Architektur

Im Alter schön wohnen

Neues Leben in Schöneberg: Ehepaar Lobecke verließ die Villa auf Sylt und zog in die dritte Etage der Residenz Tertianum

Als beim niedersächsischen Unternehmer Manfred Lobecke und seiner Frau Rosemarie das Arbeitsleben zu Ende ging, residierten sie in einer Villa in Kampen auf Sylt in der ersten Reihe. Gemeinsam mit ihrem Afghanen konnten sie täglich am Strand entlanglaufen, sich an kalten Tagen mit heißem Tee wärmen und die von ihnen so geliebte nordische Natur genießen. Er spielte Golf, sie ging ihrem kunsthandwerklichen Hobby nach. Aber als mehr und mehr medizinische Behandlungen anstanden, mussten sich beide öfter aufs Festland begeben. Vor allem in der Berliner Charité fanden sie Ärzte, denen sie vertrauten. Das brachte Manfred Lobecke auf eine Idee.

Der gebürtige Berliner, in Köpenick geboren, versuchte seiner niedersächsischen Gattin klarzumachen, dass es am besten sei, noch mal umzuziehen: nach Berlin. Nach dem Probewohnen im Tertianum an der Passauer Straße in Schöneberg, direkt neben dem KaDeWe, waren beide einig, Einwohner der Hauptstadt zu werden – aber nur mit gewohntem Standard. Statt der üblichen 70-Quadratmeter-Wohneinheit im Tertianum wollte das Paar mehr Raum. Also wurden ein Architekturbüro eingeschaltet, Pläne gemacht, Wände durchbrochen, neue Eichendielen gelegt – geölt, nicht lackiert – und beratschlagt, mit welchen Möbeln man nach Berlin ziehen würde. Seit einem Jahr leben die Lobeckes in dem Komfort, den sie sich gewünscht hatten. „Wir haben in unseren gemeinsamen Jahren, die Goldene Hochzeit liegt bereits hinter uns, immer in schönen Häusern gewohnt“, erklärt Rosemarie Lobecke. „Wir wollten auch in Berlin ein letztes schönes Zuhause haben.“

Manfred Lobecke kennt sich beim Neu- und Umbau aus. Der einstige Schriftsetzermeister, der nach dem Krieg in den Raum Hannover gegangen war, stieg schon als junger Mann ins Immobiliengeschäft ein und hatte nicht nur gekauft und verkauft, um dabei üppig Rendite zu machen. Seine Firma baute in Bad Nenndorf bei Hannover und anderswo Hunderte Wohnungen, Supermärkte und andere logistische Immobilien, später verlegte er sich auf den Hotelbau. Von dieser Zeit schwärmt er heute noch, das Gestalten von Gebäuden hat ihm am meisten gefallen. In seiner Zeit als Gründer gehörten zum Portfolio des Unternehmens sechs Hotels in Düsseldorf, München, Basel, Mannheim und Niedersachsen. Mittlerweile hat er sie an eine Kette verkauft hat, Sohn und Tochter arbeiten in anderen Branchen.

„Ich wollte Hotels mit Atmosphäre“, erinnert er sich. „Als sie fertig waren, wurden Direktoren angestellt und an der langen Leine gehalten. Auf 10.000 Mark sollte es bei den Ausgaben nicht ankommen. Schön sollte es sein.“ Das hat offenkundig Eindruck gemacht, einige der General Manager besuchen ihn immer noch, um über vergangene Zeiten zu schwelgen, als man es dem Gast auf Zeit im Hotel noch schön machen wollte. „Grundstücke und Räume komplett durchzugestalten bis in Details, das ist ein großes Vergnügen“, resümiert Manfred Lobecke. „Dabei ist Vermögen durchaus von Vorteil.“

Individueller Ausbau

Trotz einiger medizinischer Eingriffe nahm das Paar in der Altersresidenz in eigener Angelegenheit die Zügel in die Hand. „Wir sind beide emotionale Menschen“, sagt er mit lächelndem Blick auf seine Frau. „Aber die Entscheidung für Berlin war rein rational.“ Es sei ihnen nach dem Entschluss leicht gefallen, Sylt zu verlassen, die Limousinen zu verkaufen, mit dem Golfen aufzuhören und dem beliebten Strandlaufen. „Die Grundsatzentscheidung war getroffen, jetzt sollte daraus das Beste gemacht werden.“

Die 150 Quadratmeter große Wohnung im dritten Stock des Tertianums erhielt an der Decke Stuckbesatz, beide Bäder wurden umgebaut – das eine in Mahagoni, das andere sachlich –, die Türen mit noblem Furnier aufgearbeitet, die Wände weiß getüncht mit dezentem Lichtgrau an bestimmten Stellen. Die zweite Küche wurde zum Wirtschaftsraum umgewandelt, in der Helferin Maria die Wäsche richtet. Die Fensterbänke baute ein Tischler auf einen halben Meter Breite aus, um Antiquitäten anordnen zu können. Der Wintergarten erhielt eine Klimaanlage, die das Gesamtklima der Wohnräume verbessert. Dort verbringt das Paar gern die Stunden. „Früher Nordseerauschen, heute KaDeWe“, sagt Rosemarie Lobecke. „Wir wollten das Allerbeste, nachdem wir doch viel aufgeben mussten. Ich sage immer zu meinen Kindern: Das KaDeWe ist mein Kiosk. Hier krieg ich alles, was mein Herz begehrt.“

Manfred Lobecke musste sich erst daran gewöhnen, dass an der Tür sein Namensschild steht. „In Bad Nenndorf war das nicht nötig, da kannte jeder Postbote mein Büro“, sagt er. Auch an seinem Sekretär hat er sich noch nicht gewöhnt. „So einen kleinen Schreibtisch hatte ich nie. Und statt eines Sekretärs gab es jahrzehntelang Sekretärinnen.“ Auf dem Laptop tippt er erst, seitdem er pensioniert ist. Davor hat er immer diktiert. Den Verlust seines Golfplatzes auf Sylt kompensiert er dadurch, dass er über einen Kanal im Fernsehen alle wichtigen Turniere weltweit verfolgt.

Gemeinsam hat das Paar die Wohnung in einem eigenen und geschmackvollen Stil entworfen. Die Lieblingsmöbel aus der Vergangenheit wurden nach Plan platziert, vor allem Erinnerungsstücke. Ein fein ziselierter Eckschrank steht im Wohnzimmer, auf der Seite gegenüber, direkt neben dem Esstisch, prunkt eine Standuhr aus England, die mehr als 200 Jahre alt ist. Die Kronleuchter ließen sie aus Marmorkristall anfertigen, und im Fenstererker ziert chinesisches Kunstwerk den Raum. Hauptsächlich wertvolle Mitbringsel von diversen Reisen fanden einen Ort im Wohnzimmer: zwei historische Radierungen aus England, ein langschiffiges Gefäß aus Zinn, eine Lampe aus Murano bei Venedig und andere Antiquitäten. Auch auf zwei eigens bestellte Gemälde eines Berliner Malers wollten die Lobeckes nicht verzichten: Sie zeigen die Gattin im Alter von 42 Jahren und den ersten Hund Baro, auch ein Afghane. Dazu die Kunsthandarbeiten von Rosemarie Lobecke, gestickt mit Kreuzstich geschaffen oder geknüpft, wobei Lichteffekte besonders beachtet wurden. Die Räume mit dezentem Dekor sind nicht überladen. Den Wohnzimmer-Teppich im Sitzbereich, eine gemütliche Insel der Muße und des Gesprächs, ließ man exakt auf Maß weben. Die beiden weißen Ledersessel sind mehrfach verstellbar. Manfred Lobecke sagt: „Wir wollten es nicht minimalistisch in unseren Räumen, aber puristisch. Alles zusammen sollte stimmig sein.“ Seine Frau ergänzt: „Und kein Gedöns auf dem Tisch.“ Das Paar lebt zurückgezogen, empfängt aber gern Besuch.

Ausflüge nach Sylt

„Im Tertianum leben 115 Menschen“, sagt Direktorin Franziska Rahmel. „Alle gestalten ihre Wohnbereiche mehr oder weniger individuell, aber niemand so durchdacht wie das Ehepaar Lobecke.“ Das Tertianum ist die exklusivste Berliner Altersresidenz, Fünf-Sterne-Niveau, das Haus rund um einen Lichthof unterm verglasten Dach wird geführt wie ein Hotel mit Rezeption. 61 Angestellte, weitere Mitarbeiter in Technik und Reinigung, stationäre Pflege hausintern. Schwimmbad, Sauna, Wassergymnastik, Ausflüge inklusive. Jede Woche eine Kulturveranstaltung auf hauseigener Bühne. Das Feinschmecker-Restaurant ist bis in die Nacht geöffnet, die Küche stets in Betrieb, ein Sternekoch steht ihr vor. Wer es sich leisten kann, ist hier gut aufgehoben. „Wir haben die richtige Entscheidung getroffen“, sagen Manfred und Rosemarie Lobecke. Manchmal nutzen sie einen Limousinenservice zum Ausflug nach Sylt, und kommen gern zurück.