für die Wartung der Geräte zuständig ist. „Wo Pflicht besteht, sind es in der Regel die Vermieter“, sagt Christoph Prang, Sprecher der Hamburger Feuerkasse. „Die Kosten für die Schadensbeseitigung werden aber erstattet, wenn eine erweiterte Wohngebäudeversicherung vorliegt.“

Schlüssel dem Nachbarn geben

Und was ist, wenn jemand auf die Idee kommt, den Rauchmelder zu deaktivieren? Beispielsweise, weil er nicht mehr in der Nacht durch einen Fehlalarm aufgeschreckt werden möchte, wie es ein 79-jähriger des Öfteren erlebt haben will. „Eine Absenkung des Versicherungsschutzes ist nur denkbar, wenn sich nachweisbar herausstellt, dass es durch eine solche Maßnahme zu einer Vergrößerung des Schadens gekommen ist“, sagt Prang.

Sigmund Chychla vom Mieterverein rät insbesondere älteren Mietern, in einem solchen Fall den Notdienst der Hausverwaltung anzurufen. „Keinesfalls sollte man sich auf einen Stuhl stellen und dies selbst in die Hand nehmen.“ Gebe es Probleme mit den Geräten, müsse man eine Instandsetzung der Rauchmelder einfordern. Die Kosten für die Wartung der Geräte dürfen Vermieter über die Betriebskosten auf die Mieter umlegen. „Nicht jedoch die Mietkosten für die Geräte“, sagt Siegmund Chychla. Hendrik Frese rät bei längerer Abwesenheit vorsorglich frische Batterien in die Geräte einzulegen. Das verhindere, dass Nachbarn den regelmäßigen Warnton bei erschöpfter Batterie missdeuten. Wer auf Reisen gehe, sollte einen Schlüssel bei Nachbarn oder der Hausverwaltung hinterlegen. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest im Jahr 2013 ergab übrigens, dass von 16 geprüften batteriebetriebenen Rauchmeldern der Großteil gut war. „Kam es zu Fehlalarm, lag dies zumeist an der falschen Montage“, sagt Peter Hinzpeter, journalistischer Leiter bei der Verbraucherschutzorganisation. In Küche und Bad gehörten sie beispielsweise nicht, da die Geräte auf Wasserdampf reagierten. Auch sollten sie mittig an der Zimmerdecke montiert werden, und nicht aus Bequemlichkeit an der Wand. Ratsam sei zudem, Rauchmelder einmal im Jahr abzusaugen, damit die sensiblen Geräte nicht verstauben.

Unterdessen hat das Bundessozialgericht in einem Urteil entschieden, dass Gehörlose und hörgeschädigte Menschen einen Anspruch auf Kostenübernahme für spezielle Rauchmelder haben (Urteil vom 18.6.2014, Aktenzeichen B 3 KR 8/13 R). Bei dieser Technik wird über Lichtsignale und/oder Vibrationen vor Gefahren gewarnt. Anträge sollten daher auch jene erneut stellen, die sich bislang umsonst um ein Kostenübernahme bemüht haben.