Architektur

„Es ist ein Raumgebilde der besonderen Art“

Der Trend einer modernen Ökologie weckte den Wunsch nach anspruchsvollen Baumhäusern

Der hierzulande erfolgreichste Baumhaus-Architekt ist Andreas Wenning in Bremen. Er entwarf auch die Baumhäuser in Zehlendorf. Autor Roland Mischke sprach mit ihm.

Berliner Morgenpost:

Das Baumhaus ist eine uralte Einrichtung. Seit wann ist es populär geworden, in anspruchsvollen Baumhäusern auch zu wohnen?

Andreas Wenning:

Seit etwa acht Jahren gibt es vermehrte Nachfragen. Die Medienkultur hat die vorhandenen Beispielobjekte entdeckt und vermittelt, dass es nun auch Baumhäuser für Erwachsene gibt. Durch Bilder und Artikel sind Begehrlichkeiten unter Interessenten geweckt worden.

2003 haben Sie in Bassum bei Bremen Ihr erstes Wohnhaus in die Bäume montiert. Wie sind Sie als gelernter Tischler und studierter Architekt dazu gekommen?

Es lag am Trend „Zurück zur Natur“. Den gab es schon länger, aber er war immer etwas schrullig. Plötzlich gab es eine moderne Ökologie, sie durfte sogar etwas mondän sein. Da habe ich es mal versucht, und es kam gut an.

War Ihr Handwerker-Background entscheidend oder Ihr Status als Architekt?

Beides passte optimal zusammen. Die Architektur holte sich ihren Fundus nicht aus den üblichen Quellen, sondern wagte ein Experiment. Ich habe das Projekt zwar aus der praktisch-handwerklichen Sicht bedacht, entscheidend war aber die Kreativität in dem Ganzen, die Planung und das Konzept mit architektonischem Background. Das Baumhaus ist ein Raumgebilde der besonderen Art, da bedarf es einer anderen Wahrnehmungskonzentration. Die als freie Höhe empfundene Fläche verspricht Nähe zur Natur. Zudem erhalten meine Häuser naturnahe Namen wie „Bachstelze“ oder „Froschkönig“.

Inzwischen haben Sie sich als Experte international einen Namen gemacht. Wer sind Ihre Kunden?

Die meisten sind Privatkunden. Ich habe Baumhäuser in Deutschland gebaut, zum Beispiel am Tegernsee oder Starnberger See, in Niedersachsen, aber auch in Österreich. Es gibt gewerbliche Kunden, für die ich in der Nähe von Paris gebaut habe, in Italien einen Aussichtsturm. Anfragen gibt es auch häufig aus den USA, in Thailand läuft gerade ein Projekt, dort in der Hotellerie.

Sie haben Baumhäuser mit vier Quadratmetern Grundfläche geschaffen, aber auch ein Konferenzbaumhaus auf 50 Quadratmetern.

Ja, ein Konsortium von Firmen der Papierindustrie suchte einen Standort für einen originellen Konferenzort. Den haben wir dann in Belgien gefunden.

Was sind Ihre originellsten Baumhäuser?

Die meisten sind Standard, die Voraussetzungen sind ja durch Lage und unsere Erfahrungswerte gegeben. Hin und wieder gelingt etwas Besonderes wie in Brasilien, da konnte ich eine Komposition in die Bäume setzen.

Was sind die größten Probleme im Bauvorgang ?

Die Logistik ist entscheidend. Es ist ja nicht so, dass ich mit einem Lkw voller Bretter zum Bauort fahre. Meine Aufgabe ist, auf ein komplexes System der Natur so zu antworten, dass eine Vorfertigung weitgehend möglich ist, weil das Kosten spart. Jeder Baum ist anders, auf jeden muss ich meine Planung ausrichten.

Wie läuft das mit den Genehmigungsverfahren?

Manchmal dauert es nur fünf Wochen, manchmal ein Dreivierteljahr. In Zehlendorf war es kompliziert, weil der Wohnkontext planrechtlich geprüft wurde.