Gastkolumne

Die Wahl des Verwalters

Andreas Sammer ist WEG-Experte bei der Strabag RPS, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Der Nestbau hat begonnen: Spatenstich, Richtfest, Innenausbau – fertig. Halt, was fehlt? Die Verwalterbestellung. Das klingt nebensächlich, gehört aber zur Errichtung von Wohnungseigentum mit dazu. Denn irgendwann gegen Ende der Neubauphasen muss sich der Projektentwickler oder Bauträger Gedanken machen, wie die neu geborene Eigentümergemeinschaft „flügge“ wird.

Es ist im Interesse aller Beteiligten, den Übergang von der Bauphase zur Bewirtschaftungsphase zügig und reibungslos zu gestalten. Das ist nur möglich, wenn die Liquidität der neuen Eigentümergemeinschaft (WEG) über einen vorläufigen Wirtschaftsplan und die Bekanntgabe eines Bankkontos der Gemeinschaft sichergestellt ist. Ebenso sind Versicherungs-, Dienstleistungs- und Versorgungsverträge zu prüfen und abzuschließen. Auch wenn sich eine Gemeinschaft selbst verwalten kann, wird dies in der Regel ein bestellter Verwalter tun.

Die „faktische“ Geburtsstunde der WEG erfolgt nach dem Anlegen der Wohnungsgrundbücher, einem gültigen Erwerbsvertrag, der Auflassungsvormerkung, dem Nutzen-/Lastenwechsel sowie der Inbesitznahme der ersten Eigentumseinheit. Manche Bauträger behalten sich die Festlegung auf einen ersten Verwalter in der Teilungserklärung vor. Dann muss die Eigentümergemeinschaft den Verwalter bestellen, da sie sonst „vogelfrei“ ist.

Sinnvoller ist es, wenn sich der Projektentwickler schon vorher einen Verwalter sucht. Dieser kann sein Fachwissen von Anfang an einbringen und Vorleistungen erbringen. Die Vorteile liegen für alle Seiten auf der Hand: Der Bauträger kann sich unliebsamer Verwaltungstätigkeit entledigen, die Eigentümer werden von Beginn an professionell betreut, und der Verwalter weiß sich seines Auftrags sicher.

Dieser Weg ist rechtssicher, wenn der Verwalter in der Teilungserklärung namentlich aufgeführt wird. Die Eintragung in das Grundbuch ist entbehrlich, wenn sich sämtliche Erwerber im Kaufvertrag verpflichten, der Vereinbarung beizutreten. Sobald die faktische Gemeinschaft entsteht, ist der Verwalter in sein Amt gesetzt und kann für die WEG handeln. Die Eigentümer können sich dann auf ihre liebste Aufgabe konzentrieren: Umzugskartons im neuen Nest auspacken!

Nächste Woche: Fälligkeiten beim Hausgeld