Interview

„Der Komfort an Bord hat sich sehr entwickelt“

Früher haben die Binnenschiffer im Winter sehr gefroren. Auch auf Strom mussten sie verzichten

Der ehemalige Binnenschiffer Eberhard Steib hat Jahrzehnte auf Schiffen gelebt und ihre Weiterentwicklung miterlebt. Er kennt sämtliche Typen und ist jetzt im Ruhestand Berater im Historischen Hafen Berlin. Autor Roland Mischke sprach mit ihm.

Berliner Morgenpost:

Frau Schomann hat es geschafft, einen Liegeplatz für ihr Schiff zu bekommen. Wie war das möglich?

Eberhard Steib:

Sie hat mehr Glück als Verstand gehabt. Aber sie hat auch strategisch alles richtig gemacht. Ich kenne Schiffseigner, die seit 20 Jahren und mehr auf einen Platz warten.

Ist das in anderen Städten auch so?

Nein, in Köln, Koblenz oder Düsseldorf nicht. In holländischen Städten wird noch der kleinste oder abgelegenste Platz vermietet. Der Berliner Senat fährt bei der Vergabe einen merkwürdigen Kurs nach dem Motto: Hauptsache keinen Präzedenzfall schaffen. Aber natürlich geht es ums Geld, die Liegegebühren sind noch relativ gering. Das passt vielen Beamten nicht.

Wie können Sie Schiffsbesitzern helfen, wenn die sich an Sie wenden?

Nur mit einer umfassenden Beratung sowie Einsicht in Projekte. Und ich bringe auch meine Erfahrung ein, die ich mit 74 Jahren reichlich habe. Wirklich konkret helfen, wenn es um einen Liegeplatz geht, kann ich allerdings leider nicht.

Wann haben Sie zum ersten Mal auf einem Schiff gewohnt?

1955 habe ich an der Schifffahrtsschule in Ost-Berlin meine Lehre zum Binnenschiffer begonnen. Dazu gehörten Aufenthalte auf mehreren Schiffen. Als Decksmann bin ich durch ganz Europa gekommen, auch in der Zeit des Kalten Krieges. Leicht war das Leben auf diesen Schiffen nicht immer, aber es hat mir nichts ausgemacht. Ich habe später sogar mit meiner Frau lange auf Schiffen gewohnt.

Was hat sich in den Jahrzehnten geändert?

Der wirkliche Komfort kam erst in den letzten 20 Jahren. Früher gab es zum Beispiel noch keinen Fäkalientank an Bord, der immerhin vier Kubikmeter umfasst und in Häfen über Pumpen entsorgt wird. Es gab einen Eimer, der nach Benutzung im Fluss ausgespült wurde. Fäkalien galten nicht als Wasserschadstoffe. Wir hatten auch auf Schleppern keinen Strom. Wir haben auf holz- und kohlebetriebenen Herden gekocht. Und an Duschen war überhaupt nicht zu denken, wir wuschen uns mit Flusswasser. Heute ist ein Wassertank mit 140 Litern oder mehr gefüllt. Das sind alles große Erleichterungen.

Wie ist das mit der Elektrik?

In Häfen kommt sie per Landanschluss über Kabel in die Schiffe, für unterwegs kann man Strom aufladen. Kühlschränke und Licht sind heute selbstverständlich, früher gab es Petroleumlampen. Lebensmittel haben wir in Drahtkörbe gelegt und diese hinter dem Schiff hergezogen, um sie kühl zu halten. Wer lieber mit Gas kocht, kann sich heute landseitig mit Flaschen versorgen.

Wie lebt es sich in der kalten Jahreszeit auf einem Schiff?

Wir haben noch viel gefroren, ich war oft erkältet. Zuerst wurde nur einfache Dachpappe zum Dämmen genutzt, später haben wir das mit Hartfaserplatten gemacht. Das Problem ist die Nässe. Das kennt man ja auch von nicht ganz dichten Fenstern, wenn die Scheiben beschlagen und Kälte einsickert. In den Dämmplatten heute steckt viel Styropor, das hält die Kälte ab und die Wärme innen fest. Es gibt kaum noch Wärmeverluste. Oft wird auch eine besonders dicke und beschichtete Tapete benutzt.