Gastkolumne

Fußball - ein Balkonmärchen

René Berott ist Leiter Bereich Wohnungseigentumsverwaltung bei der STRABAG RPS, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Weltmeisterschaft. Sommer. Brasilien. Das klingt schon vor dem ersten Anpfiff nach Party! Schnell einen Kasten Bier kaufen, die Deutschlandflagge über das Balkongeländer spannen und die Vuvuzela vom letzten Mal aus dem Keller holen – und los geht’s mit dem Feiern und Mitfiebern. Doch halt, es gibt immer Spielverderber! Im schlimmsten Fall wohnen sie nebenan, sind vielleicht für ein anderes Nationalteam oder wollen gar gerade ihre Wohnung verkaufen. In einer Wohneigentumsanlage kommt schnell mal Ärger über die Gestaltung von Balkonen auf. Sei es wegen Schwarz-Rot-Gold – oder Markisen, Katzengittern, Sonnenschirmen und Vogelkäfigen.

Die individuelle Gestaltung des Balkons verändert, sofern sichtbar, das Erscheinungsbild der Fassade und stellt im Regelfall keine ordnungsmäßige Instandhaltung oder Instandsetzung dar. Demnach sind Sonnenschutz oder Vorrichtungen für Tiere zunächst einmal als bauliche Änderung anzusehen. Eine Zustimmung ist seitens der Gemeinschaft erforderlich, es sei denn, es werden dadurch nicht die Rechte Anderer nach § 14 Nummer 1 des Wohneigentumsgesetzes beeinträchtigt.

Ob eine Markise einen Nachteil für andere mit sich bringt, hängt vom Modell ab. Sind beispielsweise bereits mehrere Markisen montiert, ist die Veränderung der Fassade durch eine weitere Markise wesentlich geringer, als bei der ersten Markise. Ideal wäre, eine Gemeinschaft einigt sich auf eine Markisenauswahl, dann ist eine Neu-Installation für Miteigentümer auch keine Beeinträchtigung mehr. Ein Sonnenschirm, der ja nur von Zeit zu Zeit aufgespannt wird, darf wohl ohne Zustimmung aufgestellt werden. Das fix montierte Katzennetz hingegen verändert mehr oder weniger die Ansicht der Fassade. Und wer seinen Balkon zu einer Voliere umbaut, muss wohl auch bald mit einem Anruf des Verwalters rechnen. Je unauffälliger alles ist, desto geringer ist die Gefahr, dass nachteilige Beeinträchtigungen anderer Eigentümer bestehen könnten.

Nun, die Deutschlandflagge soll aber gesehen werden! Alles gut. WM ist Ausnahmezeit und eine Flagge keine dauerhafte bauliche Veränderung. Das gilt natürlich auch für die Fahnen anderer Länder.

Nächste Woche: Bauliche Veränderungen Teil III, Spielplatz