Immobilie

Ein Haus von Frauen für Frauen

Der Beginenhof – ein Wohnprojekt in Kreuzberg

Mit seiner bunten Fassade, den bodentiefen Fenstern und großen Balkonen ist es fast unmöglich, das Gebäude zu übersehen. Und genauso bunt, wie sich das Haus präsentiert, sind auch seine Bewohnerinnen. In 53 barrierefreien Wohnungen, zwischen 56 bis 104 Quadratmetern groß, leben seit gut sieben Jahren 54 Frauen – und zwei Männer – im Alter zwischen 22 und 86 Jahren. Nach dem Grundsatz „Eigentum in Frauenhand“ wurden die Wohnungen ausschließlich an Frauen verkauft.

Viele sind alleinstehend oder verwitwet, die meisten bereits in Rente. Manche befinden sich aber auch voll im Berufsleben und wohnen mit ihrem Partner oder der Partnerin in dem Haus.

Eine der Bewohnerinnen ist die Sozialwissenschaftlerin und Historikerin Gisela Notz. Die 72-Jährige ist eine der ersten Frauen, die in das Haus gezogen sind. Sie hatte sich bereits für das Projekt engagiert, als es noch in Planung war. „Als Wissenschaftlerin habe ich mich mit der Frage befasst: Wie wollen wir leben und wohnen – jetzt und im Alter? – und ausgiebig über Frauen-Gemeinschaftsprojekte geforscht. Heute lebe ich in einem“, sagt die Wahlberlinerin, die aus Bonn in das Frauenhaus nach Berlin gezogen ist.

Mit 104 Quadratmetern bewohnt sie eine der größten Wohnungen im Haus. Die Maisonette-Wohnung liegt im sechsten Stock und hat drei Zimmer. Das Wohnzimmer bildet den Mittelpunkt. Von dort führt eine Treppe in das Arbeitszimmer mit angrenzender Dachterrasse.

Gisela Notz ist froh, dass Sie bei der Planung „auch individuelle Wünsche an den Grundriss“ stellen konnte. Diese habe die Architektin Barbara Brakenhoff bereitwillig berücksichtigt. „Daher sieht in unserem Haus keine Wohnung aus wie eine zweite“, sagt Gisela Notz und setzt sich in ihren Laubengang. Der führt in den Hof und gehört nicht ihr allein. „Unsere Laubengänge führen auf jedem Stockwerk zu jeweils vier Wohnungen und werden von allen gern genutzt“, sagt Gisela Notz. Sie erklärt: „Hier frühstücke ich gern und treffe ganz zwanglos meine Nachbarinnen.“ Der nachbarschaftliche Kontakt ist den Frauen wichtig und wurde von Architektin Barbara Brakenhoff auch architektonisch umgesetzt.

„Für gemeinschaftliche Themen haben wir im Erdgeschoss einen großen Wohnraum mit einer Terrasse und einer Küche“, sagt Gisela Notz. Hier treffen sich die Frauen zu diversen Unternehmungen. „Wir haben eine Literaturgruppe, einen Geschichtssalon, eine Tanzgruppe, regelmäßige Vernissagen und vieles mehr“, sagt die Bewohnerin und führt in den „Salon mit rotem Sofa“, wie die Frauen den Gemeinschaftsraum nennen.

Hier treffen wir Nachbarin Astrid Osterland. Sie fotokopiert gerade die neue Hausordnung und ergänzt: „Der Salon steht nicht nur uns zur Verfügung. Wir möchten hier auch mit den Menschen aus dem Kiez ins Gespräch kommen. Bei Vernissagen oder anderen Aktivitäten ist der Raum immer offen für Besucher. Es freut uns, dass das Angebot gut genutzt wird.“

Froh sind die Bewohnerinnen auch über ihre große Dachterrasse. „Bei schönem Wetter entspannen wir in einer der Hängematten oder auf den Sonnenliegen“, sagt Astrid Osterland. Gleiches gilt für den Garten.