Interview

„Im Idealfall bildet man Berlins Vielfalt ab“

In den Treskow-Höfen werden Wohnungen für Mieter aus allen sozialen Schichten angeboten

Über das Projekt in Karlshorst als Signal an die Berliner Wohnungsbauwirtschaft sprach der Autor Roland Mischke mit der Howoge Geschäftsführerin Stefanie Frensch.

Berliner Morgenpost:

2012 beschloss der Senat im „Bündnis für soziale Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten“, dass für die Mieter der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften die Miete künftig weniger kräftig steigen sollte. Ist das eingehalten worden?

Stefanie Frensch:

Wir halten uns an Vorgaben, die vom Senat kommen. Als landeseigene Gesellschaft stehen wir permanent vor der Herausforderung, einerseits solide zu wirtschaften und andererseits wohnungspolitische Vorgaben umzusetzen, also zur Entspannung des Wohnungsmarktes beizutragen. Wir haben bewiesen, dass beides möglich ist: nachhaltig wirtschaftliches Handeln bei sozialverträglichen Mieten.

Der Verzicht auf starke Mieterhöhungen bedeutet aber, dass Wohnungsunternehmen Verluste hinnehmen müssen – bis zu 100 Millionen Euro in fünf Jahren laut Schätzungen. Wie wird das kompensiert?

Die Howoge hat in den 1990er-Jahren bereits ihre Hausaufgaben gemacht und einen Großteil ihrer Bestände kontinuierlich energetisch saniert. Das ist die Basis für nachhaltig wirtschaftliches Handeln. Die Howoge hat sich so eine Ertragsstruktur erarbeitet, die es uns erlaubt, auch ohne hohe Mieten auszukommen und sogar über Ankäufe und Neubaumaßnahmen weiter zu wachsen.

Mit den über 400 Neubauwohnungen der Treskow-Höfe bieten Sie vernünftige Mietpreise an. Wen wollen Sie mit dieser Offerte vor allem erreichen?

Wir streben bei jedem Projekt an, attraktiven Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung zu bieten. Dazu zählen sozial schwächere Mieter, aber auch solche, die vergleichsweise mehr für ihre Wohnung ausgeben können. Im Idealfall gelingt es, die Vielfalt, die wir an Berlin so schätzen, im Kleinen in unseren Projekten abzubilden. Das gilt für die Treskow-Höfe.

Mieten der Howoge in den Treskow-Höfen sind Warmmieten. Inzwischen sind aber Nebenkosten die höchste Belastung, nicht selten wie eine zweite Miete. Sie gehen einen anderen Weg, rechnet sich das?

Wir bauen nach KfW-70-Standard. Das heißt, dass wir die ohnehin strengen Energieeffizienz-Anforderungen freiwillig übererfüllen. Der Jahresprimärenergiebedarf liegt bei 70 Prozent eines gewöhnlichen Neubaus, wir sparen also 30 Prozent ein. Das wirkt sich positiv auf die Nebenkosten aus, und davon profitiert auch die Umwelt. Die CO2-Emissionen pro Wohnung liegen in unserem Bestand schon heute gut 60 Prozent unter dem Berliner Gesamtdurchschnitt.

In den Treskow-Höfen gibt es keine Wohnung über 108 Quadratmeter, die kleinste hat 38 Quadratmeter. Gibt es einen Trend zum kleineren Wohnraum?

In der Tat gibt es diesen Trend, er nennt sich Downsizing. Wir bieten gut funktionierende Drei- und Vierzimmerwohnungen und können so den bezahlbaren Wohnraum auch für Familien gewährleisten. Durch intelligente, attraktive und flächeneffiziente Grundrisse. Das ist uns gemeinsam mit den Architekten Ligne sowie Kramer und Neumann gelungen.

Die Treskow-Höfe sind eine Aufwertung für Karlshorst. Welches Echo erhalten Sie aus der Bevölkerung?

Es ist überwiegend sehr positiv. Wir bringen Leben zurück in ein Areal, das viel zu lange ungenutzt war. Die meisten Anwohner freuen sich, dass sich etwas tut.