Gastkolumne

Mieten, was allen gehört

René Berott ist Leiter Bereich Wohnungseigentumsverwaltung bei der Strabag RPS, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

So was! Da parkt man schon seit Jahren auf dem Abstellplatz neben dem Müllstand, und jetzt wollen die Miteigentümer plötzlich Geld dafür! Nur weil einer auf die Idee gekommen ist, dass man Gemeinschaftsflächen vermieten kann und so Geld in die Kasse der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) kommt. Dürfen die denn das?

Ja, sie dürfen. Und die Idee ist gar nicht so schlecht! Grundsätzlich steht gemeinschaftliches Eigentum allen Eigentümern zur Verfügung. Jeder ist zur Nutzung berechtigt, sofern keine gegenteilige Vereinbarung in der Teilungserklärung geregelt ist. So bestehen oftmals sogenannte Sondernutzungsrechte einzelner Wohnungseigentümer, gerade bei Stellplätzen, Gartenflächen oder zusätzlichen Kellerräumen.

Ansonsten ist eine Vermietung dieser Flächen zulässig, sofern keinem anderen Eigentümer ein Nachteil nach § 14 Nummer 1 des Wohnungseigentumsgesetzes entsteht. Da an die Stelle des Rechts zum Gebrauch der gemeinschaftlichen Fläche dann der Anteil jedes Einzelnen an den Mieteinnahmen tritt, könnte der Nachteil lediglich in der Art der Vermietung begründet sein.

Die Vermietung erfordert einen Beschluss mit einfacher Mehrheit: Dabei sollte eine eindeutige Beschreibung vorliegen, möglichst mit einem Lageplan der zu vermietenden Flächen. Ferner sollten die Höhe des Mietzinses, die Vermietungsdauer und eine Kündigungsfrist geregelt werden. Sodann ist der jeweilige Mieter „offiziell“ zur alleinigen Nutzung des Gemeinschaftseigentums berechtigt.

Die Mieteinnahmen senken die laufenden Kosten aus der Bewirtschaftung des Wohneigentums. Diesem Nutzen sollten jedoch auch immer die Risiken gegenüber gestellt werden: Die Eigentümergemeinschaft tritt als Verband in die Stellung eines Vermieters und hat neben den Rechten natürlich auch die Pflichten aus einem derartigen Vertragsverhältnis zu tragen.

So hat die Sache sogar noch einen Vorteil: Im Winter muss man den Platz nicht mehr allein freischaufeln! Die Eigentümergemeinschaft hat als Vermieter natürlich sicherzustellen, dass die Mietsache jederzeit nutzbar ist. Das heißt: Schneeräumungspflicht! Sofern dies im Nutzungsvertrag entsprechend geregelt wurde. Was auch keine schlechte Idee gewesen wäre!

Nächste Woche: Vertretung bei der Versammlung