Interview

„Zuerst wurde der Bauantrag abgelehnt“

Architekt Christian Roth über Herausforderungen des ambitionierten Projekts mit 72 Gesellschaftern

Autor Roland Mischke sprach mit Christian Roth, 43, über den Bauvorgang an der Zelterstraße. Er ist einer der beiden Betreiber des Büros „zanderrotharchitekten“.

Berliner Morgenpost:

Sie haben sich im Wohnungsbau spezialisiert. Wie viele Entwürfe liegen in Ihren Schubladen?

Christian Roth:

Bei uns liegen Entwürfe nicht lange in Schubladen. Da wir keine Museen oder andere Objekte im öffentlichen Raum bauen, sondern nur Wohnungen, fehlt es uns nicht an Aufträgen. Das meiste wird realisiert.

Sie arbeiten bevorzugt mit Baugruppen zusammen, die ihre ganz eigenen Anforderungen an Projekte haben.

Das hat sich ergeben, als wir vor zwölf Jahren begannen, uns in Prenzlauer Berg und anderen Bezirken des einstigen Ost-Berlin umzuschauen. Für das Projekt in der Zelterstraße gab es schon eine Kerngruppe an Interessenten, der Rest wurde noch über Immobilienscout 24 ins Projekt geholt.

Gibt es da nicht sehr verschiedene Vorstellungen, die alle irgendwie unter einen Hut gebracht werden müssen?

Ja, aber das läuft ab wie ein demokratischer Prozess, und das akzeptieren die Leute. Gemacht wird, was die Mehrheit wählt. Die Minderheit, die es anders wollte, nimmt das hin und empfindet das Überstimmtwerden nicht als Niederlage.

Wie viele Gesellschafter kamen zusammen?

72. Gewählt wurde ein Beirat, der alle vier Wochen zusammenkam, um den Stand der Dinge zu erörtern, drei Jahre lang. Die knapp 15 Leute haben das Alltagsgeschäft mit uns Architekten und einer zweiten Firma, der Bauherrenbetreuung, betrieben.

Was sind für Sie als Architekturbüro die Voraussetzungen, mit einer Baugruppe zu arbeiten?

Erstens muss der Kostenplan eingehalten werden. Zweitens haben wir klargestellt, dass wir für das Äußere und die Architektur verantwortlich sind. Die Wohnungen gestalten die Besitzer selber.

Wie ist es mit dem Vertrauen, dass alles seinen richtigen Gang geht?

Ein Grundvertrauen muss vorhanden sein, und das war der Fall. Wir haben immer wieder Pläne vorgelegt, so dass die Gesellschafter etwas sehen konnten.

Sie hatten einen Optionsvertrag auf das Grundstück. Wie haben Sie das geschafft?

Vielen Bauherren galt die Lage als uninteressant, da gab es nicht viel Konkurrenz. Heute wäre eine solche Option nicht mehr möglich, weil auf dem Berliner Wohnungsmarkt alles aufgekauft wird.

Sie haben den Baukostenplan nahezu eingehalten, das gibt es nicht oft.

Wir mussten aber auch einen Preis dafür bezahlen. Ursprünglich sollte die Fassade zur Zelterstraße hin viel aufwendiger gestaltet werden, das mussten wir drastisch reduzieren.

Was waren die größten Herausforderungen am Bau?

Die schmalen Hausbreiten und die darin quer liegenden Treppen. Wir hatten lange Bedenken, ob das so funktionieren würde.

Der Bauantrag ging bei den Behörden glatt durch?

Leider nicht, das war der größte Kampf. Der Bezirk hat den Bauantrag versagt mit zwei Begründungen: weil das Objekt an einer Seite direkt an eine Kirche anschließt und weil Dachterrassen grundsätzlich nicht erlaubt seien.

Wie kam es dennoch zum Bau?

Wir sind den langen Amtsweg gegangen, haben Widerspruch bei der Oberen Baubehörde eingelegt und uns auch beim Senat von Berlin gemeldet. Von dort kam die endgültige Bauerlaubnis.