Gastkolumne

Es grünt so grün

Hans Georg Kranz ist Geschäftsführer der Strabag RPS, einem der größten WEG-Verwalter Berlins

Der eine schätzt jedes grüne Blatt vorm Fenster, dem anderen wird es schnell zu dunkel. Ewiger Streitpunkt in Eigentümergemeinschaften ist die Verschattung von Wohnungen. Da der Baum nahe dem Haus sowie die Tatsache, dass er jährlich ein Stück wächst, den Bewohnern bekannt sein sollten, muss die Motorsäge erst mal warten.

Von Mai bis September dürfen grundsätzlich keine Bäume gefällt werden – gemäß § 39 Absatz 5 Nummer 2 des Bundesnaturschutzgesetzes. Berlin hat noch eine eigene Baumschutzverordnung sowie ein Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege, das es zu beachten gilt, bevor einem Baum ein Blatt gekrümmt wird. Einige Bäume sind besonders geschützt, sofern sie in 1,30Meter Höhe einen Umfang ab 80 Zentimeter haben: Walnuss, Türkischer Baumhasel, Waldkiefer und alle Laubbäume.

Jeder Eigentümer oder Nutzungsberechtigte von Grünflächen ist verpflichtet, seine Bäume zu erhalten und zu pflegen.

Genehmigungsfrei sind gemäß § 4 Absatz 4 Baumschutzverordnung lediglich die Entfernung von Totholz und beschädigten Ästen, das fachgerechte Entfernen von Zweigen und Ästen bis zu einem Umfang von maximal 15 Zentimeter, soweit dies im Rahmen erforderlicher Dach- und Fassadenfreischnitte, zur Herstellung des Lichtraumprofils von Gehwegen, Zufahrten, Müllplätzen, Spielplätzen sowie zur Verhinderung einer Verschattung von Wohn- oder Arbeitsräumen erforderlich ist oder sie Grundstücksgrenzen überragen.

Anders gesprochen: Ab 15 Zentimeter Astumfang wird es kompliziert. Die Wohneigentümergemeinschaft hat zwar die Beschlusskompetenz zur Fällung von Bäumen auf dem Grundstück, kommt aber an den Gesetzen nicht vorbei. Somit ist immer der Einzelfall zu prüfen. Da eine Änderung des Erscheinungsbildes des Gemeinschaftseigentums erfolgt, wenn ein Baum umgeschnitten wird, gilt dies als bauliche Veränderung und setzt eine Zustimmung aller voraus.

Der Gartenbereich ist also bestens gesetzlich geschützt. Argumente wie „zu dunkel“ einzelner Wohnungseigentümer reichen bei Weitem nicht aus, um einen alten Baum zu fällen. Wenn die Gemeinschaft es so will, bleibt es in jedem Fall dabei: Es grünt so grün.