Interview

„Farbe ist mehr als ein guter Anstrich“

Rebecca Maclean kennt sich als Managerin einer englischen Farbenmanufaktur mit 132 Tönen aus

Mit der Kommunikationsmanagerin der englischen Farbenmanufaktur Farrow & Ball, Rebecca Maclean, sprach die Autorin Katrin von Raggamby über die Qualität guter Farben und ihren Einsatz im Wohnbereich.

Berliner Morgenpost:

Deutschland ist in Sachen Wandfarben ein weißer Fleck auf der Landkarte. Die Engländer wohnen traditionell immer schon bunter. Kommt diese farbenfrohe Gestaltung nun auch zu uns?

Rebecca Maclean:

Ja, es lässt sich eindeutig ein Trend zu mehr Mut bei Farbe erkennen. In Deutschland war über viele Jahre fast ausschließlich Weiß in Wohnungen zu finden. Aber es geht gar nicht immer um bunte Töne – die Wände sollen ja nicht auffallen, sondern nur dem Raum einen Charakter geben.

In jüngster Zeit sieht man in vielen schönen Wohnungen Farrow & Ball-Farben an den Wänden.

Ja – und meistens erkennt man sie auf den ersten Blick: Sie haben eine eigene Ausstrahlung und geben einem Raum eine angenehme Atmosphäre.

Woran liegt das?

Je mehr Pigmente eine Farbe hat, umso tiefer und vielschichtiger wirkt sie. Lichteinfall oder künstliche Beleuchtung verändern ihre Wirkung, die Intensität bleibt aber immer sichtbar.

Decken die Farben gut und lassen sie sich leicht verarbeiten?

Absolut. Es ist immer wieder interessant, wie sehr sich die Deutschen für die technischen Eigenschaften interessieren. Wir sagen, die Farben müssen in erster Linie eines sein, nämlich schön. Farbe ist mehr als nur ein guter Anstrich. Aber natürlich stimmt bei uns beides: die Wirkung und die Funktionalität. Die Qualität wird ständig überprüft, obwohl sich die Produktionsverfahren in mehr als 100 Jahren kaum verändert haben.

Ihre Farbpalette ist sehr eingeschränkt: Es gibt 132 Töne, gemischt wird nicht.

Es entspricht unserer Philosophie, dass wir für die Kunden die besten Töne finden und herstellen – sie müssen sie nur noch aussuchen. Mal ehrlich, ein Farbfächer mit 1.000 Nuancen überfordert die meisten Menschen ohnehin.

Wofür entscheiden sich die meisten?

Für Weiß! Unsere Bestseller sind All White, Wimborne White und Pointing. Das sind verschiedene Weißtöne – mit beigen, roten, grauen, blauen, gelben oder sonstigen Pigmenten drin. Das erzeugt unterschiedliche Wohlfühlmomente. Weiß ist nicht gleich Weiß. Aber auch sämtliche Countryfarben oder skandinavische Töne haben den Einzug in den urbanen Lebensstil geschafft.

Bei Farrow & Ball spielen die Farbnamen eine große Rolle.

Jede Farbe hat einen Namen, und dahinter steht immer eine kleine Geschichte. Der Kunde soll seine Assoziationen mitspielen lassen.

Das funktioniert gut bei Skylight. Aber wer will Dead Salmon, übersetzt: Toter Lachs haben?

„Dead“ bedeutet bei Farben „matt“. Klingt schon besser, oder?

Man erkennt Ihre Farben daran, dass sie so matt sind?

Dafür sind sie bekannt. Die am meisten verwendeten Innenfarben haben nur zwei Prozent Glanz, das wirkt sehr elegant. Werden Räume stark beansprucht, empfehlen wir etwas mehr Glanzanteil, ebenso auch im Außenbereich. Unsere Firma liefert jeden Farbton in elf verschiedenen Oberflächen – also auch für Sockelleisten, Fußböden oder Möbel.