Holz

Furnier wird unterschätzt

Designer schätzen die Möglichkeit, Oberflächen mit Holz zu veredeln. Mangelnde Qualität ist unbegründet

Denken Sie auch bei der Aussage, die Oberfläche eines Möbels sei furniert, zunächst an eine Unzulänglichkeit? Nach dem Motto: Aha, nicht aus Massivholz – also weniger wertig. Diese Einschätzung ist falsch, wie Gespräche mit Experten zeigen. Zwar ist es richtig, dass es sich bei einem Furnier nur um ein dünnes Deckblatt aus wertvollem, meist gut gemasertem Holz handelt. Es wird auf eine Holzträgerplatte meist geringerer Qualität aufgeleimt. „Das wiederum hat jedoch den Vorteil, dass diese Trägerplatten spezielle Schutzfunktionen übernehmen können – wie beispielsweise einen gewünschten notwendigen Brand- oder Feuchtigkeitsschutz“, sagt Pitt Neukirchner, Geschäftsführer der R. Ulrich & Co. GmbH.

Das mittelständische Familienunternehmen mit Vertriebsstelle in Virginia, USA, stellt seit 1938 Furnierblätter her, bedient sich dabei auch eigener Bestände aus einer Teakholzplantage in Brasilien. „Unser Furnier ist FSC-zertifiziert“, sagt Neukirchner. Das Zertifikat steht für die Förderung einer umweltfreundlichen und und ökonomisch tragfähigen Bewirtschaftung von Wäldern. Dem Unternehmer ist es wichtig zu betonen: „Ein Furnier ist die höchste Qualität, eine Oberfläche mit Holz zu gestalten.“

Schöne Maserung

Auch deshalb zählten die britische Edelmarke Rolls-Royce und die Möbelfirma Hülsta im Münsterland zu den Kunden der Firma. „Wir beliefern Rolls-Royce mit edlen Furnieren für Armaturen“, sagt Neukirchner. „Nur den wenigsten ist bewusst, wo überall das Material zum Einsatz kommt“, sagt Dirk-Uwe Klaas, Geschäftsführer der Initiative Furnier + Natur (IFN).

Auch Oberflächen von Sportgeräten und Musikinstrumenten würden so veredelt. Aufgezeigt wird dies mit Videos auf der Webseite www.furniergeschichten.de. Hier erfährt man auch, wie der ehemalige Radprofi Rolf Senti seine Leidenschaft fürs Furnier entdeckte. 1995 gründete er in der Schweiz das Unternehmen Bagno Sasso und entwarf im Zuge dessen Badewannen aus Furnier, mit denen er Designpreise erhielt. Sie werden in einem aufwendigen Verfahren von Hand und nur auf Bestellung hergestellt. Die Wannen können aus nahezu jedem Wunsch-Holz gefertigt werden.

Die Wertigkeit des Materials wird am Herstellungsprozess deutlich: Ein Holzstamm wird entrindet, dann mittels einer Säge halbiert, anschließend kommt das Holz in eine sogenannte Kochgrube, wo es mindestens 48 Stunden bis zu einer Woche bleibt. Dann wird es in die Furnierschneidemaschine gespannt und mittels eines Messers je nach späterem Verwendungszweck in 0,45 bis 6 Millimeter dicke Blätter geschnitten. Anschließend durchlaufen die dünnen Furniere in einem Trockner abwechselnd sieben Kalt- und Heiß-Zonen.

Etwa 200 Hölzer werden für die Herstellung von Furnier verwendet, davon am häufigsten Ahorn, Buche, Eiche, Esche und Nussbaum. „Jene mit außergewöhnlicher Maserung werden bevorzugt. Schon bei der Baumsuche wird überlegt, für welches Furnierbild sich die Abschnitte des Stammes eignen könnten“, erläutert Dirk-Uwe Klaas. Ein Baum reiche für die Beschichtung der Möbel von bis zu sieben Schlafzimmern. „Das ist echte Nachhaltigkeit“, so Klaas. Gefällt werden die Bäume überwiegend im Winter, wenn die Stämme gleichmäßiger trocken sind.