Wohnung

Was echten Luxus vom falschen unterscheidet

Schön wohnen reicht nicht mehr. Wer betuchte Käufer anziehen will, muss Edles bieten. Wer nur so tut, hat schon verloren

„Statement in jeder Hinsicht“: So bewirbt der Immobiliendienstleister City and Home sein Wohnprojekt „Living Levels“ in Berlin-Friedrichhain. Lage direkt an der Spree, Concierge-Service, Deckenhöhe zwischen 3,30 und 4,10 Meter – und natürlich eine Zusammenarbeit mit der Elite der Ausstatter. Das Ganze hat seinen Preis: 6500 Euro pro Quadratmeter werden laut der Website Neubaukompass.de etwa für eine Zwei-Zimmer-Wohnung aufgerufen.

Man muss nicht lange suchen, bis man im Online-Angebot von „Living Levels“ einen Begriff findet, der zurzeit am Immobilienmarkt geradezu inflationär Verwendung findet: „Wenn Reduktion zum Luxus wird, dann ist es Zeit für Living Levels“, ist gleich auf der Startseite des Projektanbieters zu lesen. Bei „Living Levels“ erscheint der Begriff Luxus tatsächlich angemessen. Doch im Kampf um den betuchten Wohnungskäufer am boomenden deutschen Markt schmücken sich immer mehr Projektentwickler und Anbieter mit dem Attribut, ohne diesen Anspruch wirklich einzulösen.

Entsprechend ungern hört Ralf Schmitz dieses Wort. Dabei verdient die nach ihm benannte Wohnungsbaugesellschaft aus dem niederrheinischen Kempen, die der 61-Jährige mit seinen drei Söhnen führt, genau in jenem Premiumsegment der Immobilienbranche ihr Geld. Doch der Begriff „Luxus“, sagt Schmitz, habe sich einfach abgenutzt. Viel zu viele Projektgesellschaften versähen eher durchschnittliche Bauwerke mit dem Luxus-Label. Ralf Schmitz spricht daher lieber von „Qualität, Wertbeständigkeit, Nachhaltigkeit, solidem Handwerk und zeitlosem Stil“. Das, so der niederrheinische Baumeister, seien „die Komponenten, die wahre Werte ausmachen“.

Luxusimmobilien hoch im Kurs

Für das laufende Jahr rechnen Experten abermals mit einer positiven Wertentwicklung. Spitzenreiter bei den Preisen sind München und Hamburg: In der bayerischen Landeshauptstadt kostet der Quadratmeter Wohnfläche im Luxussegment zwischen 18.000 und 25.000 Euro, Hamburg wartet mit Preisen auf, die zwischen 14.000 und 16.000 Euro liegen.

„Luxusimmobilien haben grundsätzlich eine exquisite Ausstattung und bieten diverse Annehmlichkeiten“, sagt Michael Cabell, Inhaber von RE/MAX Immobilien mit Büros in München-Solln, Pullach, Grünwald und am Maximiliansplatz. „So sind in solchen Objekten etwa hochwertige Badarmaturen, erlesene Bodenbeläge wie Mahagoni, Marmor oder ein edles Eichenparkett sowie Designerküchen Standard.“

Doch nicht jede Luxusimmobilie zeichnet sich auch durch eine sichere Wertstabilität aus. Entscheidend dafür ist die Lage. Grundstücke im innerstädtischen Bereich haben einen unverkennbaren Standortvorteil. Auch Immobilien mit besonderem Ausblick wie auf Sylt mit Sicht auf die Nordsee können eine konstante Wertentwicklung aufweisen. Bei Premiumimmobilien in B-Lage ist Wertstabilität dagegen nicht immer gewährleistet. „Ein ländlich gelegener historischer Reiterhof, der zwar luxuriös ausgebaut ist, ist aufgrund der Lagefaktoren jedoch ein Liebhaberstück und lässt sich im Vergleich nur schwer wiederverkaufen“, erläutert Cabell. Interessenten sollten sich stets die Frage nach der Rendite und der Nachhaltigkeit der Wertentwicklung stellen.

„Immobilienentwickler stehen bei jedem Projekt vor der Herausforderung, die Qualitäten des Ortes zu würdigen, an dem sie bauen“, sagt Uwe Schmitz, Vorstandsvorsitzender von Frankonia Eurobau. Ein Beispiel dafür sind die von seinem Unternehmen realisierten Sophienterrassen in Hamburg, ein Luxusprojekt auf einem einstigen Bundeswehrareal direkt an der Alster. Dass bei Premiumimmobilien hochwertige Materialien wie Marmor, Bronze oder Eichenholz zum Einsatz kommen, sollte zwar eine Selbstverständlichkeit sein. „Qualität sollte aber auch dort zu finden sein, wo man nicht genau hinschaut“, sagt Schmitz. „Es gibt zum Beispiel Messingbriefkästen, die hübsch anzuschauen sind und hochwertig aussehen, aber manche Bestandteile in ihrem Inneren sind dann aus Plastik.“ Der Unterschied zwischen gut und perfekt lasse sich daran festmachen, ob die Qualität wirklich bis zur letzten Schraube reicht.

„Die Zielgruppe, die den ultimativen Luxus wünscht, kennt sich bestens aus und erkennt Unterschiede sofort“, sagt Alexandra Iwan, Expertin für Real Estate Marketing und Leiterin der Agentur Textschwester in Düsseldorf. „Diesen Menschen kann man keinesfalls einfach nur mit teuren Me-too-Produkten kommen.“ Im Luxussegment gehe es auch immer wieder um Abgrenzung und Statussymbolik – egal ob Yacht, Urlaubsdestination, Auto, Handtasche oder eben die Immobilie. „Alles muss mehr Bedeutung haben, mehr Qualität, mehr Story – und es sollte am besten nicht nachzukaufen sein“, sagt Iwan. Dazu zählt auch ein erstklassiger Service: Ohne Concierge, Angebote für Fitness- und Lifestyle sowie eine Interior-Design-Beratung geht heutzutage im Premiumsegment gar nichts mehr.

Der Service-Aspekt ist auch Reiner Götzen, dem Geschäftsführer der Interboden Gruppe aus Ratingen, besonders wichtig. „Wenn die Betreuung unserer Kunden vor und nach dem Kauf nicht stimmt, können der Glanz der gelungenen architektonischen Gestaltung und die anfängliche Begeisterung am Ende in Enttäuschung umschlagen.“ Mit Leistungen wie Post- und Reinigungsservice, Gästeappartements und Fahrradverleih wird den Bewohnern seiner Wohnquartiere der Alltag erleichtert.

Objekt für sieben Millionen Euro

Ralf Schmitz, der Premium-Baumeister, dem das Wort „Luxus“ ein Gräuel ist, hat übrigens gerade eines der teuersten Penthouses Deutschlands fertiggestellt. In exponierter Rheinlage am Mannesmannufer wurde die 400-Quadratmeter- Immobilie vom renommierten Pariser Interior-Designer Jacques Grange mit französischen Stilelementen gestaltet. Die Wohnung erstreckt sich über drei Etagen mit Panoramablick über den Rhein, die durch einen eigenen Lift sowie ein imposantes, neun Meter hohes Treppenhaus miteinander verbunden sind. Für sieben Millionen Euro wird das Penthouse demnächst den Besitzer wechseln. Wenn das mal kein Luxus ist.