Interview

„Ich wollte zweifellos das Besondere schaffen“

Piotr Forynski hat als Architekt aus einer dunklen Kellerwohnung einen hellen Souterrain gemacht

Über die Herausforderung, ein Tiefparterre wohnlich zu planen, sprach der Autor Jan Abele mit dem Architekten Piotr Forynski, Mitinhaber des Büros „Foan Architects“. Er hat in Friedenau eine Souterrain-Wohnung saniert.

Berliner Morgenpost:

Was mussten Sie bei der Sanierung der Wohnung von Frau Vetterlein besonders beachten?

Piotr Forynski:

Die Hauptaufgabe war, das Unmögliche möglich zu machen (lacht). Nein, im Ernst: Die Wohnung war vor der Sanierung unglaublich dunkel. An der Hauptwand am Eingang lag eine Hausanschlussanlage des Stromversorgers, über die das gesamte Haus versorgt wurde. Für uns bedeutete das, erst einmal eine Lösung finden zu müssen, wie man die Kabel umleiten könnte. Das ist für sich gesehen noch kein großes Problem, allerdings handelte es sich um faustdicke Kabeltrassen, die direkt aus dem Erdreich in die Gebäudewand verlegt waren. Es mussten zuerst einmal aufwendige Tiefbauarbeiten durchgeführt werden. Dann folgte die Verlegung der Verteilerstation in die Kellerräume im Haus. Hinten im Hofbereich waren die Wände zudem sehr feucht, da der ehemalige Lichtschacht mit Erde zugeschüttet und bepflanzt wurde. Auf ein gelöstes Problem folgten zwei neue – ein Kampf gegen eine Hydra.

Gab es Momente während der Bauarbeiten, in denen Sie es bereut haben, den Auftrag angenommen zu haben?

Nein, es gab für mich keine Zweifel, aus dieser Wohnung etwas Besonderes zu schaffen. Erst einmal die einmalige Lage der Wohnung und dazu der Knick im Straßenverlauf. Da wird die Nordwest-Lage zu einer West-Lage, was wiederum für die Lichtgestaltung neue Möglichkeiten eröffnet. Wir haben die Lichtschächte zwischen Badezimmer und Hinterhof zu „Mini-Austritten“ gemacht. So werden die Räume von Ost nach West durchleuchtet, Glastüren ermöglichen Lichteinfall in der ganzen Wohnung.

Wie lange hat die Sanierung insgesamt gedauert?

Wir haben mit der Entkernung der alten Wohnung und der Entsorgung des abgerissenen Materials im November 2012 begonnen. Bezugsfertig war die Wohnung im Juli 2013.

Welche Risiken bergen Souterrain-Wohnungen für den Bauherrn?

Das Allerwichtigste ist, die Lichtverhältnisse zu beachten. Wenn Sie nicht von vornherein ein gutes Konzept haben, können Sie davon ausgehen, dass die Wohnung nicht vermietbar ist. Deshalb eignet sich auch nicht jedes Tiefparterre für Wohnzwecke. Ebenso wichtig ist die Bauphysik, die birgt auch Risiken. Erdnahe Immobilien neigen dazu, feucht zu werden. Sie brauchen zudem eine gewisse Raumhöhe, die nicht jedes Souterrain vorweist und die man nachträglich nur schwer realisieren kann. Man könnte die Fundamente unterfangen und die Bodenplatten circa zehn bis 15 Zentimeter tiefer legen. Der finanzielle Aufwand wäre aber so hoch, dass die Maßnahme im Endeffekt unwirtschaftlich wäre.

Eigentlich genießen Souterrains keinen guten Ruf – täuscht es oder sind sie in Berlin gerade im Kommen?

So pauschal kann man das nicht sagen. Eher stimmt die Aussage: Es kommt darauf an. Eine sonnige Souterrain-Wohnung ist doch viel angenehmer als ein dunkles Loch im dritten Obergeschoss, das hat dann auch erst mal gar nichts mit der Nachfrage in einem bestimmten Kiez zu tun. Und wenn man wie in diesem Fall noch im Vorgarten etwas Erde unter den Füßen hat, ist alles doch perfekt. Aber zugegeben: Das ist selten der Fall.