Gartenkultur

Gärten für Eilige

Die neuen Anlagen sind puristisch, Natürliches ist nicht mehr gefragt

Wer seinen Garten liebt, steckt viel Zeit hinein. Doch: Wer hat heute schon viel Zeit? „Die Leute wollen nicht mehr im Pflanzbeet Unkraut jäten oder Stauden und Büsche zurückschneiden müssen“, sagt Verena Eilers vom Garten- und Landschaftsbaubetrieb Nordgrün. Sie entwarf einen Mustergarten, der auf der europäischen Leitmesse für den Garten- und Landschaftsbau, der GaLaBau in Nürnberg zu sehen war.

Beliebt seien Kieswege und großformatige Betonplatten mit wenigen Ritzen, gepflasterte Einfahrten, Schotterbeete, Mulchflächen und Rasen. „Die Leute stellen sich ein Megagehölz als Hingucker hin – sonst nichts. Natürlichkeit, Hecken oder ähnliches, ist kaum noch gewünscht. Besonderen Wert legen Gartenbesitzer auf eine puristische Gestaltung. Es geht weg vom Verspielten.“

Die Zeitnot hat Auswirkungen auf einen weiteren Trend: „Viele Kunden möchten nicht zum Sklaven ihres Gartens werden“, erklärt August Forster, Präsident des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Beliebt seien daher technische Hilfsmittel – zum Beispiel Beregnungsanlagen oder Mähroboter.

Billig sind diese Hilfsmittel nicht, so wie auch ein formvollendeter Trend-Garten ein gut gefülltes Konto voraussetzt. Aber auch das ist beliebt: das Geld in den Garten zu stecken. Zeigten betuchte Hausbesitzer früher vor allem im Innenbereich ihren erlesenen Geschmack, wird nun auch der Garten zum Statussymbol. „Früher war nur der Wohnraum wichtig, das hat sich komplett geändert“, sagt Ulrich Schäfer, Vorsitzender der Landesvereinigung Gartenbau Bayern.

Wer nicht so viel investieren will, greift zu Objekten, die seinem Garten etwas Besonderes verleihen sollen: Wasseranlagen, -becken oder -wände, Sichtschutzplatten aus „rostendem“ Cortenstahl oder Kunstobjekte. Auch Wellness spielt eine Rolle, Schwimmbecken sind weiter gefragt. Menschen mit langen Arbeitszeiten legen Wert auf Beleuchtung. „Wir erkennen das Bedürfnis, in Gärten zu leben und sie auch zu erleben“, erläutert Verbandschef Forster.