Möbeldesign

Möbelstücke im Karohemd

Einrichtungsgegenstände folgen oft ähnlichen Trends wie die Mode – und das schon seit den 30er-Jahren

Mode und Möbel haben viele Berührungspunkte. Häufig gehen Trends von der Bekleidung auf die Einrichtung über – so werden zurzeit gern Streifen- und Karomuster verwendet. Dazu haben Marken wie Armani, Fendi und Versace ihr Portfolio in den vergangenen Jahren um Stücke für die Einrichtung erweitert. Das kommt an: „Luxusmarken wie Hermès übertragen ihren hohen Qualitätsanspruch in der Mode auch auf ihr Möbeldesign“, erklärt Christiane Varga, Expertin für Wohntrends beim Zukunftsinstitut Österreich. „So spiegelt sich die makellose Verarbeitung von hochwertigem Leder, beispielsweise bei der legendären Kelly Bag, auch in der Möbellinie des Traditionshauses wider.“

Hermès und Möbel

Bestes Leder, hochwertige Verarbeitung und elegante Formen zeichnen alle Objekte von Hermès Maison aus, genauso wie ihr Zweck als Luxusgut. 2014 kamen die Leuchten Pantographe und Harnais von Michele de Lucchi hinzu, Philippe Nigro ergänzte seine Möbel- und Stoffentwürfe der Nécessaires d'Hermès-Kollektion.

Die Idee, dass Möbel und Hermès zusammenpassen, ist aber nicht neu. Die Möbelkollektion 2010 warf sogar einen weiten Blick zurück. Der Art-déco-Designer Jean-Michel Frank, Star der 30er-Jahre, hatte schon zu seinen Lebzeiten geschäftliche Verbindungen zum Hause Hermès, und daher lag es nahe, seine Tische, Konsolen und Paravents neu aufzulegen.

Zum 100. Geburtstag von Möbeldesigner Hans J. Wegner bezog das Team von Carl Hansen & Søn einige seiner berühmtesten Entwürfe – den Wishbone Chair sowie den dreibeinigen Shell Chair, das Sofa CH163 – mit den Streifenstoffen von Modedesigner Paul Smith. Natürlich ist so eine Kooperation für das Unternehmen eine Chance, größere Aufmerksamkeit zu gewinnen und allein durch die Verknüpfung mit dem Namen des Modedesigners neue Märkte zu erschließen.

Das gleiche gilt für den Sitzsack Sacco des Designtrios Gatti, Paolini und Teodoro für Zanotta. Neben dem aufblasbaren Sessel „Blow“ ist dieses Sitzmöbel, gefüllt mit Tausenden kleinen Polyesterkugeln, eine Ikone des 60er-Jahre-Designs. 2014 bezog es Zanotta mit einem Karomuster – passend zu dem neuen Sofa von Anna von Schewen. Unter dessen Bezug lugen die mit dem gleichen Karostoff bezogenen Polsterkissen hervor. Auch den Hocker Flow von Jean-Marie Massaud für MDF gibt es nun im Karomuster. Und Arflex präsentierte das Bett Suit des Designerinnen-Duos Bernhardt-Vella in schwarz-weißem Hahnentritt.

Stoffe sind immer raffinierter geworden. Einer, der das Spiel mit Farben und Stoffen beherrscht, ist der belgische Designer Raf Simons, zwischen 2005 und 2012 der Kopf hinter der Jil Sander-Kollektion und inzwischen der Nachfolger von John Galliano bei Christian Dior. Der 46-Jährige arbeitet seit vier Jahren mit dem Polsterstoff-Spezialisten Kvadrat zusammen. Die Stoffe landeten nicht nur auf Sofa und Sessel, sondern sogar auf dem Catwalk.