Einrichtung

Rückkehr der Wohnküche

Jetzt kommen auch die Möbel in den Fokus der Kreativen

Egal, ob in Sachen Mode oder Wohnen, den einen allgemeinen Trend gibt es heute nicht mehr. Stattdessen existieren zig verschiedene Substile und Mikrotrends. Das gilt auch für Küchenmöbel. Doch es lässt sich ein Wandel über alle Trends hinweg verfolgen: Die Küche wird immer mehr Lebens- statt Arbeitsraum.

Die zeitgemäße Küche ist zwar smart und vernetzt. Aber die Trendforscherin Oona Strathern sagt: „Ich glaube, dass die Küche der Zukunft sehr viel weniger technologiegesteuert sein wird, als viele Firmen das heute annehmen.“ Menschen brauchen taktile Erfahrungen in einer Küche. „Deshalb bin ich überzeugt, dass die Küche der Zukunft mehr der aus der Vergangenheit ähneln wird: Sie wird chaotischer, geruchsintensiver und definitiv interessanter.“

Die Branche interpretiert solche Zukunftseinschätzungen mit Designs, die den Anschein eines einfachen Lebens wiedergeben. Die Hersteller setzen nicht nur, aber auch auf natürliche Materialien. Die Marke Team 7 stellte die Küche Loft vor, eine moderne Landhausküche mit von Hand sortierten Holzfronten. Lago legt das Modell 36e8 auf, das Fronten aus alter Eiche mit einer Arbeitsplatte aus Stahl verbindet.

Auch ökologische Aspekte werden bei den Designs bedacht: Statt Bäume zu fällen, werden alte Hölzer wiederverwertet. Upcycling nennt sich das. „Ein Beispiel dafür ist die Duemilaotto-Küche von Piero Lissoni für Boffi, die raues Holz, die Überbleibsel einer alten Berghütte, als Tisch in eine Design-Küche integriert“, sagt Strathern. Den Trend zum Retrolook greift auch das Unternehmen Valcucine auf. Die Küche SineTempore soll traditionelle Werte vermitteln – durch Verwendung handwerklicher Techniken wie Intarsien.

Der Küchenblock Drawer Kitchen von Gitta Gschwendtner für Schiffini sieht aus, als seien verschieden große Holzboxen beliebig aufeinandergestapelt worden. „Sie schafft Verbindungen zwischen Lebensmittelzubereitung und dem sozialen Aspekt des Essens, denn sie vereint den Bereich Küche mit Ess- und Wohnzimmer“, beschreibt die Designerin ihre Küche.

Immer öfter fallen die Wände zwischen Küche und Wohnzimmer. Lebenszonen vereinen sich – in einer Zeit, in der viele Menschen sich mit Snacks begnügen und oft nur noch am Wochenende gekocht wird. Aber das dann in einer hochwertigen Küche.

Bulthaup hat die Modulküche EG2A im Programm, die auf Flexibilität und Miteinander setzt. Das Vorbereitungselement mit Holzauflage schafft zusätzliche Arbeitsfläche. Das Präsentationselement mit Einlegetablaren aus Aluminium wirkt wie ein modernes Regal für den Wohnraum.

Der Designer Oki Sato hat mit Scavolini die Küche „Ki“ aufgelegt: Auf schlichten Holzborden reihen sich weiße Container mit abgerundeten Formen aneinander. „Ki“ bedeutet im Japanischen einerseits Schale und andererseits Holz, vereint also beides im Produkt, das ebenso ästhetisch wie simpel wirkt.