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Nasszelle wird Wohnraum

40 Minuten pro Tag verbringen wir im Schnitt im Bad

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte das typische deutsche Badezimmer den abschreckenden Charme einer Metzgerei. Enge, fensterlose Räume mit weißen Fliesen und gleichfarbigen Sanitärinstallationen dienten dem Zweck der Körperhygiene und sollten vor allem pflegeleicht sein. Das änderte sich erst Ende der 70er-Jahre, als Designer Badewanne, Toilettenschüssel und Waschbecken als Experimentierfeld entdeckten und aufregende neue Formen und Farben schufen. Inzwischen hat sich die Nasszelle von damals zu einem Refugium gewandelt, das dem Rückzug vom Alltagsstress und der Erholung dient.

Erweiterte Funktionen

„Das Badezimmer ist heute ein komfortabler Wohnraum, der ebenso wichtig ist wie Küche oder Wohnzimmer. Das zeigt sich sowohl in einer neuen Qualität der Gestaltung als auch in der erweiterten Funktionalität“, sagt Bertrand Illert vom Büro für Industrial Design, NOA, das Badobjekte entwickelt und für die Hersteller Trendforschung betreibt. In der Wohnung sei generell eine Auflösung der einzelnen Wohnräume mit fließenden Übergängen zu beobachten. Ebenso wie Küche, Esszimmer und Wohnbereich, wo sich die sozialen Aktivitäten abspielten, wüchsen Schlafzimmer, Ankleide und Bad zum privaten Rückzugsbereich zusammen.

„Dabei macht sich der Trend zum Selbstdesign bemerkbar“, sagt Illert. Der moderne Badbenutzer wäscht und rasiert sich nicht nur im Bad, sondern erfrischt sich in einer modernen Hightech-Dusche und präpariert sich dann für den abendlichen Auftritt. Wer – auch im Sinne der Hersteller – alles richtig gemacht hat, nimmt dabei auf der Chaiselongue Platz, um in bequemer Lage die Schönheitskur in Angriff zu nehmen. Dieses Prozedere erklärt den immer längeren Aufenthalt im Bad. Nach einer repräsentativen GfK-Befragung beträgt dieser 40 Minuten pro Tag, bei einem Drittel der Deutschen sogar täglich eine Stunde lang.

Der Trend zum Wohnraum zeigt sich in Formen, Farben und neuen Materialien. „Weiß bleibt die Grundfarbe, sie wird bevorzugt mit hellen oder dunkleren Naturtönen kombiniert. Und die Badmöbel sind eleganter geworden“, sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie.

Eine indirekte Beleuchtung erhellt die neue Designausstattung und kann durch farbiges Licht die gewünschte Stimmung erzeugen. Stein, Holz und andere Naturmaterialien sind beliebt. Im Bad werden zunehmend Parkettfußböden aus Eiche oder Nussbaum verlegt.

Wichtigster Einrichtungsgegenstand ist die geräumige Dusche, barrierefrei auf gleicher Ebene wie der Fußboden, meist hinter transparenten Wänden, angeordnet. Dabei sind die neuen Brausekabinen deutlich über die früheren Standardmaße von 90 mal 90 Zentimetern hinausgewachsen. Neue Hightech-Duschköpfe versprühen das Wasser als Miniwasserfälle oder Wasserwand, zerstäuben das Nass als Frühlingsregen oder feinen Nebel und können sogar im Rhythmus der Musik den Strahl tanzen lassen.

Luxusbad für 50.000 Euro

„Das durchschnittliche Bad misst 7,8 Quadratmeter, das hat sich in den vergangenen Jahren nicht geändert“, sagt der Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft, Jens Wischmann. Allerdings lassen sich die Deutschen ihre Badausstattung mittlerweile mehr kosten. Ein Bad mit neuester Sanitärtechnik in einheitlicher Designerausführung kostet laut Verband 10.000 bis 15.000 Euro. Ein Luxusbad mit frei stehender Badewanne und den modernsten Neuentwicklungen kann 50.000 bis 100.000 Euro kosten.