Interview

„Sogar schwarz kann durchaus elegant sein“

Das Geheimnis liegt vor allem an den besonderen Pigmenten und Bindemitteln

Mit dem Spezialisten für Wandfarben und Raumausstattung Gerald Huber sprach die Autorin Katrin von Raggamby über den Einsatz von Farbe im Wohnbereich. Der promovierte Chemiker betreibt mit seiner Frau Dorothée Fouan-Huber zwei Interieurläden in Prenzlauer Berg und Grunewald sowie den Versandhandel Feine-Farben.de

Berliner Morgenpost:

Bis vor einigen Jahren waren alle Wohnungen durchweg weiß. Ist die Welt nun bunter geworden?

Gerald Huber:

Das kann man so sagen. Diesen Trend bemerkt man auch in Museen und Galerien, die Bilder an dunkle Wände hängen, weil sie darauf intensiver wirken. Nachdem die Wohnmagazine bunte Akzente im Wohnbereich zeigten, halten Farben nun verstärkt Einzug ins Private.

Aber wird nicht trotzdem vor allem Weiß eingesetzt?

Bei den Verkaufszahlen liegt Weiß ganz vorne, schon allein deshalb, weil Zimmerdecken fast immer weiß gestrichen werden. Aber auch bei Weiß gibt es Dutzende verschiedene Nuancen, die immer mehr Beachtung finden.

Weiß ist nicht gleich weiß?

Nein, darin können beige, graue, schwarze, gelbe oder andere Pigmente hineingemischt sein. Das Auge sieht zwar: „Das ist weiß“. Aber eine bessere Qualität der Farbe vermittelt ein angenehmeres Wohngefühl als das weit verbreitete einfache Weiß. So wie es bei den Inuit unzählige Begriffe für Schnee gibt, kann man auch Weiß unterscheiden.

Ist das auch eine Frage des Budgets?

In Deutschland ist Weiß meist am billigsten. Beim englischen Hersteller Farrow & Ball, dessen Farben wir vertreiben, kosten zum Beispiel alle gleich viel. Feine Weißtöne verfügen über hochwertigere Pigmente – das kostet dann eben etwas mehr.

Was macht eine gute Wandfarbe aus?

Das Geheimnis schöner Farben liegt an den besonderen Pigmenten und Bindemitteln. Je pigmentreicher eine Farbe ist, umso tiefer und vielschichtiger wirkt sie. Lichteinfall oder künstliche Beleuchtung verändern ihre Wirkung. Das betrifft helle wie dunkle Töne – sogar Schwarz kann sehr elegant sein.

Schwarz? Wer streicht seine Wände schon so dunkel?

Gerade in unserem Laden in Prenzlauer Berg verkaufen wir viele richtig dunkle Farben. Wird zum Beispiel der Flur, der ja meist ohnehin kein natürliches Licht hat, auch noch schwarz oder dunkelgrau akzentuiert, wirken die anderen Räume umso größer und heller. Außerdem werden schöne Altbautüren dadurch besonders in Szene gesetzt.

Wird das Bunte vor allem im Altbau eingesetzt?

Nein, das ist bei Alt- und Neubau gleich. Manche setzen gerne Akzente durch starke Kontraste, dann bekommt vielleicht in jedem Zimmer eine Wand eine auffällige Farbe: dunkelgrau, rot oder türkis. Andere lieben es eher klassisch: weiße Decke, heller Stuck, graue oder beige Wände. Am Ende ist aber alles reine Geschmackssache.

Welche Farben sind in?

Gelb ist zurzeit sehr selten. Grau bekommt dafür immer mehr Abstufungen und Varianten.

Lassen sich alle Töne genauso mischen, wie man es haben möchte?

Die traditionellen Farbfirmen arbeiten ständig an den schönsten Tönen. Farben sind wie guter Rotwein. Natürlich kann man verschiedene zusammenkippen – aber ob das so schmeckt?