Wohnprojekt

Wo Frauen unter sich bleiben

Eigenheime für Bewohnerinnen in harmonischer Gemeinschaft

Frauenwohnprojekte sind im Kommen. Immer mehr Eigenheime entstehen, in denen Frauen unter einem Dach in harmonischer Gemeinschaft leben können. Vor sieben Jahren wurde am Kreuzberger Erkelenzdamm mit 53 Wohnungen der „Beginenhof“ gebaut, vor drei Jahren folgte dann der „Müggelhof“ in der Friedrichshainer Müggelstraße mit 25 Wohnungen. Derzeit entsteht der „Florahof“ im Pankower Florakiez mit 20 modernen Eigentumswohnungen zwischen 50 und 70 Quadratmetern mit Gemeinschaftsraum, Gästeapartment und Dachgarten. 2015 soll es fertig sein.

Die Idee ist sehr alt. Schon im Mittelalter gab es in Holland die „Beginenhöfe“, in denen allenstehende Frauen gemeinschaftlich zusammen lebten. Das Konzept will man nun in Berlin installieren. Frauen haben ihre eigene Wohnung, leben aber in einem Haus solidarisch mit Gleichgesinnten, helfen und unterstützen sich gegenseitig und bilden eine große Familie. Sie engagieren sich für eine gemeinsame Idee und lassen sich gegenseitig inspirieren. Vor allem für ältere Frauen, die ihren Lebenspartner verloren haben und allein leben, ist das optimal. Sie haben Menschen um sich, die bereit sind zu helfen und oft auch ähnliche Interessen teilen. Das Ziel: Den gemeinsamen Traum zum Leben erwecken und in einem Haus mit Gemeinschaftsraum und Garten zusammen eine schöne Zeit verbringen. „Bei regelmäßig stattfindenden Gesprächsrunden mit potenziellen Interessentinnen sammeln wir Ideen und besprechen alle Details mit künftigen Eigentümerinnen. Außerdem beraten wir sie bei der Gestaltung der Gemeinschaftsräume“, sagt Katharina Sebralla von Kondor Wessels.

In der Regel bevorzugen Frauen zwischen 40 und 80 Jahren die Frauenwohnprojekte. Manche haben eine Trennung hinter sich, andere wollen frei und unabhängig sein und ihr Leben selbst gestalten. Alles selbstbewusste Frauen, die ihre Schicksale selbst in die Hand genommen haben. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die Bewohner der Frauenwohnprojekte haben nichts gegen Männer, sie ziehen lediglich eine Wohnform vor, wo sie in weiblicher Gemeinschaft ihr Leben fortsetzen können. Sie kommen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Berlin, teilweise beruflich. Andere wollen im Ruhestand einfach das große Kulturangebot der Stadt geniessen und sich hier eine neue Zukunft aufbauen. Alle haben Lust auf das gemeinschaftliche Zusammenleben, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Sie tauschen sich aus und befruchten sich gegenseitig mit frischen Ideen. Alle ziehen an einem Strang, damit das Zusammenleben besser klappt.

In den Gemeinschaftsräumen werden Vorträge, Ausstellungen und Lesungen organisiert, um die Zeit besser und sinnvoller gestalten zu können. Yoga und Sportveranstaltungen gehören auch dazu. Das Gemeinschaftsprogramm ist ein Angebot und keine Pflicht.