Generationenhaushalt

Zwei Generationen unter einem Dach erfordert Toleranz

Viele ältere Menschen wollen in einem vertrauten Umfeld alt werden und ziehen zu ihren Kindern.

– Dieser Schritt bringt für beide Seiten große Veränderungen, sagt Ralf Suhr, Vorsitzender der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). Deshalb sollten sie vorher grundlegende Fragen klären.

„Kinder müssen die veränderte Situation bejahen, damit das Zusammenleben auf Dauer gelingen kann“, sagt Suhr. Ihnen müsse klar sein, dass sich Arbeit, Wohnen, Freizeit und Familienleben neu ordnen. „Vor allem, wenn die Kinder jüngere Kinder haben, ist großes Organisationstalent gefragt.“

Experte Suhr empfiehlt, im Vorfeld offen miteinander zu reden, damit Erwartungen deutlich werden. Dabei dürften die Bedürfnisse beider Seiten nicht vernachlässigt werden. So könne zum Beispiel ein Umzug der Eltern in eine Stadtwohnung zur Belastung für die ganze Familie werden, wenn sie bisher auf dem Land gewohnt haben.

Die Aufnahme ist immer auch eine Platzfrage. Zunächst müsse natürlich ein Raum für das Elternteil zur Verfügung stehen, sagt Suhr. Sind die Eltern pflegebedürftig, sollte die Wohnung barrierefrei sein. Hier seien ausreichende Bewegungsmöglichkeiten und breite Türen im Bad, eine bodengleiche Dusche und maximal drei Treppenstufen in der Wohnung wichtige Kriterien, zählt der Experte auf. Bei Umbauten könne eine Wohnraumberatung nützliche Tipps und Hinweise geben.

Auch sollte man sich über Unterstützungsmöglichkeiten informieren. Ist das Elternteil pflegebedürftig, kann Pflegegeld beantragt werden. Das erhalten dann die Kinder als eine Art Aufwandsentschädigung, erläutert Suhr. Kinder können zur Unterstützung zum Beispiel Pflegedienste engagieren, um sich gezielt zu entlasten. „Diese übernehmen auch Teilaufgaben wie die tägliche Körperpflege.“ Das Sozialgesetzbuch ermöglicht außerdem eine Auszeit von der Pflege. Für eine maximale Dauer von 28 Tagen erstattet die Pflegekasse dann bis zu 1550 Euro für eine Ersatzpflege.

Für gesetzlich Versicherte sind die insgesamt 430 Pflegestützpunkte die richtige Anlaufstelle. Sie helfen bei Problemen, Konflikten aber auch bei Fragen zu Pflegeleistungen. Privatversicherte müssen sich dagegen an die sogenannte Compass Private Pflegeberatung wenden.