Gemälderestauration

Gemälde transportieren eine Aura, einen Glanz

Es ist in allen Epochen ein Bedürfnis des Menschen, sich mit speziellen Attributen zu verewigen

Felizitas zur Lippe ist Diplom-Gemälderestauratorin und untersucht zunächst die Gemälde auf ihre Beschaffenheit.

Berliner Morgenpost:

Können Sie Ihre Arbeit kurz beschreiben?

Felizitas zur Lippe:

Ich restauriere und konserviere Gemälde auf textilen Bildträgern. Im ersten Schritt untersuche ich ein mir vorliegendes Gemälde sowohl kunstgeschichtlich als auch maltechnisch. Ich prüfe die Beschaffenheit der Leinwand, der schichtenweise aufgebauten Malschicht und die sie schützende Firnisschicht. Sind Risse oder Löcher in der Leinwand, Verluste oder starke Verunreinigungen der Oberfläche, so ergibt sich die Notwendigkeit einer restauratorischen Maßnahme.

Mit welchen Techniken können Sie Bildern neues Leben einhauchen?

Wie bereits erwähnt, ist die wissenschaftliche Materialanalyse des Gemäldes die Vorgabe für alle weiteren Arbeitsschritte. Als Restaurator ist es nicht meine Aufgabe, einem Gemälde ein neues Leben einzuhauchen, sondern es ist eher meine Aufgabe, das Gemälde entsprechend seiner Materialvorgaben zu sichern oder zu konservieren.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an Porträt-Malereien?

Porträtmalerei ist für mich persönlich die spannendste Form der Persönlichkeitsdokumentation. Durch alle Epochen ist es ein Bedürfnis des Menschen gewesen, sich entsprechend seines sozialen oder gesellschaftlichen Standes, seiner Rolle oder Funktion mit entsprechenden Attributen zu verewigen. Es gibt unendlich viele unterschiedliche Arten und Techniken, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Porträts können real, abstrakt, schematisch oder formal wiedergegeben sein.

Welche Unterschiede lassen sich über die jüngeren Epochen erkennen?

Blicken wir auf die Porträt-Malerei des 18. Jahrhunderts, so vollziehen sich grundlegende Veränderungen in dieser Zeit. War das kostbare und kostspielige Portrait bis zum 18. Jahrhundert fast ausschließlich ein Privileg des Adels, so öffnete sich eine Porträtkunst mit dem Erstarken des Bürgerturms und der Bildung von neuen Geisteseliten für alle gesellschaftlichen Schichten. Es spiegelte den Stolz und die Errungenschaft und das neue Selbstbewusstsein der Abgebildeten wider. War es im 18. Jahrhundert besonders die realistische, naturwissenschaftlich motivierte Wiedergabe gefragt, so lässt sich ab dem 19. Jahrhundert die Tendenz zur Auflösung von Formen und Strukturen hin zur Abstraktion erkennen.

Was waren die bislang größten Persönlichkeiten unter Ihren Fittichen?

In einer langen Berufspraxis kommt schon eine illustre Gesellschaft über verschiedene Epochen zusammen. Dazu zählen Porträts aus dem preußischen Adel, darunter etwa Friedrich der Große. Für mich ist es sehr wichtig, dass alle Porträts bei der Restaurierung die gleiche Achtung und Wertschätzung erfahren.

Was sagen uns Porträts in unseren Wohnungen?

Porträts stehen oft als Zeitzeugnisse für eine Epoche, für ihre Werte und Ideale. Ich habe schon oft erlebt, dass Kunden sich Porträts von ihnen fremden Menschen in die Wohnung hängen. Die Motivationen dafür können unterschiedlich sein. In ihrer Wahrnehmung transportiert das Portrait eine Aura, einen Glanz oder auch eine Atmosphäre, mit der sich der Besitzer gern identifizieren möchte.