Interview

„Fassade fließt mit Bäumen ineinander“

Ungewöhnliche Dachpfannen und Holz machen das Haus zu einem auffälligen Unikat

Berliner Morgenpost:

Das Haus steht an einer Stelle, die eher ungewöhnlich ist für ein Einfamilienhaus, zumal in einer begehrten Baulücke. Wie kam es dazu?

Ralph Brandt:

Hier befand sich zuvor bereits ein Einfamilienhaus, wenn es auch lange leer gestanden hatte. Der Kompromiss mit dem Stadtplanungsamt bezüglich der begehrten innerstädtischen Baulücke bestand darin, das Einfamilienhaus einem Hinterhaus anzugliedern und so eine potenzielle Baufläche am Vorderhaus freizulassen. Unser Projekt konnte auch die in der Berliner Bauordnung festgeschriebene „Anbaupflicht“ an einer Brandwand erfüllen. Und wir haben das Haus so weit wie möglich in die Höhe geplant, um einen optischen Abschluss der Hinterhauszeile zu erreichen. Entschieden haben wir uns für ein Haus mit mehreren Ecken, das sich in Parallelität zu den umgebenen Gebäuden befindet.

Das Einfamilienhaus fällt auch durch seine ungewöhnliche Fassade auf. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Beim Entwurf der Fassade dieses Hauses wurden wir durch Künstler der so genannten Op-Art wie Victor Vaserely inspiriert. Diese optische Kunst ist eine Stilrichtung der bildenden Kunst aus den 1960er-Jahren, die durch abstrakte Formenmuster oder geometrische Farbfiguren den Eindruck von Bewegung, von Flimmereffekten oder optischen Täuschungen hervorruft. In dieser Art haben wir ein sich wiederholendes Muster entworfen, das kleinteilig ist und die gesamte Hausfassade bis in die Ecken bedeckt. Das Muster verläuft in mehreren Grüntönen von unten nach oben, von dunkel nach hell bis in das Steildach hinein, imitiert Blattwerk und soll mit den umgebenden Bäumen und Sträuchern ineinander fließen. Je mehr man sich von der Fassade entfernt, desto deutlicher wird dieser Eindruck. Das keramische Material der Fassadenziegel ist als Reminiszenz an so genannte „Azulejos“ gedacht. Das sind im Heimatland des Bauherrn, Galizien in Nordspanien, weit verbreitete Fliesenbilder an Hausfassaden.

Warum haben Sie sich für Holz als Baustoff entschieden?

Holz mag für den innerstädtischen Zusammenhang nicht typisch sein, besitzt aber hervorragende Eigenschaften, die heutigen Anforderungen an Raumklima und Dämmeigenschaften auch im städtischen Umfeld entsprechen. Die Wärmedämmeigenschaften haben wir durch die Verbindung von Holz und Zellulose erreicht. Die 18 Zentimeter dicke Holzständerwerkskonstruktion für die Außenwände wurde dazu mit 36 Zentimeter Zellulose gedämmt. Außerdem erlaubt Holz einen schnellen und über weite Strecken witterungsunabhängigen Bau. Das Haus wurde von Dezember bis Mai errichtet.

Wodurch erreichten Sie einen ausreichenden Witterungsschutz für die Holzkonstruktion?

Das typische Schwind- und Quellverhalten von Holz im Lauf des Jahres erforderte eine Fassadenverkleidung, die mittels eines hohen Anteils offener Fugen Bewegungen in den Bauteilen ausgleichen kann und darüber hinaus einen langfristigen und wartungsarmen Witterungsschutz bietet. Hierfür entschieden wir uns für eine Fassade aus Biberschwanzziegeln, einer massiven und gleichzeitig stabilen Fassadenbekleidung. Im Grunde wird das Gebäude von einer für Dächer klassischen Konstruktion umgeben.