Gastkolumne

Mietminderung von A bis Z

Ingo Schatz ist WEG-Experte und Teamleiter bei der Strabag RPS, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Bei Geld hört die Freundschaft auf – der Spruch gilt erst recht für das Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter. Der finanzielle Aspekt heißt dann: Mietminderung; Anlässe reichen von A wie Ameisenbefall bis Z wie Zugluft.

Es gibt unzählige Urteile zur Angemessenheit von Mietminderungen. Mancher Mieter mag sich einen Sport daraus machen, einen Grund zur Mietminderung zu suchen. Auf der anderen Seite steht aber oft ein ignoranter Vermieter, der erst dann an die Beseitigung von Mängeln denkt.

Wann Mietminderungen gerechtfertigt sind, darüber besagt das Gesetz verkürzt: „Hat die Mietsache einen Mangel, der ihre Tauglichkeit mindert, so hat der Mieter für die Zeit, in der die Tauglichkeit gemindert ist, nur eine angemessen herabgesetzte Miete zu entrichten. Eine unerhebliche Minderung der Tauglichkeit bleibt außer Betracht.“

„Erheblich“ findet eher der Mieter einen Mangel, sogar wenn der Vermieter nichts dagegen machen kann. So muss er zum Beispiel eine Minderung hinnehmen, wenn vom Nachbargrundstück Baulärm ausgeht – ohne die Möglichkeit, Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Anders verhielt es sich in dem Fall, in welchem ein selbstnutzender Eigentümer regelmäßig den Mieter in der Nachbarwohnung bedrohte. Hier konnte der Vermieter einen Schadenersatz gegen den Verursacher einklagen.

Übrigens gibt es bereits Fälle, die eine Mietminderung von zehn Prozent wegen Zigarettenrauchs bestätigen. Hintergrund war ein Nachbar, der zum Rauchen auf den Balkon ging. Hierdurch konnte der Bewohner der darüber liegenden Wohnung seine Fenster nicht ungestört öffnen.

Meist sind jedoch bauliche Mängel in der Wohnung die Ursache, bei denen Vermieter in der Pflicht sind, diese zu beheben: ein Heizungsausfall im Winter, ein unbenutzbarer Balkon oder ein ewig nicht funktionierender Fahrstuhl. Auch defekte Gegensprechanlagen oder sogar fehlende Wohnungstüren wurden schon beklagt. Im Internet gibt es listenweise Urteile, von A bis Z, mit Minderungen von einem bis 100 Prozent.

Mangel ist Mangel. Wenn beide, Mieter und Vermieter, ihre Hausaufgaben erledigen, dann steht einer Freundschaft kaum etwas im Wege. Zumindest weder Ameisen noch Zugluft.

Nächste Woche: Miteigentumsanteile